"Showgirls” (Capelight Pictures)

„Showgirls” (Capelight Pictures)

Regie: Paul Verhoeven

Darsteller: Elizabeth Berkley, Kyle MacLachlan, Gina Gershon, Gina Ravera, Glenn Plummer

Die attraktive Tänzerin Nomi Malone (Elizabeth Berkley) zieht aus der amerikanischen Provinz nach Las Vegas, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Aber die Erfüllung ihres Traums von einer großen Karriere als Showgirl liegt noch in weiter Ferne. Denn nachdem Nomi gleich an ihrem ersten Tag in der Stadt der Sünde ausgeraubt wird, muss sie aus Geldnot einen Job als erotische Tänzerin in dem schäbigen Striplokal Cheetah’s annehmen. Dort bekommt sie jedoch die Chance, für Cristal Connors (Gina Gershon), den Star der erfolgreichen Bühnenshow „Goddess“ im Stardust-Hotel, zu tanzen. Begeistert von der Schönheit und dem Talent der naiven Newcomerin, verschafft Cristal ihr ein Engagement in der Show. Schnell stellt Nomi fest, dass die Welt voller Glitzer und Glamour auch eine Kehrseite hat, die aus Missgunst, Intrigen und Gewalt besteht. Doch die junge Tänzerin ist bereit, für ihren Traum fast jeden Preis zu zahlen…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Nomi Malone (Elizabeth Berkely) kommt aus einem Provinzkaff nach Las Vegas, um als Tänzerin Kariere zu machen. Jung, attraktiv und ehrgeizig, gelingt es ihr, sich aus einem Strip-Lokal in das legendäre Stardust-Casino hochzutanzen. Doch hier herrscht Cristal Connors (Gina Gershon), der Star der Tanzrevue Goddess. Schnell merkt Nomi, dass hinter der Glitzer- und Glamourfassade des Stardust kein Platz für Gefühle ist, sondern ein rücksichtsloser, harter Konkurrenzkampf herrscht. Doch auch Nomi zeigt sich wenig zimperlich…

Nach dem Skandalerfolg Basic Instinct standen Regisseur Paul Verhoeven und Drehbuchautor Joe Eszterhas alle Türen in Hollywood offen. Auch ihr nächstes gemeinsames Projekt, die Geschichte einer jungen Frau, die als Striptänzerin in Las Vegas versucht, ihren Weg zu finden, klang vielversprechend… und endete in einem unvergleichlichen Desaster!

Denn speziell das Skript von Joe Eszterhas versucht die eigentlich interessante Grundidee hinter unzähligen Klischees und Stereotypen, so wie vielen wirklich peinlichen Dialogentgleisungen zu verstecken. Der Versuch, die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Voyeurismus“ vorzunehmen, in dem man voyeuristisch die Grenzen der Sexualität auslotet, ist ein eh schon sehr schmaler Grat, auf dem sich das Drehbuch leider eher unbeholfen bewegt. Dem gegenüber jedoch steht die visuell verspielte und inszenatorisch extrem versierte Regie Verhoevens, bei der es Spaß macht, dem Geschehen, speziell in den wunderbar choreographierten Tanzszenen zuzuschauen. Die Kritik war vernichtend, die Goldene Himbeere in den sieben relevanten Kategorien (bei insgesamt 13 Nominierungen) gnadenlos – was den Regisseur jedoch nicht davon abhielt, den Preis persönlich entgegenzunehmen – doch nichtsdestotrotz gelang es dem Film, sich in den Jahren einen gewissen Ruf aufzubauen, der ihn trotz seiner inhaltlichen Schwächen zu einem Kultfilm machte. Ein perfekt schlechter, unverfroren geschmackloser und gleichzeitig komplett missverstandener und unterbewerteter Film, der sich in den letzten 25 Jahren zu einem Kultfilm gemausert hat.   

Hinter Showgirls, der meiner Meinung als eine auf Spektakel getrimmte Hommage an den klassischen Tanzfilm zu erkennen ist, versteckt sich eigentlich ein modernisiertes und in die Glitzerwelt Las Vegas verlegtes modernes Remake des 50er Jahre – Klassikers All About Eve von Drehbuchautor und Regisseur Joseph L. Mankiewicz. Ich persönlich sehe Showgirls als eine bittere, ziemlich gallige und auf Hochglanz getrimmte, ziemlich missverstandene Satire auf das Showbusiness, welches sich auf etwas einfältige Weise mit dem Gebrauch und Missbrauch von Sex auseinandersetzt und sich damit stimmig in das Œuvre des Ausnahmeregisseurs Verhoeven einreiht.

Showgirls – Trailer:

Showgirls (Originaltitel: Showgirls, USA 1995) erscheint bei Capelight Pictures als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook und (als UHD-Premiere) als 3-Disc Limited Collector’s Edition im UHD-Mediabook. Zur Ansicht stand mir das liebevoll gestaltete Blu-ray-Mediabook zur Verfügung, welches nicht nur hübsch aufgemacht war, sondern auch im Inhalt glänzen konnte. Auf der ersten Blu-ray befindet sich der 131 Minuten lange Showgirls. Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) sind auf einem makellosen Niveau! Neben einem Audiokommentar von Autor und Showgirls-Experte David Schmader gibt es das elfminütige Special „A Showgirl’s Diary“, ein fünfminütiges Featurette, ein Dance-Tutorial, eine B-Roll, elf Interviews mit dem Regisseur, den Darstellern und anderen Beteiligten am Film, den Trailer und Programmhinweise. Die zweite Blu-ray präsentiert erstmalig in Deutschland die 91 Minuten lange Dokumentation You Don’t Nomi (USA 2019), in welcher der Regisseur Jeffrey McHale sich dem Scheitern und neu entdecken des Films widmet und dabei viele Weggefährten und am Film beteiligten befragt. Abgerundet wird die Veröffentlichung durch ein 24-seitiges Booklet, welches neben vielen Filmbildern ein interessantes und spannendes Essay von Peter Osteried bietet, in welchem er sich über den Film, seine Verrisse und die Auswirkung auf die Hauptdarstellerin, so wie das Leben und Werk des Regisseurs widmet.      

You Don’t Nomi – Trailer:

Showgirls, eine perfekt inszenierte A und T-Parade, spaltet das Publikum, wie wenige andere Filme in der Geschichte Hollywoods. Der Film ist ein lautes, inhaltlich so fragwürdig wie naives, sexistisches, haarsträubendes aber dennoch toll gefilmtes Spektakel, welches einen genüsslich fremdschämen lässt und dabei, die nötige Toleranz vorausgesetzt, gut unterhält. Wie irgendwer so schön formulierte, ist Showgirls ein faszinierendes Masterpiece of Shit, oder laut Quentin Tarantino einer der wenigen großen Sexploitationfilme des Hollywood-Studiosystems. Ich sage jetzt bewusst nicht, dass dieser Film in keiner gut sortierten Sammlung fehlen darf (wobei die hier vorliegende Veröffentlichung von Capelight jede Sammlung definitiv aufwerten würde!), es ist jedoch einer der Filme, die man mal gesehen haben sollte!

Christian Funke