“Running Man” (Capelight Pictures)

“Running Man” (Capelight Pictures)

Die USA im Jahr 2017: Nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem Polizeistaat verkommen. Die Lebensmittel sind knapp und das totalitäre Regime zensiert Kunst, Musik und Kommunikation. Mit der populären Gameshow „The Running Man“ soll die Bevölkerung bei Laune gehalten und ihr Wunsch nach Freiheit unterdrückt werden. In der sadistischen Sendung werden verurteilte Kriminelle von professionellen Menschenjägern durch eine tödliche Arena gehetzt. Wem die Flucht aus dem Jagdgebiet gelingt, dem winken Freiheit und Luxus. Auch der unschuldig verurteilte Polizist Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) wird zur Teilnahme an der grausamen Show gezwungen, die bisher noch kein Kandidat überlebt hat.

© Capelight Pictures

      Meinung zur Veröffentlichung:

Wir schreiben das Jahr 2017 (auch wenn der deutsche Trailer vermeldet, dass man sich im Jahr 2011 befinde), die Weltwirtschaft ist komplett zusammengebrochen, Nahrungsmittel, Rohstoffe und Öl sind knapp, ein Polizeistaat, aufgeteilt in militärische Zonen, beherrscht das Land mit gnadenloser Strenge. Da sich auch das Fernsehen in staatlicher Hand befindet, werden Meldungen kontrolliert und notfalls zensiert. Eine sadistische Game-Show mit dem Titel „The Running Man“ soll die Bevölkerung bei Laune halten. In ihr kämpfen Strafgefangene gegen Gladiatoren um ihr Leben, sollten sie die Kämpfe überleben, verspricht man ihnen die Freiheit. Eine kleine Untergrundgruppe von Rebellen versucht, dass System zu stürzen, bisher jedoch ohne großen Erfolg. Als man den Staatspolizist und Helikopterpilot Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) nach einer Befehlsverweigerung inhaftiert, erkennen die Verantwortlichen der TV-Show ihn ihm einen geeigneten Kandidaten für ihre Menschenjagd…

Als Actionfilme liebendes Kind der 1970er und 80er Jahre wusste ich, dass die Zukunft jenseits der 2000er Grenze nicht rosig aussehen wird. Ob gnadenlose Kampfmaschinen oder Androiden die Kontrolle auf grausame Weise übernommen haben, oder die globale Wirtschaft am Boden liegt und eine skrupellose (Militär-) Diktatur den Alltag bestimmt, es war nicht rosig bestellt um meine Zukunft. Doch diese Zukunft ist jetzt (beziehungsweise habe ich sie bereits überholt, da nahezu alle Science Fiction/Action-Filme bis maximal 2017 vorausgedacht haben) und die Welt, beziehungsweise das auf ihr lebende Gesellschaftssystem, existiert immer noch in der mir bekannten chaotischen, manchmal wahnwitzigen und nicht immer nachvollziehbaren Form.

Doch ein Film sticht aus der Menge an Actionfilmen dieser Zeit hervor: Running Man. Geschrieben von Stephen King (unter dem Pseudonym Richard Bachman), beschreibt der Roman/Film eine am Boden liegende Weltwirtschaft, eine diktatorische Militärherrschaft und eine die verarmte und ausgebeutete Bevölkerung einlullende TV-Show, die von den wahren Problemen geschickt ablenkt. Also eigentlich das gleiche Prinzip zahlloser vergleichbarer Genrebeiträge. Doch muss man, betrachtet man den Film aus einem übergeordneten Blickwinkel, etwas schlucken, denn vergleichbare Mechanismen findet man auch in unserer gegenwärtigen Zeit, vielleicht nicht in dieser überspitzten, comichaften Form wie in Running Man, aber in ihrer grundsätzlichen Struktur. Doch letztendlich ist der Film natürlich ein Unterhaltungsfilm, der seinerzeit weniger als gesellschaftskritischer Beitrag, sondern vorrangig als Actionfilm mit einem prominenten Hauptdarsteller gedacht war und genau die Dinge inhaltlich wie visuell bedient, die er gleichzeitig kritisiert. Regisseur Paul Michael Glaser (Starsky & Hutch) präsentiert einen zynischen, in der Gewaltdarstellung wenig zimperlichen Film, in dem sich teils absurd gekleidete Hünen kraftvoll auf die Mappe kloppen. Gesellschafts- und TV-Konsumkritik hin oder her, letztendlich ist es das, was der Actionfan sehen möchte. Das man zudem eine Stephen King-Vorlage adaptierte, war zum Zeitpunkt der Drehbucherstellung laut Steven E. De Souza keinem bewusst, da das Geheimnis um das Pseudonym erst später gelüftet wurde. Die Hauptfigur besetzte man mit dem damals dank Conan, Terminator und Der City Hai sehr populären Arnold Schwarzenegger, der seine Rolle mit einem Minimum an Mimik, aber einem Maximum an Physis zum Leben erweckte. Heute kann man Running Man dank der Faltermeyer-Musik, den schrillen Kostümen und der klassischen Machart unschwer als einen Beitrag der 80er-Actioner erkennen, der dabei jedoch erstaunlich gut gealtert ist und nach wie vor eine große Portion Charme ausstrahlt.

