Screwed - Krieg im Knast (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Screwed – Krieg im Knast (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Gefängnisfilme gibt es wie Sand am Meer, einige wurden Klassiker, andere reduzierten sich auf eine eher unrealistische Darstellung und nutzten das Genre nur, um ein weiteres Kampffilmvehikel auf den gesättigten Markt loszulassen. Eines jedoch war immer deutlich spürbar, nämlich der Aspekt, ob die Filmverantwortlichen Ahnung von den sozialen Bedingungen in einem Hochsicherheitsgefängnis haben, oder nicht.

Hier vorliegend haben wir den britischen Film des Regisseurs Reg Traviss (Psychosis, Joy Division), der die Memoiren von Ronnie Thompson (hier handelt es sich um ein Pseudonym) als Vorlage nutzte. Dieser war sieben Jahre lang Gefängniswärter in einem der gefährlichsten britischen Strafanstalten, und schrieb mit seinen Erinnerungen an diese Zeit einen Bestseller, der den Alltag brutal ehrlich aber auch kontrovers diskutiert darstellte. Er erzählte in seinem Buch seine wahre Geschichte, nutzte als Beispiel aber ein fiktives Gefängnis, um die dort noch arbeitenden Kollegen zu schützen.

Die Geschichte handelt von dem Soldaten Sam, der nach einem aufreibenden Einsatz im Irak-Krieg nach Hause zurückkehrt, und ein neues Leben beginnen möchte. Einen Job findet er als Gefängniswärter in einem der härtesten Anstalten des Landes.
Bald muss Sam feststellen, dass es sich hier um eine mindestens genauso aufreibende Arbeit handelt, denn die Insassen sind skrupellose Schwerkriminelle, aber auch unter den Kollegen verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, denn einige sind in zwielichte Geschäfte innerhalb der Gefängnismauern verstrickt. Erpressung und Drogenhandel sind hier nicht nur unter den Inhaftierten an der Tagesordnung.

Regisseur Reg Traviss zeigt den Gefängnisalltag in seiner ganzen Brutalität, seine solide, routinierte Inszenierung orientiert sich allerdings dabei mehr an den bekannten Hooliganfilmen und wird dabei von sehr guten Schauspielern, wie zum Beispiel James D’Arcy (Master and Commander), Andrew Shim (This Is England) oder BAFTA-Preisträger Noel Clarke (Doghouse, Centurion) getragen.

Die Blu-ray von Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film bringt den Knastfilm in einer guten Bild- und Tonqualität auf den Markt. Im Bonusbereich findet man neben den obligatorischen Trailern und Programmhinweisen noch Aufnahmen vom Set, mehrere kurze Interviewclips mit den Beteiligten und ein kleines Feature über die Make-Up-FX.
Einziger Wehrmutstropfen ist die aus meiner Sicht unpassende Synchronisation, die dem Film an vielen Stellen auf Grund von falsch besetzten Stimmen seinen rauen Charme und seine Härte nimmt, und etwas plump wirkt. Hier also meine Empfehlung, den Film im Originalton, notfalls wegen der teils etwas schwer zu verstehenden Dialekte mit Untertiteln, anschauen!

Screwed – Krieg im Knast ist ein Film, der sich eher an den bekannten Hooliganfilmen als an den üblichen Knastfilmen orientiert, seine Geschichte, auch dank der guten Darsteller, knallhart, routiniert und realistisch präsentiert. Der Film ist, trotz des wohl eher geringen Budgets, sehr intensiv und düster, und jedem Genrefan zu empfehlen!

Christian Funke-Smolka