Roman Polanski - Ekel (Pierrot Le Fou)

Roman Polanski – Ekel (Pierrot Le Fou)

Bevor Regisseur Roman Polanski (Rosemary‘s Baby, Der Pianist) mit dem verspielten Tanz der Vampire internationalen Ruhm erlangte, drehte er einen der bis heute eindringlichsten und immer noch verstörenden Beiträge der Filmgeschichte. Ekel wurde 1965 mit der damals noch sehr jungen Catherine Deneuve (Gefährliche Liebschaften, 8 Frauen) inszeniert, und war, trotz der thematischen Zuordnung zum Thriller-Genre, der pessimistische Blick einer jungen, verstörten und traumatisierten Frau.

Die Geschichte handelt von der 20 Jahre alten Belgierin Carole Ledoux (Deneuve), die gemeinsam mit ihrer Schwester ein kleines Appartement in London bewohnt. Sie ist zwar sehr hübsch, aber schüchtern und introvertiert. Gerade Männern gegenüber zeigt sie eine große Scheu, die bis hin zu hasserfüllter Ablehnung geht. Sowohl ihrem Verehrer Colin als auch dem Freund ihrer Schwester begegnet sie mit Abscheu und zieht sich immer mehr in sich zurück!
Als ihre Schwester für zwei Wochen verreist, kapselt sich Carole immer mehr von der Außenwelt ab, und verliert jeglichen Bezug zur Realität. Geplagt von Wahnvorstellungen geht sie nicht mehr zur Arbeit, und hält sich nur noch in ihrer abgedunkelten Wohnung auf. Als Colin unangekündigt in der Wohnung erscheint, um besorgt nach dem Rechten zu sehen, eskaliert die Situation, und Carole verliert endgültig den Halt.

Der in schwarz-weiß gedrehte Ekel (Repulsion im Original) ist Polanskis erster englischsprachiger Film, und wird von ihm als der Beginn seiner Mieter-Trilogie gesehen, die er mit Rosemary’s Baby fortsetzte und später mit Der Mieter beendete. Es ist beeindruckend wie es dem Regisseur und seinem Kameramann Stanley Long gelang, mit recht einfachen Mitteln ein auch für den Zuschauer beängstigendes Filmerlebnis zu schaffen. Klaustrophobisch und abstoßend, paranoid und beängstigend intensiv werden die Geschehnisse aus der Sicht der jungen Frau geschildert, und so für den Zuschauer spürbar gemacht. Dies führte damals bei Veröffentlichung des Filmes zu einer Freigabe nur für ein erwachsenes Publikum, und hielt sich auf Grund der Thematik und Machart des Filmes bis vor kurzem.

Das Klassiker Ekel von Roman Polanski erscheint dank Pierrot Le Fou dem großartigen Film angemessen in einer schicken 3-Disc-Special Edition, wo sich der Hauptfilm sowohl auf BD und DVD befindet, und eine zweite DVD mit Bonusmaterial aufwarten kann. Der Bonussektor bietet dabei neben einem Audiokommentar mit Polanski und Deneuve, der Dokumentation A British Horror Film noch ein Interview mit Kameramann Stanley Long und dem Kinotrailer. Alles zusammen kommt auf eine Lauflänge von knapp einer Stunde.

Ekel ist auch aus heutiger Sicht ein überaus unangenehmer Film, der durch die geschickte Kombination von Bild und Ton ein beklemmendes Gefühl hinterlässt. Catherine Deneuve liefert eine beängstigend gute Leistung, und so offenbart sich dem Zuschauer das beklemmende Psychogramm einer tief verstörten und traumatisierten jungen Frau. Der Film zeigt dabei beinahe dokumentarisch den Vorgang ihres Verfalls und totalen Niedergangs. Die Kamera ist dabei nahe an der Person, beziehungsweise zeigt viele Momente durch die Augen seiner Protagonistin.
Intensiv und verstörend ist Ekel ein filmisches Meisterwerk, welches auf Grund seiner vielen Interpretationsmöglichkeiten auch heute noch zu fesseln vermag!

Christian Funke-Smolka