Samson & Delilah (REM)

Samson & Delilah (REM)

 

Eigentlich habe ich die Kölner Rapid Eye Movies immer eher mit asiatischen Filmen in Verbindung gebracht, deshalb war ich gespannt, was es mit dem hier vorliegenden australischen Spielfilmdebüt von Warwick Thornton auf sich hat. Da ich von jeher ein großer Fan der Filme dieses Kontinents bin, freute ich mich auf das Drama namens Samson & Delilah, der der von mir vorab gesichtete Trailer schon vielversprechend aussah!

Was soll ich sagen, die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Geschichte handelt von den beiden Jugendlichen Samson (Rowan McNamara) und Delilah (Marissa Gibson), welche ein einfaches und hartes Leben in einer abgeschiedenen Aborigines-Siedlung führen. Während Delilah sich fürsorglich um ihre kranke Großmutter (Mitjili Napanangka Gibson) kümmert, lebt Samson in den Tag hinein. Aus Langeweile schnüffelt er Klebstoff und Benzin, treibt sich in der Dorfgemeinschaft herum und gammelt in den Tag. Die Kommunikation zwischen den Beiden gestaltet sich ähnlich, und ist auf ein Minimum reduziert. Da die Dorfgemeinschaft eine kleine, sehr isolierte Gemeinde in der Wüste Zentral-Australiens ist, befindet man sich weit entfernt jeder Zivilisation. Als jedoch die Großmutter stirbt, und Delilah die Anfeindungen der anderen Dorffrauen zu spüren bekommt, kehren sie der gewohnten Umgebung den Rücken und flüchten in die Großstadt. Doch hier erfahren sie die wahre Härte von Armut, Gewalt und Verachtung in einer diskriminierenden Gesellschaft. Der Kampf ums Überleben beginnt, beide sind plötzlich auf den jeweils anderen angewiesen.

Regisseur Warwick Thornton zeigt in seinem ambitionierten Debüt eine Seite Australiens, die man so eher selten zu sehen bekommt. Authentisch und wenig romantisch, sondern realistisch, brutal und dreckig beschreibt er den Alltag, der geprägt ist von Langeweile und Gewalt. Dabei kann er sich voll und ganz auf seine überzeugenden Hauptdarsteller verlassen, welche die Geschichte sowohl in ihren heiteren als auch in den dramatischen Momenten authentisch darstellen können.
Der Bildgestaltung gelingt es, das gezeigte sowohl schön und berauschend als auch dreckig und roh wirken zu lassen, in nahezu jedem Moment hat der Zuschauer das Gefühl, Teil der Story zu sein! Direkte Nähe durch den Verzicht auf technische Hilfsmittel. Einzig der Darsteller und die einfangende Kamera bilden den Fokus des Geschehens.

Klischeefrei und authentisch erzählt Samson & Delilah eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Da kaum gesprochen wird, richtet sich das Augenmerk auf die kleinsten Gesten und Mimik, welche oftmals mehr sagen als tausend Worte. Ein romantischer, realistischer Liebesfilm der besonderen Art!

Christian Funke-Smolka