Russisch Roulette

Russisch Roulette

Russisch Roulette
(Polar Film)

 

Dass TV-Unterhaltung nicht nur verdummend sein muss, beweist die Zunahme an guten Eigenproduktionen, welche zum Teil von renommierten Kino-Regisseuren nicht nur in Amerika gedreht werden. Auch in Deutschland ist dieser Trend zu beobachten (zum Beispiel bei Im Angesicht des Verbrechens von Dominik Graf), und so hat man in dem vorliegenden TV-Zweiteiler das Vergnügen, einen der großen Alten des deutschen Kinos erleben zu können. Regisseur Joseph Vilsmaier (Rama Dama, Stalingrad, Herbstmilch, Comedian Harmonists) schickt in seinem aktuellen Fernsehfilm seine Protagonisten in den russischen Winter nach St. Petersburg.
Die deutsche Journalistin Katherina Wagner (Katharina Böhm) möchte ihrem achtjährigen Sohn Nikolai (Emil Kafitz) das Grab seines durch Suizid verstorbenen Vaters, einem russischen Journalisten, zeigen. Doch es kommt der Alptraum eines jeden Elternteils, der Junge verschwindet spurlos in der St. Petersburger U-Bahn. Unerwartet erhält sie Hilfe von dem mysteriösen Schrotthändler Adam Markowski (Heinz Hoenig), wobei Katharina seine wirklichen Beweggründe nicht erahnen kann. Da sie schnell merkt, dass ihre Anwesenheit in Russland nicht erwünscht ist, und sie immer mehr Feinde ihres verstorbenen Mannes kennenlernt, nimmt sie Adams Hilfe jedoch dankbar an.
Je mehr sie nach ihrem Sohn sucht, umso tiefer gerät sie in einen Sumpf aus Intrigen, Verrat, Korruption und Mord.

Russisch Roulette ist solide inszenierte, spannende TV-Unterhaltung, welche an originalschauplätzen in Prag und St. Petersburg gedreht wurde. Actionreich spielt Regisseur Vilsmaier mit den Schauwerten seiner Umgebung, und weiß diese geschickt für ein hohes Spannungsniveau zu nutzen. Auch wenn die Geschichte nur bedingt realistisch erscheint, tut dies der Unterhaltung keinen Abbruch. Ein weiterer Pluspunkt sind die bekannten, sehr gut besetzten Schauspieler, die ihre Rollen souverän auszufüllen wissen.

Die Doppel-DVD aus dem Hause Polar Film liefert den solide inszenierten und routiniert gespielten 180 Minuten – Film verteilt auf zwei Datenträgern. Bild und Ton sind dabei auf gutem Niveau.

Zuschauer, die sich kurzweilig und spannend unterhalten lassen wollen, dabei das eine oder andere Klischee verschmerzen können, sollten sich diese ARD-Produktion nicht entgehen lassen. Wer die Ausstrahlung Anfang Januar 2012 im Fernsehen verpasst haben sollte, hat hier nun die Gelegenheit, sich den Thriller auf DVD zulegen zu können!

Christian Funke-Smolka