“The 800“ (Koch Films)

“The 800“ (Koch Films)

Regie: Hu Guan

Darsteller: Zhi-zhong Huang, Hao Ou, Wu Jiang, Yi Zhang u.a.

1937 stellen sich chinesische Soldaten in der Schlacht um Shanghai der japanischen Übermacht: Ihr Anführer beziffert sie auf 800. Tagelang kämpfen die Männer – eine Ansammlung aus Deserteuren, einfachen Bauern und Kriminellen – ein erbittertes Rückzugsgefecht gegen die Invasoren, bei dem sie sich in einem alten Lagerhaus verschanzen. Sie haben nur ein Ziel: Die chinesische Metropole vor der Übernahme durch den Feind zu beschützen.

Der erfolgreichste Blockbuster des Jahres kommt aus China: Das bildgewaltige, effektgeladene Schlachtenepos brach in seiner Heimat sämtliche Kassen- und Produktionsrekorde. Mit atemberaubender Action, nervenzerreißender Spannung, aufwändigen Spezialeffekten und spektakulären Bildern begeisterte THE 800 Zuschauer und Kritiker weltweit und erinnert an DUNKIRK oder 1917.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Wir befinden uns im Shanghai des Jahres 1937, das Land befindet sich gerade im Zweiten Sino-Japanischer Krieg. Seit Monaten stellen sich die chinesischen Soldaten verzweifelt der japanischen Übermacht, die Verluste sind immens. Da die militärische Führung Shanghai für verloren erklärt, will man einen großen Teil der Streitkräfte abziehen, um sich auf andere Regionen zu konzentrieren, lediglich die 800 Mann starke 88. Division soll die Stellung halten. Doch diese Division besteht nicht nur aus kampferprobten Soldaten, sondern auch aus Deserteuren, einfachen Bauern, Kriminellen und Jugendlichen. Während eines erbarmungslosen Gefechts zieht sich sie 88. Division in ein sich in der Stadtmitte befindendes, verlassenes Lagerhaus zurück, um von dort aus die Stadt vor der feindlichen Übermacht zu beschützen…

Auf wahre Begebenheiten basierend, erzählt Regisseur Hu Guan (The Weasel Grave), der auch am Drehbuch beteiligt war, die Geschichte eines mutigen, vier Tage andauernden Widerstandes chinesischer Soldaten gegen eine feindliche Übermacht. Als Verteidigung des Sihang-Lagers in die Geschichte eingegangen, kann man dieses Gebäude auch heute noch in Shanghai besichtigen. Hu Guan gestaltet seinen Film bewusst in tristen Farben und gibt dem blutig-brutalen Geschehen einen besonders dreckigen Anstrich. Sein Film lebt von den aufwändig erstellen Settings und dem Kontrast zwischen Kriegsgeschehen und den auf der anderen Flussseite zuschauenden wohlhabenden Beobachtern. Das Treiben im Lagerhaus ist unübersichtlich, chaotisch und hektisch, dabei wird bewusst auf die klare Fokussierung auf einzelne Personen verzichtet, sondern die Kamera wandernd ruhelos zwischen den beteiligten hin- und her und vermittelt so einen umfassenden Blick in das Treiben. Erst im weiteren Verlauf kristallisieren sich einzelne Figuren heraus, andere wiederum fallen unvermittelt im Kampf. The 800 ist unruhig, beinahe fiebrig, gönnt einem keine Verschnaufpause und zieht einen unweigerlich ins Geschehen. Ein atemloser Film, der seinen Schauplatz eindrucksvoll in Szene zu setzen weiß und mit seinen teils gnadenlosen, perfekt choreografierten Kämpfen schockiert. Ein inhaltlich interessanter, in seiner Ästhetik herausragender Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte!        

The 800 (Originaltitel: Ba Bai, China 2020) erscheint bei Koch Films auf DVD, Blu-ray (Amray und Steelbook) und Video on Demand. Bild (2,35:1 / 16:9) und Ton (Deutsch: Dolby Atmos, Mandarin: dts-HD Master Audio 5.1) der mir zur Ansicht vorliegenden Blu-ray befinden sich auf einem qualitativ exzellenten Niveau. Im Bonusbereich befinden sich kurze Featurettes zur Entstehung des Films, den „Helden des Krieges“, dem im Film vorkommenden Nachtangriff und zwei weitere kurze Specials zu den Dreharbeiten, ein Musikvideo, der Filmtrailer und Programmhinweise.

The 800, einer der – trotz massiver Schwierigkeiten mit der chinesischen Zensurbehörde – erfolgreichsten chinesischen Filme (und aufgrund der Corona-Krise sogar weltweit erfolgreichste Film des Jahres 2020), ist ein groß angelegter, epischer Kriegsfilm, der mit guten Darstellern und einer unglaublich dynamischen Inszenierung glänzt. Der Verzicht auf klassische Heldenfiguren und das nur selten vorkommende Pathos machen aus ihm einen mit etwa zweieinhalb Stunden sehr langen, aber trotzdem nahezu durchgängig fesselndes Epos, welches einem mit einem ausgefallenen Setting und nahezu perfekt choreografierten Actionsequenzen in Erinnerung bleiben wird.

Christian Funke