Straßen in Flammen (Koch Media)

Straßen in Flammen (Koch Media)

Eine namenlose Stadt, die aus den 50er und den 80er Jahren zu stammen Coverscheint, eine Welt, in der Rock & Roll und Waffen regieren und ein Konflikt, der diese wüste Mischung buchstäblich unter Feuer setzt. Denn als die Bikergang um den üblen Raven die hübsche Sängerin Ellen Aim entführt, tritt ihr Ex-Freund Tom an, sie aus den Fängen der Schurken zu befreien. Der Beginn einer actionreichen Auseinandersetzung, die den Geist von Rock & Roll auf Waffengewalt und röhrende Motoren treffen lässt.

Als Rock & Roll-Märchen ist „Straßen in Flammen“ inmitten der glatten 80er Jahre angetreten, Rockmusical, Actiondrama und Sci-Fi-Dystopie gleichermaßen zu revolutionieren. In einem seinerzeit unverstandenen Mix aus „Mad Max“ und „West Side Story“ setzt Action-Ikone Walter Hill („Nur 48 Stunden“) dabei nicht nur auf (später) große Hollywoodnamen, sondern auch auf bahnbrechende Techniken, einen gefeierten Soundtrack und ein außergewöhnliches Setting. Ein Umstand, der den „Straßen in Flamen“ knapp 30 Jahre später jenen Kultstatus einbringt, den der Film verdient.

Meinung zum Film:

Mit dem Filmklassiker Straßen in Flammen ist dem eher für seine Western- und Actionfilme bekannte Regisseur Walter Hill ein für ihn atypisches Rock-Märchen gelungen, welches auf faszinierende Weise Szene 1sowohl den Zeitgeist der Blütejahre des wilden Rock ‚n‘ Roll als auch das Gefühl der eher steril-unnahbaren 80er Jahre atmet. Dabei gelingt es dem Regisseur, eine Melange aus Western und comichaft überzeichneter Oper zu inszenieren, die die Genreregeln sowohl einhält als auch gleichzeitig aufbricht. Wir erleben die Entführung der Rocksängerin Ellen Aim (Diane Lane) durch den Gangleader Raven (Willem Dafoe), die diese während eines Benefizkonzertes verschleppt. Doch die Rettung naht: ihr Ex-Lover Tom Cody (Michael Paré) kommt mit Verstärkung (Amy Madigan als rabiate Söldnerin und Rick Moranis als Ellens fieser Manager), um sich in das übelste Viertel der Stadt zu begeben und die Sängerin zu befreien. Bald stehen sich die Kontrahenten gegenüber und die Straßen in Flammen…

Straßen in Flammen ist ein Film, der sich nicht ernst nimmt, sondern Szene 2grenzübergreifende Fantasy sein möchte. Dem Film, beziehungsweise seinem Regisseur ist es dabei wichtiger, Atmosphäre und Lebensgefühl zu transportieren, als auf eine klassische Machart oder konventionelle Geschichte zu bauen. Alles wirkt überstilisiert und konzentriert auf den Punkt gebracht. Man darf sich nicht vor Klischees erschrecken oder bei grotesken Überzeichnungen zurückzucken, hier ist alles Emotion und Rock’n’Roll. Ergänzt wird der furiose Spaß durch den mitreißenden Soundtrack von Jim Steinman (der ansonsten Musik für Meat Loaf komponierte, was irgendwie hervorragend passt), Ry Cooder oder Dan Hartman.

Leider wurde der Film seinerzeit ziemlich missverstanden, so dass er mit einer FSK 18-Freigabe ein Schattendasein fristete. Dies hat sich nun dank Koch Media mit der hier vorliegenden, weltweit ersten Blu-ray-Umsetzung geändert. Heruntergesetzt auf eine Freigabe ab 16 Jahren erlebt man den Film erstmalig in seinem originalen Bildformat (1.85:1 16:9), Bild und Ton sind zudem hervorragend aufbereitet. Im Bonusbereich befinden sich neben dem Originaltrailer die recht aktuelle 82 Minuten lange Dokumentation „Rumble in the Lot“ mit Regisseur Hill und einigen Darstellern, einem kürzeren Making of, einer Bildergalerie und diversen Musikvideos.

Straßen in Flammen ist ein Film, wie er heutzutage leider nicht mehr gedreht werden würde. Wild und furios zeigt Regisseur Walter Hill, was es heißen kann, wenn man unterschiedlichste, eigentlich nicht kombinierbare Genres paart und daraus einen mitreißenden neunzigminütigen Rock’n’Roll-Bastard entstehen lässt, dem es relativ egal ist, ob er es einem Recht machen kann, oder nicht. Man liebt oder hasst diese filmische Rock-Oper, mich jedoch hat sie sehr gut (und ziemlich nostalgisch) unterhalten.

Christian Funke-Smolka

TRAILER