"Sein Leben in meiner Gewalt" (Koch Films)

„Sein Leben in meiner Gewalt“ (Koch Films)

Regie: Sidney Lumet

Darsteller: Sean Connery, Trevor Howard, Vivien Merchant u.a.

Sean Connery in einer seiner besten Rollen: 20 Jahre lang hat Detective Sergeant Johnson (Connery) seinen Dienst getan. 20 Jahre lange musste er Morde, Vergewaltigungen und unzählige Gewaltverbrechen aufklären. Der ganze aufgestaute Hass bricht aus ihm heraus, als er einen mutmaßlichen Kinderschänder verhören soll. Ohne Kontrolle prügelt der Polizist so lange brutal auf den Verdächtigen ein, bis dieser tödlich verletzt zu Boden geht. Johnson soll sich als Täter verantworten.

Regie-Altmeister Sidney Lumet (TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG) inszenierte BOND-Legende Sean Connery in einem bedrückenden und düsteren Psychothriller. Damals noch von der Kritik als sadistisch und gewaltverherrlichend zerrissen, gilt SEIN LEBEN IN MEINER GEWALT heute als herausragendes Meisterwerk.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Seit zwanzig Jahren arbeitet Detective Sergeant Johnson (Sean Connery) für die britische Polizei. Zwanzig Jahre, in denen er viel Leid, Grausamkeit und Missbrauch sehen musste. Doch seine aktuellen Ermittlungen im Fall einer Reihe von Vergewaltigungen und Ermordungen kleiner Mädchen treibt ihn an seine Grenzen, so dass er bei dem Verhör eines Verdächtigen die Kontrolle verliert…

Basierend auf seinem Theaterstück This Story of Yours verfasste John Hopkins ein Drehbuch, welches von Sean Connerys Produktionsfirma erworben wurde, da dieser plante, sich von seinem James Bond-Rollenimage zu lösen. Da United Artists Connery zu Diamantenfieber überreden konnte, übernahmen sie im Gegenzug die Finanzierung dieses ambitionierten Projekts, welches von Sidney Lumet inszeniert werden sollte. Lumet, der sich im selben Jahr mit Serpico erneut dem Polizeifilmgenre widmen sollte, schuf einen sich dem erzählerischen Aufbau des Theaterstücks angelehnten Film, der virtuos die chronologische Abfolge des Geschehens auflöst und sich bei der Darstellung des Geschehens nicht zurücknimmt und so einen äußerst unangenehmen, dem Zuschauer nichts ersparenden Blick in den seelischen Abgrund seines Protagonisten bietet. Bereits der furiose, in Zeitlupe gedrehte Einstieg zu experimentell-dissonanter Musik von Harrison Birtwistle zeigt, dass es sich hier nicht um einen Wohlfühlfilm handelt, sondern Lumet den Zuschauer bei der Kehle packt und zudrückt. Sein Leben in meiner Gewalt ist in seiner Gesamtheit beklemmend, bedrückend und niederschmetternd. Denn im Verlauf der verschachtelt aufgebauten Handlung wird deutlich, dass eine zu intensive Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Gesellschaft schwere Folgen hat und man auf der Suche nach dem Bösen bei sich selbst anfangen sollte. Hier geht es letztendlich nicht um eine Schuldfrage, sondern darum, wie viel davon jeder auf sich lädt und wie sehr man seine inneren Dämonen im Zaum halten kann. Lumet bietet einen intensiven, überaus schmerzhaften Einblick in die Psyche geschädigter und schwer traumatisierter, beziehungsweise soziopathischer Menschen. Ein schwer zu ertragender, aber durchweg sehenswerter Film, der seine Wirkung nicht verfehlt und in Aufbau, Darstellung und Inszenierung nahezu perfekt ist.  

© Trailer: HD Retro Trailers

Sein Leben in meiner Gewalt (Originaltitel: The Offence, GB/USA 1972/73) erscheint bei Koch Films als gut aufbereitete deutschsprachige Blu-ray-Premiere im Mediabook. Die DVD und Blu-ray sind inhaltlich identisch, für diese Besprechung lag mir die Blu-ray vor. Bild (1,66:1/1080p/16:9) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 2.0) befanden sich für einen Film dieses Alters auf einem sehr guten Niveau. Im Bonusbereich lagen zum Teil umfangreiche Interviews mit dem Komponisten Harrison Birtwistle, dem Ausstattungs-Assistent Chris Burke, der Kostümbildnerin Evangeline Harrison, dem Tonmischer Simon Kaye und dem Theaterregisseur Christopher Morhan vor, zusätzlich gab es den Trailer und eine Bildergalerie.

Mit Sein Leben in meiner Gewalt ist Sidney Lumet ein verstörender, kammerspielartiger Film gelungen, der speziell durch seinen Hauptdarsteller Sean Connery, die bestechende Inszenierung und der eindrucksvollen musikalischen Untermalung seine Wirkung entfaltet. Ein grandioser Psychothriller, der auch heute, fast fünfzig Jahre nach seiner Erstaufführung nichts von seiner Intensität verloren hat und noch lange nach dem Abspann nachwirkt!

Christian Funke