Prisoners of War - Nach einer wahren Geschichte (Splendid Film)

Prisoners of War – Nach einer wahren Geschichte (Splendid Film)

Ich gebe es zu, ich bin ein großer Fan dieses Genres, welches aus meiner Sicht derzeit am Besten die Koreaner zu drehen wissen: den bildgewaltigen, emotionalen, mit Hang zum Pathos inszenierten Kriegsfilm, der gerne auch mal kitschig und gefühlsduselig sein mag, aber immer wieder die Kurve zur wohltuenden Ernsthaftigkeit kriegt.
Hier haben wir den neusten Vertreter dieser Gattung, inszeniert von Regisseur Kang Je-kyu (Shiri, Brotherhood), der sein Können in genau diesen Beiträgen schon ausreichend unter Beweis gestellt hat.

Die Geschichte spielt im von den Japanern besetzten Korea des Jahres 1938. Da der politische Zweikampf lebensgefährlich sein kann, wählt Marathonläufer Jun-shik (Jang Dong-gun) den sportlichen. Hier kämpft er verbissen gegen seinen japanischen Kontrahenten Tatsuo (Joe Odagiri), wobei die sportliche Rivalität mittlerweile in offenen Hass umgeschlagen ist. Bei einem Schaukampf wird Tatsuo fälschlicherweise als Sieger auserkoren, was die Veranstaltung zu einer blutigen Auseinandersetzung eskalieren lässt, woraufhin Jun-shik von der japanischen Armee zwangsrekrutiert wird.
An der Front treffen beide erneut aufeinander, und man lernt, trotz der Unterschiedlichkeiten aufeinander zuzugehen. Dieser Lernprozess wird jedoch durch diverse brutale Kampfeinsätze an verschiedenen Kriegsschauplätzen begleitet.

Prisoners of War, oder My Way, wie er im Original heißt, wurde erstmals auf der Berlinale präsentiert. Man kann behaupten, und ich bin der letzte, der das verneinen würde, dass der Film zu dick auftragen würde. Aber positiv fiel mir auf, dass man politisch zwar eine offene Stellung bezog, die zugunsten der Koreaner ging, man aber trotzdem bemüht schien, das Bild der Japaner nicht zu stereotyp zu gestalten, sondern auch hier eine tiefere Charakterisierung (so es denn bei dieser Art Film möglich war) vorzunehmen.
Die Effekte und die Schnitttechnik sind unglaublich, oftmals erschlägt einen das Gesehene förmlich. Brachial, blutig und explosiv wird das Geschehen in Szene gesetzt, aber auch die ein oder andere kleine und verspielte Huldigung (ich denke zum Beispiel an die gekonnte Hitchcock-Verbeugung) findet ihren Platz.
Man muss auf die Art Film stehen, und sich nicht von zu vielen Emotionen und Pathos abschrecken lassen, denn trotz der Thematik ist der koreanische Kriegsfilm ein sehr emotional-gefühlsbetonter. Hier können auch nicht die gezeigten Gräuel darüber hinwegtäuschen!

Die Blu-ray, die Splendid Film in ihrer fantastischen Amasia-Reihe in einem schön gestalteten Schuber veröffentlicht, ist aus technischer Sicht über jeden Zweifel erhaben. Der epische 144 Minuten lange Prisoners of War wird in einer brillanten Bild- und Tonqualität präsentiert, im Bonussektor findet man dazu noch etwa neun Minuten Material von den Dreharbeiten und fünf Minuten Interviews mit den Beteiligten. Dazu kommen dann noch der obligatorische Trailer und die Programmshow.

Prisoners of War ist ein Film, ich gebe es gerne zu, der einen überschwänglichen Hang zum Pathos hat. Ein orchestraler Soundtrack untermalt die bombastisch inszenierten Massenszenen, ob dieses nun sportlicher oder kriegerischer Natur ist. Es wird viel mit Momentaufnahmen oder Zeitlupen gearbeitet, aber alles ist auf einem inszenatorisch und technisch sehr hohen Niveau. Lässt man sich als Zuschauer darauf ein, denn diese Art der Inszenierung ist schon eine deutliche Manipulation, wird man in eine emotionale Achterbahn gesetzt, die einen zweieinhalb Stunden lang nicht mehr loslässt. Ich für meinen Teil habe mich darauf eingelassen, und kann Prisoners of War wirklich jedem empfehlen, der schon mit Brotherhood etwas anzufangen wusste!

Christian Funke-Smolka