Ruanda – The Day God Walked Away

Ruanda – The Day God Walked Away

Ruanda – The Day God Walked Away
(I-On New Media/ StörKanal)

Kaum ein Land hat wegen eines aktuellen Völkermordes so traurige Bekanntheit erlangt, wie Ruanda. Zwischen April und Juli 1994 kam es zu umfangreichen Gewalttaten zwischen Angehörigen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit. In diesen knapp 100 Tagen wurden etwa 75% der in Ruanda lebenden Tutsis brutal ermordet. Diese Gewalttat kostete etwa 800 000 Tutsis das Leben, und man schätzt eine Täterzahl von ungefähr 175 000 bis 210 000 Menschen. Die Täter kamen größtenteils aus den Reihen der Armee und der Gendarmerie. Schon lange im Vorfeld gab es politische Unruhen zwischen Hutu und Tutsi, jedoch schlug dies schnell in diese unglaubliche Gewalt um, als gezielte Hetzkampagnen über sämtliche Medien die Täter anstachelten. Furcht gepaart mit einem „Freibrief“ der Regierung sorgte dann für diese unvorstellbare Gewalt unter der Bevölkerung.
Bereits in der Vergangenheit gab es erstaunliche und berührende Filme zu diesem Thema. Ob es Hotel Ruanda oder Shooting Dogs waren, die ihre Geschichte sehr sensibel erzählten. Der vorliegende Film Ruanda – The Day God Walked Away von Regisseur Philippe Van Leeuw stellt diesmal das Schicksal einer Einzelperson vor dem Hintergrund der Gewaltakte in den Fokus des Geschehens. Wir lernen die junge Mutter Jacqueline (Ruth Nirere) und ihre zwei Kinder kennen, die versucht, vor den Häschern der Hutu zu entkommen. Bei diesem Versuch verliert sie beide Kinder, der Mutter jedoch gelingt es, sich verängstigt und traumatisiert im Dschungel zu verstecken. Dort trifft sie auf andere Überlebende, mit denen sie zusammen versucht am Leben zu bleiben und abzuwarten, dass die Menschlichkeit (oder um beim Titel zu bleiben: dass Gott) in ihr Land zurückkehrt.
Ruanda – The Day God Walked Away nährt sich der Geschichte aus einem anderen Blickwinkel. Durch den Fokus auf die versteckten Überlebenden im Dschungel fällt eine Personifizierung des Zuschauers mit den Charakteren wesentlich einfacher, und zwingt ihn, sich persönlicher mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen. Die unglaublich gut agierenden, mir unbekannten Darsteller schaffen es, der Geschichte ein Gesicht zu verleihen, so dass das Gesehene sehr real wirkt. Dies wird noch durch die Kamera unterstützt, welche sich sehr nahe an den Personen bewegt, so dass es einen beinahe dokumentarischen Charakter bekommt.
Im Bonusbereich dieser Blu ray aus dem Hause I-On New Media findet man lediglich einen Trailer und eine Programmschau. Hier wäre ein wenig mehr Hintergrundinformation zu dieser komplexen und brisanten Thematik, oder die Meinung des Regisseurs und seiner Schauspieler interessant und wünschenswert gewesen.
Ruanda – The Day God Walked Away ist ein nüchtern erzählter, und auf Grund seiner realistisch geschilderten Vorkommnisse ein bedrückendes aber trotzdem sehr fesselndes Filmerlebnis. Solche Filme sind es, die dem Zuschauer politische Ereignisse vor Augen führen, und sie so vor dem Vergessen bewahren. Ein ungemütlicher aber überaus wichtiger Beitrag, den uns Regisseur Philippe Van Leeuw hier liefert!

CFS