“Stunde der Angst“ (Koch Films)

“Stunde der Angst“ (Koch Films)

Regie: Alistair Banks Griffin

Darsteller: Naomi Watts, Jennifer Ehle, Emory Cohen, Brennan Brown, Kelvin Harrison Jr. u.a.

Die New Yorker Schriftstellerin June kämpft seit Jahren mit einer Schreibblockade. Im Sommer 1977 ist es brütend heiß, und ein Serienmörder versetzt die Frauen im „Summer of Sam“ in Angst und Schrecken. Von Panik besessen wagt June seit Monaten keinen Schritt vor die Tür ihres kleinen Apartments in der South Bronx. Und während nachts die Sirenen heulen, wird sie immer und immer wieder vom zermürbenden Summton der Sprechanlage aufgeschreckt, an der sich keiner meldet…

Ein klaustrophobischer Psychothriller, getragen von einer grandiosen schauspielerischen Leistung: Ausnahmeschauspielerin Naomi Watts (BIRD MAN, KING KONG) als neurotische Autorin verleiht dem Film eine aufwühlende Spannung von der ersten bis zur letzten Minute.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

“Hello from the gutters of New York City, which are filled with dog manure, vomit, stale wine, urine, and blood.”

David Berkowitz-

Lange Zeit war die Schriftstellerin June Leigh (Naomi Watts) aus der literarischen Undergroundszene und Gegenkultur der 1960er nicht wegzudenken. Doch mittlerweile schreiben wir das Jahr 1977, ein brütend heißer Sommer treibt die Bevölkerung New Yorks an ihre Belastungsgrenzen. Der Serienmörder David Son of Sam Berkowitz treibt sein perfides Spiel mit der Polizei und die Stimmung ist insgesamt bedrohlich aufgeladen. Doch davon bekommt June nur am Rande etwas mit, denn eine Agoraphobie bindet sie an ihre Wohnung, die sie seit langer Zeit nicht mehr verlassen hat. Ein Unbekannter, der sie mit Türklingelterror belästigt und eine Schreibblockade zehren an ihren instabilen Nerven und die Unruhen in ihrer Nachbarschaft, der heruntergekommenen South Bronx, drohen sie endgültig in den Zusammenbruch zu treiben…  

Regisseur und Drehbuchautor Alistair Banks Griffin (Two Gates of Sleep) präsentiert mit Stunde der Angst seinen zweiten Spielfilm. Sehr ambitioniert verlegt er seine Geschichte in das von Unruhen gezeichnete New York des Jahres 1977 und kann dieses Setting nicht nur sehr detailverliebt glaubhaft zum Leben erwecken, sondern sich auch auf seine Hauptdarstellerin Naomi Watts verlassen, die große Teile des Films im Alleingang stemmt. Man nimmt ihr die innerlich zerrissene und von Furcht gelähmte gebrochene Frau in jeder Sekunde ab, die sich in ihrer Angststörung nicht vor die Wohnungstür traut und ihr Essen, aber auch Liebhaber in ihr Apartment bestellt. Watts zeigt sich hier so mutig wie freizügig und scheut sich nicht, die Zuschauenden in ihre seelischen Abgründe blicken zu lassen. Stunde der Angst glänzt durch eine beinahe greifbare Atmosphäre, die von Schauspiel, Setting, Bild und Sound lebt und einen tief in das Geschehen hineinzieht. Gleichzeitig jedoch fehlt es dem Drama über eine Frau, die ihre Relevanz in der Gesellschaft verloren hat und sich diese zurückerkämpfen möchte, an einem konstanten Spannungsbogen. Denn irgendwie nimmt man exemplarisch an einem Lebensausschnitt der Protagonistin teil, fühlt mit ihr, wird jedoch gleichzeitig auch auf Distanz gehalten. So haben wir ein durchaus intensives, aber nicht unbedingt spannendes Filmerlebnis, welches sich jedoch wegen der bereits genannten Punkte lohnt, anzusehen.

Stunde der Angst (Originaltitel: The Wolf Hour, USA 2019) erscheint bei Koch Films als DVD, Blu-ray und Video on Demand. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die in Bild (2,40:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem qualitativ guten Niveau überzeugen konnte. Im Bonusbereich gab es ein dreiminütiges „Behind-the-Scenes“-Special, eine Bildergalerie mit Fotos vom Dreh, vier (teils umfangreichere) Interviews mit den Darstellerinnen und Darstellern, den Trailer und Programmhinweise.

Stunde der Angst ist ein düster-bedrückendes, atmosphärisch sehr dichtes Drama mit einer intensiv agierenden Naomi Watts. Ein Film, der von seinen Bildern und der Soundkulisse lebt, seiner Darstellerin, die den Film nahezu im Alleingang stemmt viel abverlangt, allerdings oftmals an einer latenten Spannungsarmut leidet.

Christian Funke