The Artist  (dcm)

The Artist (dcm)

Das Jahr 2012 wird gleichzeitig als das Jahr des hundertsten Geburtstags und als das Jahr der Rückbesinnung auf die Magie des Erzählens in die Filmgeschichte eingehen. Es erscheint auch aus heutiger Sicht, wissend vom Erfolg des Projekts, ein mutiger Schritt, in einer Zeit, wo die Filmtechnik auf dem höchsten Stand ist und 3D – Spielereien und unglaubliche Actioneinlagen dem Zuschauer die Zeit zum Nachdenken über den Verlust von Inhalt und Seele vieler Filmprojekte nehmen, auf all dies zu verzichten, und bei Null anzufangen.
Regisseur Michel Hazanavicius (OSS 117) wagte den Schritt, und ging mit seinem Stammschauspieler Jean Dujardin, mit dem er schon die beiden den 50er und 60er Jahren huldigenden Agentenparodien OSS 117 drehte, den Weg, einen schwarz-weißen Stummfilm zu inszenieren.

Dujardin verkörpert den unglaublich erfolgreichen Stummfilmstar George Valentin, dem in der Blütezeit der 20er Jahre die Herzen des Publikums zufliegen. Er ist der ungekrönte König von Hollywood, der als Chameur und Draufgänger sein Leben und seine Karriere genießt. Wie im Vorbeigehen entdeckt er die wunderschöne junge Statistin Peppy Miller (Bérenice Bejo, OSS 117, Prey) für ein nächstes Filmprojekt, der ihr den Weg zum Erfolg zu ebnen scheint.
Doch Hollywood befindet sich in filmischer Sicht im Wandel. Durch die Einführung des Tonfilms ändert sich für viele der bisher erfolgreichen Schauspieler die Voraussetzung in ihrer Arbeit grundlegend. So auch für George und Peppy. Während ihn die moderne Errungenschaft zu überrollen droht, wird sie durch die neue Technik zum großen Star des noch jungen Kinos.

The Artist gelingt etwas, das vielen Filmen der jüngsten Vergangenheit nicht gelang. Er berührt den Zuschauer, ohne ein Wort sagen zu müssen. Reduziert auf den Kern, bestehend aus Geschichte, Musik und Darstellung, ist der Zuschauer gezwungen, sich auf den Film einlassen zu müssen. Dabei erlebt man eine zwar in ihrer Grundstruktur simpel gestrickte Geschichte, die emotional aber auf hohem Niveau wirkt. Zudem ist The Artist aber auch eine charmante und humorvolle Verbeugung vor den Anfängen der Filmgeschichte.

Hier vorliegend habe ich die Blu-ray aus dem Hause dcm, welche den Film mit englischen oder deutschen Texttafeln präsentiert. Der Ton liegt in DTS-HD Master Audio 5.1 vor, das Bild im 4:3 – Format.
Als Bonusmaterial befinden sich neben einem halbstündigen Making of noch ein Feature über die Filmpremiere, Outtakes, ein Bericht zu der Erstellung des Soundtracks, mehrere Interviews mit den am Film Beteiligten, so wie der Trailer und eine Programmübersicht. Ein Großteil des Zusatzmaterials ist ebenfalls in schwarz-weiß gedreht worden.

The Artist wurde zu Recht mit Preisen überhäuft (unter Anderem mit je einem Oscar als bester Film, beste Regie, beste Filmmusik, bester Hauptdarsteller und bestes Kostümdesign) und war ein unglaublicher Erfolg. Denn der Film beweist, dass es möglich ist, auch ohne groß angelegte Effekte und einer Überhöhung des Erzähltempos sein Publikum zu fesseln. Sich auf seine bis in die Nebenrollen hervorragend besetzten und charismatischen Schauspieler verlassend, ist der Film eine liebevolle Verbeugung vor der Kunstform „Kino“ und dem, was es eigentlich ausmacht: einer gut erzählten Geschichte!

Christian Funke-Smolka