„Rollerball” (Capelight Pictures)

„Rollerball” (Capelight Pictures)

Regie: Norman Jewison

mit James Caan, John Houseman, Maud Adams, u.v.m.

Die Nationen der Welt existieren nicht mehr. An ihrer Stelle wird die Menschheit nun von mächtigen Konzernen kontrolliert, die die Bevölkerung zwar mit wichtigen Lebensgütern wie Nahrung, Energie und Transportmöglichkeiten versorgen, aber keinen Raum mehr für Individualität und Selbstbestimmung lassen. Um die Massen bei Laune zu halten und Aufstände zu vermeiden, ist der brutale und blutige Mannschaftssport Rollerball ins Leben gerufen worden. Jonathan E. (James Caan) ist der umjubelte Star des Sports, dem die Menschen zu Füßen liegen. Als sein Einfluss zu groß zu werden scheint, beginnen die Konzerne, in ihm eine ernsthafte Bedrohung zu sehen. Im Geheimen schmieden sie einen perfiden Plan, um den Spitzensportler außer Gefecht zu setzen. Aber Jonathan hat in der Arena schon härtere Angriffe überstanden und beschließt endgültig, sich dem System entgegenzustellen.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

In einer nahen Zukunft sind die Nationen der Welt durch ein Konglomerat globaler Konzerne ersetzt worden. Diese haben sich auf einzelne Produkte, beispielsweise Energie, Transport oder Nahrung spezialisiert. Es gibt keine Kriege mehr, dafür wurde der Individualismus und die persönliche Selbstbestimmung zugunsten von Luxus und Sicherheit aufgegeben. Um die Massen ruhig zu halten, findet das brutale Spiel Rollerball statt, welches alle anderen Sportarten, aber auch die Kriege abgelöst hat. Primäres Ziel des Spiels ist es, nicht nur die Menschheit von den wesentlichen Dingen abzulenken, sondern auch die Individualität zu unterbinden. Entsprechend ist Jonathan E. (James Caan), Kapitän des Teams Houston den Konzernchefs ein Dorn im Auge, da er einer der langlebigsten Spieler der Sportgeschichte ist und über eine große Anhängerschaft verfügt. Damit wird er, unbeugsam und unangepasst, zu einer Gefahr für die eigentlichen Ziele der Konzerne.

Die 1970er Jahre waren ein grandioses Jahrzehnt für das unabhängige Kino! Die gesellschaftlich-politische Stimmung pessimistisch, der Glauben in eine glorreiche Zukunft einer vernichtenden Desillusion gewichen, entstanden hier einige der wichtigsten und wegweisenden Meisterwerke der Science Fiction. Eines von ihnen ist Rollerball, welches dank Capelight Pictures endlich eine angemessene Veröffentlichung erhält.

Lasset die Spiele beginnen!

Der kanadische Regisseur Norman Jewison genoss dank Erfolgen wie The Cincinnati Kid, In the Heat of the Night, The Thomas Crown Affair und Jesus Christ Superstar eine gewisse künstlerische Freiheit, als er sich der Kurzgeschichte Rollerball Murders von William Harrison annahm. Gemeinsam mit dem Autor verfasste er das Drehbuch Rollerball, welches mit dem ebenfalls sehr erfolgreichen James Caan (Der Pate, Die Killer-Elite) in der Hauptrolle verfilmt wurde. Angesiedelt in einer gegenwartsnahen Umgebung, bleibt Rollerball in seiner konkreten zeitlichen Zuordnung und den politischen und gesellschaftlichen Hintergründen schwammig und unklar. Genau deshalb wirkt Rollerball auch heute noch in seiner dystopischen Skizzierung gleichzeitig schwer greifbar und vertraut. In diesem Setting regieren Konzerne und tragen ihre Machtkämpfe in brutalen, die Gesellschaft einlullenden und gleichzeitig einschüchternden Arenakämpfen aus. Was Norman Jewison hier präsentiert, mag inhaltlich schon damals nicht besonders neuartig gewesen sein, wird jedoch in seiner Inszenierung unglaublich frisch und ungeschönt dargeboten. Hier regiert die Action in einer Form, die auch heute noch überzeugen kann. Die Kamera (und damit der Zuschauer) ist mitten im Geschehen und erfährt die gezeigte Gewalt hautnah und beinahe körperlich spürbar. Dabei nutzt der Film, beziehungsweise der Regisseur und der Autor die Chance, eine Botschaft aufzuzeigen, die eher sekundär über das Geschehen, sondern vielmehr über das Spiel, beziehungsweise seine visuelle und akustische Gestaltung transportiert wird. Das Zusammenspiel brachialer Gewalt und klassischer Musik von Schostakowitsch, Albinoni und Bach entfaltet eine Wirkung, die im Zusammenhang mit der geschickt eingesetzten Kameraführung vergleichbar mit dem künstlerisch-erzählerischen Aufbau Kubricks in Clockwork Orange ist. Rollerball ist ein Film, der seiner Zeit voraus war, der seine wahre Wirkung erst nachher entfaltet, wenn man feststellt, dass einen das Geschehen, oder viel mehr die Zusammenhänge, die Auswirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft hinterfragt und feststellt, wie weit man heute mit dem damals noch futuristischen Gesamtkonzept der Manipulation fortgeschritten ist.