Capelight Pictures veröffentlicht den ehemals deutlich gekürzten und indizierten Klassiker des 80er Jahre-Actionskinos Running Man (Originaltitel: The Running Man, USA 1987) in der neu geprüften, ungeschnittenen FSK 16-Fassung auf DVD, Blu-ray, als Limited Collector’s Edition im Mediabook (mit Tintoretto und silberner Heißfolie) und als Blu-ray-Steelbook. Zur Ansicht stand mit das stabile und sehr ansprechend gestaltete 4 Disc – Mediabook zur Verfügung. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch/Kinosynchronisation & Englisch: PCM 2.0; Deutsch: dts-HD Master Audio 5.1; Englisch: dts-HD Master Audio 7.1, zwei Audiokommentare von Regisseur Paul M. Glaser und Produzent Tim Zinnemann, so wie dem ausführenden Produzenten Rob Cohen) der von mir getesteten Blu-ray befanden sich auf einem qualitativ sehr guten Niveau, zudem gab es den Hauptfilm auch als DVD. Der Veröffentlichung lag noch der von Harold Faltermeyer komponierte und eingespielte Soundtrack bei, zudem eine Blu-ray mit umfangreichen Bonusmaterial. Hier befinden sich lange Interviews mit dem Illustrator Renato Casaro („The Art of the Blockbuster“, 24 Minuten), Robert Grasmere („Running on Empty“, 24 Minuten), Steven E. De Souza („Back to Bachman“, 37 Minuten), Susan Jeffords („Muscular Memories“, 23 Minuten) und Harold Faltermeyer („The Sound of Running Man“, 16 Minuten), so wie die Featurettes „Running Man und die Gegenwart im Reality-TV“ (20 Minuten) und „Bürgerrechte seit dem 11. September 2001“ (25 Minuten), den Filmtrailer und Programmtipps. Abgerundet wird die Veröffentlichung durch ein 50 Seiten starkes, mit schwarzem Kartoneinband versehenes Booklet, welches neben einem Essay von Journalist Nando Rohner über den Film, die Darsteller, der Regisseur und die Geschichte auch Auszüge aus dem Storyboard und Concept Art enthält.

Running Man ist, obwohl mittlerweile 30 Jahre alt, immer noch von einer erschreckenden Aktualität. Auch wenn sich die Macher in ihrer drastischen Zukunftsprognose glücklicherweise geirrt haben, bleibt ein übler Nachgeschmack, wenn man sich von der cartoonesken Darstellung des Films löst und die gezeigten Inhalte mit der gegenwärtigen kulturellen und gesellschaftspolitischen Lage vergleicht. Dadurch wird Running Man ein Film, der sowohl in seinen Actionsequenzen funktioniert, aber auch auf einer ganz anderen Weise betrachtet werden kann. Ein Klassiker, den man hier dank Capelight Pictures in einer nahezu perfekten Veröffentlichung erwerben kann!

Christian Funke