Stanley Kubrick's  Fear and Desire  (Schröder Media)

Stanley Kubrick’s Fear and Desire (Schröder Media)

519GzaxFS9L._SL500_Die Geschichte des Films beginnt in einem Wald, wo kurz zuvor vier Soldaten mit einem Flugzeug abstürzten. Diese merken schnell, dass sie sich im feindlichen Territorium befinden. Weder die Zeit noch der Ort des fiktiven Krieges wird dabei näher erläutert. Schnell können sie auch feindliche Truppen entdecken. Die vier Soldaten wollen versuchen mithilfe eines selbstgebauten Floßes das Gebiet des Feindes zu verlassen. Doch ein Floß zu bauen dauert auch ein wenig Zeit und das viel größere Problem ist, dass sie Hunger bekommen und im Wald ist nichts Essbares vorhanden. Doch es gibt ja auch noch die feindlichen Lager der anderen Soldaten.

Meinung zum Film:

Regisseur Stanley Kubrick gilt auch heute noch, mittlerweile 14 Jahre nach seinem Tod als Meisterwerke der Filmkunst. Sein Hang zum Perfektionismus und seine tiefe intellektuelle Symbolik ließen die meisten seiner Filme zu Klassikern der Filmgeschichte werden, die nahezu zeitlos auch heute noch jeden Cineasten begeistern können. Zentrales Thema seiner Werke war nahezu immer das Scheitern der Menschlichkeit, ausgedrückt durch das Ignorieren der eigenen dunklen Kräfte und innerer Triebe seiner Charaktere, Thema auch schon in seinem Debüt Fear and Desire.51-gjzNnK+L

Hier nun haben wir es endlich vorliegen, das lange zurückgehaltene und verschollene Spielfilmdebüt von Stanley Kubrick! Fear and Desire wurde 1953 mit einem aus privaten Quellen stammenden Startkapital von 10.000 Dollar (die Endkosten beliefen sich dann jedoch auf knapp 30.000 Dollar) gedreht. Da der Film jedoch außerhalb der kleineren Kunstkinos keinen Zuspruch erhielt, war es ein sowohl künstlerischer als auch kommerzieller Misserfolg! Aus diesem Grunde ließ sich Regisseur Kubrick später auch nur sehr ungern auf sein Debüt ansprechen, hielt er ihn doch für amateurhaft und unprofessionell. Vielmehr versuchte er, die Verbreitung dieses Films zu verhindern, indem er nahezu alle verfügbaren Kopien aufkaufte, so dass Fear and Desire nie auf Video oder DVD erschien. Bis jetzt!

51XJncvfQyLSchröder Media veröffentlicht Fear and Desire als deutsche Erstveröffentlichung auf DVD. Bild und Ton des s/w-Films liegen dabei in einer anständigen Qualität vor, das Cover-Artwork ist ansprechend, lediglich der Bonussektor ist nur mit einer Programmshow ausgestattet.

Fear and Desire ist, man merkt es deutlich, ein Debütfilm, quasi eine Fingerübung für den Regisseur. In Interviews betonte Kubrick, dass ihm für die Umsetzung seiner Vorstellungen und Ideen sowohl die Erfahrung als auch das nötige Budget gefehlt haben, ihm die Dreharbeiten jedoch zeigten, wie man mit beschränkten Mitteln sich seiner filmischen Idealvorstellung annähern kann.
Die von ihm erwähnte unprofessionelle Inszenierung wäre eigentlich keine Schande, denn jeder Regisseur fing irgendwann mal bescheiden an, aber für einen Perfektionisten wir Kubrick war es undenkbar, dass dieser Film in dieser Form jemals veröffentlicht wird. So gelang es erst 12 Jahre nach seinem Tod, eine Kopie zu ergattern und ihn erstmals im amerikanischen TV zu senden und später als DVD und BD zu veröffentlichen.

Wenn man sich diesen 60 Minuten dauernden Kriegsfilm anschaut, fallen einem natürlich die etwas holprige Inszenierung und das Fehlen der von Kubrick gewohnten Virtuosität auf. Aber trotzdem spürt man die Fähigkeit des Regisseurs, seine Bildsprache auch mit einfachsten Mitteln umzusetzen. Schon hier versucht Kubrick, visuell auf mehreren Filmebenen zu arbeiten und seine Inhalte über die Dialoge, vielmehr aber über seine Bildsprache zu vermitteln.
Somit ist Fear and Desire ein gerade für Sammler interessanter Beitrag, der die Anfänge eines der wohl besten Regisseure der Filmgeschichte zeigt.

Christian Funke-Smolka