Rollerball (Originaltitel: Rollerball, USA, Großbritannien, Kanada 1975) erscheint bei Capelight Pictures als DVD, 3-Disc Mediabook (Blu-ray + DVD + Bonus-Blu-Ray), 3-Disc Mediabook (UHD + Blu-Ray + Bonus-Blu-Ray) und der alle Wünsche erfüllenden 5-Disc Ultimate Edition in einer großformatigen, in Leinen gebundenen orangefarbenen Box. Genau diese stellte mir Capelight Pictures zur Verfügung, vielen Dank nochmal dafür… ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen J Limitiert auf 3.000 Exemplare, wurde der Film weltweit erstmals in 4K restauriert (Bild und Ton sind für einen Film diesen Alters sensationell aufbereitet! Bild: 1,75:1; 1080p/4K; Ton: Deutsch & Englisch: PCM Mono 2.0 – Original und remastered, dts-HD Master Audio 5.1 remastered). Neben einer 4K Ultra HD liegt der Film auch auf Blu-ray vor und zudem gibt es zwei Bonus-Blu-rays und eine Bonus-Daten-CD. Diese Daten-CD enthält zum Original und dem Remake zahlreiche Fotos vom Set, den unterschiedlichen VHS- und Laserdisc-Veröffentlichungen (hier natürlich nur zum Original von 1975), Kinoaushängen und Presseheften. Eine der Bonus-Blu-rays, separat in einem Klapp-Cover, beinhaltet das gleichnamige unzensierte Remake von Regisseur John McTiernan aus dem Jahr 2002. Diese Blu-ray-Neuauflage, nach der Neuprüfung nun freigegeben ab 16 Jahre, beinhaltet das gesamte Bonusmaterial der damaligen Veröffentlichung (Audiokommentar, Making-of, Interviews, Trailer, etc.). Die Bonus-Blu-ray zum original beinhaltet das 85 Minuten lange Special „From Rollerball to Rome“, längere Interviews mit den Darstellern James Caan, Maud Adams und dem Stuntman Craig R. Buxley, zwei Original 8-mm Reels (insgesamt 36 Minuten), ein 25 Minuten langes Making of, dass knapp zwanzigminütige Special „The Fourth City“ und ein 33-minütiegs Special in Deutsch und Englisch zur aufwändigen und umfangreichen Restauration („The Restoration of Rollerball“). Auf der Film-Disc befinden sich dann noch das achtminütige Original-Making of „From Rome to Rollerball“ aus dem Jahr 1975, Trailer und TV-Spots, Filmtipps und zwei Audiokommentare mit Regisseur Norman Jewison und Autor William Harrison. Abgerundet wird diese Veröffentlichung mit einem 24-seitigen, reich bebilderten Booklet von Marco Heiler, der sich sehr detailliert und spannend mit dem Film und seinen Hintergründen auseinandersetzt, sowie Torsten Kaiser, der näher auf die Restaurierung des alten Filmmaterials eingeht. Doch damit nicht genug, gibt es neben den eben genannten Specials noch der Ultimate Edition beiliegende Gimmicks. Neben einem Zertifikat zur Limitierung gibt es die 1975 erstellte Freigabebescheinigung, ein Filmposter, acht Postkarten mit Filmszenen, ein zwölfseitiges großformatiges United Artists Pressbook, die 26-seitige japanische Pressemappe und ein zwölfseitiges Booklet zur Restaurierung mit vielen Bildvergleichen. Eine Ultimate Edition, die ihrer Bezeichnung alle Ehre macht!

Mit Rollerball schuf Norman Jewison einen sowohl unterhaltsamen, als auch intelligenten Meilenstein des Science Fiction-Genres, der in seiner Aussage heute noch so aktuell wie damals ist. In seiner visuell wuchtigen Inszenierung bleibt seine Kernaussage subtil und differenziert und weiß auch heute noch zu überzeugen. Darstellerisch auf hohem Niveau wissen die Stunts in ihrer schmerzhaften Rohheit zu gefallen und ergeben einen Klassiker, der Filmgeschichte schrieb und zahlreiche Filmemacher inspirierte. Ein Meilenstein, den man mit einer angemessenen Veröffentlichung würdigt!

Christian Funke