„Suspiria” (Capelight Pictures/Koch Films)

„Suspiria” (Capelight Pictures/Koch Films)

Regie:

Luca Guadagnino

Darsteller:

Tilda Swinton, Dakota Johnson, Mia Goth, Chloë Grace Moretz u.a.

Die junge Amerikanerin Susie Bannion (Dakota Johnson) kommt 1977 zum renommierten Markos Tanzensemble nach Berlin. Während Susie unter der revolutionären künstlerischen Leiterin Madame Blanc (Tilda Swinton) außergewöhnliche Fortschritte macht, freundet sie sich mit der Tänzerin Sara (Mia Goth) an. Als Patricia (Chloë Grace Moretz), ebenfalls Mitglied des Ensembles, unter mysteriösen Umständen verschwindet, kommt der Psychotherapeut der jungen Tanzschülerin, Dr. Josef Klemperer (Lutz Ebersdorf), einem dunklen Geheimnis auf die Spur. Auch Susie und Sara ahnen, dass sich hinter der Fassade von Madame Blanc und ihrer Tanzschule unbarmherzige Hexen verbergen.

Mit SUSPIRIA ist Luca Guadagnino (CALL ME BY YOUR NAME) ein brillantes Remake von Dario Argentos Klassiker gelungen. Mit einer exzellenten Besetzung und in unvergesslichen Bildern hat der Oscar®-nominierte Regisseur ein fesselndes Meisterwerk geschaffen, das einem sensationell den Atem raubt. Den spannungsreichen Soundtrack liefert Thom Yorke, Frontmann der Band „Radiohead“.

© Capelight Pictures/Koch Films/Amazon Studios

Meinung zur Veröffentlichung:

„A Mother is a woman who can take the place of all others but whose place no one else can take.“

Das geteilte Berlin im Spätsommer des Jahres 1977 ist eine von politischen Unruhen der linken Terrorgruppe RAF geprägte, laute und gewaltig erscheinende Stadt, die einschüchternd auf die junge und aufstrebende Tanzschülerin Susie Bannion (Dakota Johnson) wirkt. Sie ist nach dem Tod der Mutter aus Ohio nach Berlin gereist, um sich an der Helena-Markos-Tanzakademie, aktuell unter der Leitung der renommieren Ballettmeisterin Madame Blanc (Tilda Swinton), einzuschreiben. Da sich die Tanzschülerin als sehr talentiert erweist und durch das Verschwinden der Tänzerin Patricia Hingle (Chloë Grace Moretz) ein Platz freigeworden ist, erhält sie den Zuschlag. Doch schnell wird deutlich, dass sich hinter den Mauern der Tanzakademie so manches Geheimnis verbirgt…

Es erschien vielen als ein sehr gewagtes Unternehmen, als bekannt wurde, dass sich der famose italienische Filmemacher Luca Guadagnino (A Bigger Splash) die Rechte an einem der wohl wegweisendsten Genrefilme der Filmgeschichte sichern konnte: Suspiria von Dario Argento. Inhaltlich vielleicht nicht Argentos bester Film, bestach er jedoch bei seiner Premiere im Jahr 1977 (und in seiner Zeitlosigkeit auch heute noch) durch seine innovative Inszenierung, die einen mit ihrem audiovisuellen Bombast überrollte und unweigerlich in ihren Bann zog.

Guadagnino, dem die großen Fußstapfen sehr wohl bewusst waren, versuchte sich entsprechend gar nicht erst in einem sinnfreien Remake eines übergroßen Films, der nicht nur kultisch verehrter Klassiker ist, sondern auch heute noch inszenatorische Maßstäbe setzt. Basierend auf Argentos und Daria Nicolodis Vorlage schuf Drehbuchautor David Kajganich (Friedhof der Kuscheltiere 2019, The Terror) ein Skript, welches sich lediglich an dem inhaltlichen Grundgerüst des ursprünglichen Films orientiert und visuell, als auch in der musikalischen Untermalung von Radioheads Thom Yorke gänzlich andere, aber nicht minder beeindruckende Wege beschreitet. Guadagnino, der hier mit Tilda Swinton in einer Dreifachrolle, Chloë Grace Moretz, Dakota Johnson, Mia Goth oder Ingrid Caven auf eine grandiose Riege an Darstellerinnen zurückgreifen kann (und tatsächlich kann man hier von einem starken, femininen Film reden, der fast komplett mit Frauen – selbst in einer Männerrolle – besetzt wurde), setzt hier auf eine Bildsprache, die sich sehr detailverliebt zahlreicher erzählerischer Kniffe bedient. Deutlich merkt man, dass sich der Filmemacher und seine Unterstützer vor und hinter der Kamera gut kennen und aufeinander eingespielt sind. So haben wir hier einen inszenatorisch atemberaubenden, in seiner visuellen wie darstellerischen Form beeindruckenden, allerdings bei einer Lauflänge von 152 Minuten sehr langen (und, man muss es leider sagen, manchmal auch etwas sehr entschleunigt erzählten) Film, der in einigen Passagen beinahe greifbar intensiv, in anderen rauschhaft in Szene gesetzten Arthouse-Paranoia-Grusel bietet und dank seiner guten Darsteller vor dem Hintergrund der Beleuchtung spannender deutscher Geschichte punkten kann. Ein stellenweise zutiefst beunruhigender, vielschichtiger und unglaublich ästhetischer Film, der es einem nicht leicht macht und den man sich als Zuschauer erarbeiten muss. Was wiederum lobens- und lohnenswert ist!                    

Suspiria (Originaltitel: Suspiria, Italien/USA 2018) erscheint bei Koch Films und Capelight Pictures und gemäß den hohen Erwartungen an diesen Film spendiert man ihm eine Zahl an Veröffentlichungen, die keine Wünsche offen lässt. Neben der DVD und Blu-ray erscheint der Film in zwei unterschiedlich gestalteten, inhaltlich aber identischen Mediabook-Varianten (einmal von den Köchen – mit hübschen neuem Logo-Intro – und einmal von Capelight), Video on Demand und der 4K-Blu-ray. Das krönende Sahnehäubchen jedoch ist die auf 3000 Stück limitierte Ultimate Edition mit zehn Discs. Hier befinden sich neben dem Hauptfilm noch das Original, zwei 4K UHDs, drei Soundtrack-CDs und vieles mehr in der Box. Mir stand die Blu-ray des Hauptfilms zur Ansicht zur Verfügung. Bild (1.85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 7.1) waren auf dem qualitativ erwartet sehr hohen Niveau, im Bonusbereich befanden sich bei der mir zur Ansicht vorliegenden Blu-ray-Disc lediglich diverse Teaser und Trailer, umfangreiches Bonusmaterial wird es auf den zusätzlichen Bonus-Discs der anderen Veröffentlichungen geben.       

Mit seiner Neuinterpretation Suspiria präsentiert Luca Guadagnino einen bildgewaltigen, in seiner Inszenierung nahezu perfekten, visionären Alptraum, der sich erfreulich von dem übermächtigen Klassiker Argentos löst und eigenständig und unabhängig seine Geschichte auf- und ausbaut. Ein erfrischend polarisierender, vielleicht etwas zu langer, aber durchweg interessanter Film, den man sich mehrmals anschauen sollte, um ihn in all seinen Facetten zu erfassen!        

Christian Funke