„Repo Man” (Koch Films/Explosive Media)

„Repo Man” (Koch Films/Explosive Media)

Regie: Alex Cox

Darsteller: Harry Dean Stanton, Emilio Estevez. Tracey Walter. Olivia Barash u.a.

Dieser originellen Streifen mit einer reichlich abstrusen Story avancierte in den Achzigerjahren zum Kultfilm. Regisseur Alex Cox lässt einen sichtlich gut aufgelegten Emilio Estevez (in seiner ersten Hauptrolle) ein reichlich bizarres Abenteuer erleben und sich mit den verrücktesten Typen herumschlagen. Cox, der seinen zweiten abendfüllenden Film nach eigenem Drehbuch inszenierte und sich auch als Schauspieler einen Namen gemacht hat, stammt ursprünglich aus Liverpool. Zunächst an der Universität von Oxford für Jura eingeschrieben (einer seiner Studienkollegen war Tony Blair), brach Cox das Studium ab, um an der Universität Bristol und später an der UCLA Film zu studieren.

© Koch Films/Explosive Media

Meinung zur Veröffentlichung:

Die Repos sind Männer, die Dinge, in der Regel Autos, die nicht bezahlt wurden, zurückbeschaffen. Als der junge Punk Otto Maddox (in seiner ersten Hauptrolle: Emilio Estevez) auf Bud (Harry Dean Stanton) trifft, führt dieser ihn als Repo Man bei der Firma„Helping Hands Acceptance Company“ ein. Schon bald dreht sich ihre Arbeit nicht mehr ausschließlich um zahlungsunfähige Kunden und streitlustige Puertoricaner, sondern sie sind auf der Suche nach einem geheimnisvollen Chevrolet, werden verfolgt von skrupellosen Regierungsbeamten und müssen sich mit Aktivisten und Außerirdischen rumärgern…

Wenn man mich nach einem freigeistigen, dem Anarchismus nicht abgeneigten und querdenkenden Filmemachr fragen würde, wäre meine erste Wahl wahrscheinlich der britische Regisseur, drehbuchautor und Schauspieler Alex Cox, der mich mit Filmen wie Walker, Straight to Hell oder dem hier vorliegenden Repo Man in eine Richtung stieß, die sich völlig von dem Mainstreamkino unterschied und echten, ungebändigten Rock’n’Roll bot. Repo Man, sein Spielfilmdebüt, zeigte gleich die Richtung, die auch viele seiner späteren Werke gehen sollten und beweist, dass eine Geschichte nicht das nonplusultra darstellt, sondern Filme auch mit dem Bauch genossen werden können. So trifft man hier auf musikalische Untermalung von Iggy Pop, eine losgelöste Kamera von Robby Müller und Darsteller, wie den ikonischen Harry Dean Stanton, Emilio Estevez und Tracey Walter, die eine Geschichte zum Leben erwecken, die sich mit normalen Maßstäben nicht greifen lässt. Wer auf klassisches Kino steht, wird eine stringente Geschichte, logische Muster und einen gängigen Spannungsbogen schmerzlich vermissen. Wer jedoch seine Freude an wilder Unterhaltung, lauter Musik, liebevollen Details und einem teils sehr hintersinnigen Humor hat, der ist hier genau richtig. Repo Man ist ein unbeschreiblicher Trip, auf den man sich einlassen, und den man weniger beschreiben, als besser selber erleben muss!

© Trailer: Movieclips Classic Trailers

Zum 35. Jubiläum erscheint bei Explosive Media im Vertrieb von Koch Films die Science-Fiction-Actionkomödie Repo Man (Originaltitel: Repo Man, USA 1984) als gut aufbereitete deutsche HD-Premiere im auf 1000 Stück limitierten 3-Disc-Mediabook. Der Film liegt sowohl auf Blu-ray und DVD vor, Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 2.0; Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) der von mir getesteten Blu-ray befanden sich auf einem qualitativ erfreulich guten Niveau. Im Bonusbereich auf den beiden Discs befanden sich der Original Kino-Trailer im 4:3-Format, der Audiokommentar von 1999 und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial. Das Sahnehäubchen jedoch ist die Bonus-DVD, die die seltene und berühmt-berüchtigte US-TV-Version (93 Minuten, Deutsch & Englisch: Dolby Digital 2.0) enthält. Diese wurde seinerzeit in den 80’er Jahren von Universal bestellt und von Regisseur Alex Cox und Dick Rude erstellt und liegt hier in SD im 4:3-Format vor. Der Clou dieser Fassung ist, dass man sämtliche ruden Szenen oder Dialoge entfernte und auf humorvolle Weise anderes Material oder kreative neue Wortschöpfungen verwendete. Dazu gibt es eine elfminütige Einleitung von Alex Cox aus dem Jahr 2011, 25 Minuten an entfernten Szenen, die mit erklärenden Interviews angereichert wurden, ein Interview-Special mit Harry Dean Stanton (21 Minuten), das 25 Minuten lange Special „Repossessed“ aus dem Jahr 2005 und der Kinotrailer. Alle Extras sind ohne Untertitel. Perfekt ergänzt wird die Veröffentlichung durch ein 40-seitiges Booklet, welches dieses Jahr in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur entstand. Dieser steuerte den von ihm 1982 gezeichneten achtseitigen Comic, Cartoons, Werbematerial, den detaillierten Budgetplan (insgesamt 160 000 Dollar), ausführliche Details zur Planung und Produktion und ein 14-seitiges, reichhaltig bebildertes Interview bei.

Repo Man ist ein völlig abgedrehter, sich einen Dreck um gängige Erzählstrukturen scherender anarchistischer Punk-Science-Fiction-Action-Thriller, der laut, rüde, verspielt-humorvoll und absolut sympathisch ist. Ein Film über schlangenlinien fahrende radioaktiv verstrahlte Chevys, Aliens, Punks, die wahre Liebe und Männerfreundschaften!

Christian Funke