Taffe Mädels (20th Century Fox)

Taffe Mädels (20th Century Fox)

CoverDie FBI-Agentin Sarah Ashburn (Sandra Bullock) und die Bostoner Polizistin Shannon Mullins (Melissa McCarthy) könnten unterschiedlicher nicht sein. Als Einzelgängerin hat Sarah kein gesteigertes Interesse an ihren Kollegen, bei denen sie als arrogant und bedingungslos gilt. Als sie nach Bosten versetzt wird, um einen skrupellosen Drogenbaron zu erledigen, muss sie mit der burschikosen und etwas tollpatschigen Shannon zusammenarbeiten. Natürlich sind die beiden Frauen alles andere als ein Dream-Team, doch schließlich passiert, was niemand für möglich hielt: Sie werden Freundinnen!

Meinung zum Film:

Mitte der 80er gab es das Genre des Buddy-Cop Films, welches während seiner Blütezeit eine große Anzahl an Klassikern wie die Lethal Weapon – Reihe hervorbrachte. Seit einiger Zeit erinnern sich so manche Filmschaffenden an die seinerzeit so populären Genres und transportieren die Grundmotive in ein aktuelleres, zeitgemäßes Umfeld. Taffe Mädels, oder The Heat, wie er im Original heißt, ist solch ein Beitrag, der sich der bekannten Grundmuster bedient, diese aber auf eine gelungene Weise neu zusammensetzt und damit für zwei Stunden temporeiche Unterhaltung sorgt. Aber ich eile voraus.Taffe Mädels

Sarah Ashburn (Sandra Bullock „Gravity“) ist eine intelligente, etwas überhebliche und sehr penible FBI-Agentin, mit der man sich besser nicht anlegen sollte. Sie ist Paragraphenversessen und arbeitet fehlerfrei. Das macht sie jedoch nicht unbedingt zu einem beliebten Teammitglied, weshalb ihr Vorgesetzter ihr rät, sich in ihrem nächsten Fall, der für sie Beförderungsrelevant ist, von einer gruppentauglichen und umgänglichen Seite zu zeigen.

Die Bostoner Polizistin Shannon Mullins (Melissa McCarthy, „Brautalarm“) könnte unterschiedlicher nicht sein. Auf der Straße aufgewachsen sind ihr deren Gesetze in Fleisch und Blut übergegangen, so dass sie mit ihren sehr ruppigen Methoden und ihrem vorlauten Mundwerk zwar überall aneckt, man ihr wegen ihrer überragenden Ermittlungserfolge jedoch von offizieller Seite nichts vorwerfen will.

Beide könnten gegensätzlicher nicht sein, da sich aber bei der Jagd nach einem Drogenboss ihre Wege kreuzen, müssen Ashburn und Mullins lernen, sich zu arrangieren um zu einem gemeinsamen Erfolg zu kommen. Da sich Gegensätze bekanntermaßen anziehen, braucht es zwar seine Zeit (und damit verbunden einige Turbulenzen), aber den beiden Ermittlerinnen gelingt es irgendwann, die Vorzüge des jeweils anderen zu sehen und so gemeinsam gegen das Verbrechen vorzugehen.

Taffe MädelsTaffe Mädels definiert natürlich an keiner Stelle das Genre neu, dass war auch nicht das Ziel von Regisseur Paul Feig („Brautalarm“). Vielmehr versucht er, die unterhaltsamsten und witzigsten Seiten seiner beiden Hauptdarstellerinnen hervorzuheben und zu einem homogenen Ganzen zu kombinieren. Dies gelingt ihm mit einem Script, welches über weite Teile gekonnt mit den Versatzstücken des Genres jongliert, verschiedene Parts kombiniert und dabei sogar den teils vulgär-zotigen Humor gekonnt mit einbindet. Nicht alles ist jedoch perfekt an Taffe Mädels, denn dafür sind einige Szenen zu offensichtlich ein Versuch, durch rüpelhaften Brachialhumor eine gewisse Witzigkeit vorzutäuschen, aber im Gesamtbild halten sich die gelungenen Momente dann doch mit den weniger gelungenen Abschnitten erstaunlich die Waage, gerade da der Film im letzten Drittel einen qualitativ deutlichen Anstieg aufzeigt, so dass man sich nach dem Abspann zurücklehnt und gut unterhalten fühlt.

Die vorliegende DVD von Taffe Mädels bietet die Kinofassung und wird von 20th Century Fox in einer soliden Version veröffentlicht. Diese hat eine Freigabe ab 12, die um drei Minuten längere „Extended Version“ der Blu-ray hingegen ist für ein Publikum ab 16 Jahren freigegeben worden. Bild und Ton liegen in einer sehr guten und makellosen Qualität vor, im Bonussektor befinden sich neben einem Intro und einem Outro des pupsenden Regisseurs (so viel zu seiner Version subtilen Humors…) noch ein sechsminütiges Slapstick-Feature und ein Audiokommentar vor.

Taffe Mädels ist ein Film, der nach einem 70er Jahre Intro, dem 80er Jahre Genre und seinem 90er Jahre Style in erster Linie mit seinen beiden grandios agierenden und charismatisch auftrumpfenden Hauptdarstellerinnen zu überzeugen weiß. Beiden gelingt es, den Film auf ihren mal breiten, mal schmaleren Schultern zu tragen und dank der hervorragenden Chemie, die zwischen den beiden Frauen zu bemerken ist, bleiben sämtliche Momente im Film relativ glaubwürdig und nachvollziehbar. Wir haben es hier mit einem Unterhaltungsfilm zu tun, der dabei nicht vorgibt, mehr zu sein, als er ist. Somit kann man als Zuschauer bedenkenlos zugreifen, wenn man sich für zwei Stunden temporeich und humorvoll ablenken lassen möchte!

Christian Funke-Smolka