„The Bay“ - Staffel 1 (EDEL Motion)

„The Bay“ – Staffel 1 (EDEL Motion)

Darsteller: Morven Christie, Chanel Creswell, Daniel Ryan, Jonas Armstrong, u.a.

Im nordenglischen Küstenort Morecambe verschwinden die Zwillingsgeschwister Holly und Dylan Meredith nach einem Jugendclub-Besuch spurlos. DS Lisa Armstrong (Morven Christie), die als Ermittlerin für Familienangelegenheiten speziell dafür ausgebildet ist, Familien in ihren dunkelsten Stunden beizustehen, aber auch in deren Umfeld Hinweise zum Verschwinden des Familienmitglieds zu sammeln oder gar einen Täter aus dem Familienkreis zu enthüllen, wird der Fall zugeteilt.

© EDEL Motion

Meinung zur Veröffentlichung:

Wenn die Bucht in Broadchurch liegt

Britische Krimiserie „The Bay“: Schlechtes Timing beim One Night Stand

Aus dem Land von Rosamunde Pilcher erreicht uns in diesem Monat eine auf zwei Staffeln ausgelegte Miniserie mit sechs Episoden a 45 Minuten. Im Gegensatz zu Pilchers Romantikfilmchen erwartet den Zuschauer hier kein rosarot, dafür umso mehr ungesättigte Farben und eine dunkle, düstere Atmosphäre. Schauplatz des Geschehens ist das kleine Küstenstädtchen Morecambe, in dem ganz offensichtlich jeder ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. Die Ausgangssituation ist schnell erzählt: Die 16-jährigen Zwillinge Polly und Dillon verschwinden nach dem Besuch eines Jugendclubs. Ein klassischer Vermisstenfall, könnte man meinen.

Doch aus dem Vermisstenfall wird sehr schnell ein Mordfall, als Dillons Leiche in der Bucht gefunden wird. Eine wichtige Rolle im Rahmen der Ermittlungen übernimmt Detective Sergeant Lisa Armstrong: Bei Mord- und Vermisstenfällen ist sie die Schnittstelle zwischen den Familien der Opfer und der Polizei. Es gehört zu ihren Aufgaben, Vertrauen aufzubauen und den Familien in diesen schicksalhaften Zeiten beizustehen. In diesem besonderen Fall kann ihr dies jedoch nicht gelingen, hatte sie doch in der Nacht des Verschwindens einen One Night Stand mit dem Stiefvater der vermissten Jugendlichen.

© Trailer: KrimiKollegen

Der böse Stiefvater war es! Oder doch nicht?

Und just dieser Stiefvater gerät sehr schnell ins Visier der Polizei. Schließlich war er es, der die Zwillinge an diesem Abend abholen wollte. Stattdessen zieht er jedoch mit seinen Kumpels um die Häuser und trifft dabei ausgerechnet auf die kühle Schönheit Lisa Armstrong, gespielt von Morven Christie, hierzulande nahezu unbekannt, aber in einigen Episoden von „Dr. Who“ vertreten.

Lisa ist nicht nur alleinerziehend und zumeist übellaunig, sondern verhält sich auch gegenüber dem jüngeren Kollegen unfair. Ihre frühreife Tochter macht ihr Probleme und wird nach einer Prügelei von der Schule suspendiert; der Sohn ist ebenfalls in komplexe Probleme verstrickt. Auch die anderen Protagonisten glänzen nicht durch Sympathie. Dies trägt dann auch dazu bei, dass die Serie etwas schwerfällig daherkommt.

Wer „Broadchurch liebt, wird „The Bay“ mögen

Im Laufe der sechs Folgen blättern sich immer mehr Verstrickungen der Bewohner des Städtchens auf. Die Handlung ist sehr dicht, die Komplexität der Charaktere leider überschaubar. „The Bay“ ist eine gut gemachte und spannende Krimiserie, hat aber ein Problem und das heißt „Broadchurch“. „The Bay“ ist ein schwaches Abziehbild der britischen Erfolgs-Krimiserie mit David Tennant, aber trotzdem unterhaltsam und sehenswert.

Stephan Kottkamp & Christian Funke