Stalingrad - Bis zum letzten Mann  (Euro Video)

Stalingrad – Bis zum letzten Mann (Euro Video)

Wir befinden uns in Stalingrad Ende 1942, Anfang 1943. Die Stadt ist fast zerstört, jedoch kommen die vorrückenden Landser auf Grund des erbitterten Häuserkampfes kaum voran. Die Versorgung wird schlechter, die Temperaturen befinden sich zeitweise bei Minus 50 Grad und die gesamte 6. Armee ist in der zerbombten Stadt eingekesselt. In solch einer Situation wird auch dem letzten Soldaten klar, dass die Durchhalteparolen des Führers eine Farce sind und naive Fahnentreue keine Bedeutung mehr hat.
Während in der Heimat das Leben seinen Lauf nimmt, sitzen die Soldaten auf den Kriegsplätzen fest, ohne die Möglichkeit zu haben, ihre persönlichen Angelegenheiten zu klären, wie zum Beispiel die zerbrechende Beziehung zu retten, auf dem heimischen Hof zu helfen. Die Moral ist am Boden, Verzweiflung macht sich unter den Soldaten breit, während die Situation in Stalingrad immer weiter eskaliert und die Handlungen, die die Männer entgegenzusetzen haben, immer hilfloser werden.

Joseph Vilsmaier gelingt nach Filmen wie „Schlafes Bruder“ mit dem vorliegenden Film Stalingrad das, was seinerseits Petersen mit „Das Boot“ schuf: einen realitätsnahen Film über den Alltag deutscher Truppen im zweiten Weltkrieg. Beklemmend und ungeschönt wird gezeigt, wie das Leid und die unausweichliche Situation der Soldaten in Stalingrad zu einer Bewusstseins- und Verhaltensveränderung führt, so dass all das, was vorher für richtig gehalten nun in Frage gestellt wird, und den Betroffenen deutlich vor Augen steht, dass sie den Lügen der Propaganda aufgesessen sind.

Die Blu-ray von Stalingrad, welche bei EuroVideo erscheint, zeichnet sich durch ein sauberes, natürliches Bild und einen guten Sound aus. Es ist erfreulich, dass hier darauf verzichtet wurde, dass Bild des knapp zwanzig Jahre alten Filmes künstlich aufzupeppen, da es im Ergebnis nun ein sauberes Bild ist, welches aber nicht durch übermäßige Filteranwendung verfremdet wirkt. Leider jedoch hat man auf die Kino- und nicht die Langfassung zurückgegriffen.
Im Bonussektor befindet sich das der DVD-Veröffentlichung identische Bonusmaterial, das wären etwa sechs Minuten Interviews und Szenen vom Dreh, dann ein fünfminütiger Mitschnitt eines Gesprächs mit Regisseur Vilsmaier, die Vorstellung der Darsteller so wie Trailer und Teaser. Schön wäre es gewesen, wenn man hier auch noch die zweieinhalbstündige Dokumentation über die realen Bedingungen in Stalingrad, welche der damaligen Doppel-DVD beilag, hinzugefügt hätte.

Stalingrad von Regisseur Joseph Vilsmaier ist ein aufwändig inszenierter und um Realismus bemühter Antikriegsfilm, der den Schrecken und die Gräuel der Schlacht von Stalingrad aus der Sicht eines deutschen Sturmpionier-Bataillons darstellt. Überzeugende Darstellerleistungen, allen voran Dominique Horwitz und Thomas Kretschmann, so wie eine solide Inszenierung machen Stalingrad zu einem der wohl wichtigsten deutschen Filmbeiträge zu dieser Thematik, dessen Botschaft glaubhaft und nachdenklich stimmend vermittelt wird.

Christian Funke-Smolka