“The Believer” (Capelight Pictures)

“The Believer” (Capelight Pictures)

Als Kind wegen unorthodoxer Auslegung der Heiligen Schrift des Religionsunterrichts verwiesen, trägt Daniel Balint (Ryan Gosling) als Erwachsener Springerstiefel und ein Hakenkreuz auf dem T-Shirt. Er macht keinen Hehl aus seiner antisemitischen Haltung – verschweigt jedoch, dass er selbst Jude ist. In einer neofaschistischen Vereinigung hofft er, Gleichgesinnte zu finden. Dort lernt er auch den Wortführer der Gruppierung, Curtis Zampf (Billy Zane), kennen. Curtis zeigt sich von Daniels Sprachgewandtheit beeindruckt und weiß diese für seine Zwecke einzusetzen. Je tiefer sich Daniel in den Strudel aus rassistischer Hetze begibt, desto stärker wird er mit seiner jüdischen Herkunft, seinem Glauben und seinem Selbsthass konfrontiert.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Inside A Skinhead

Der junge Daniel Balint (Ryan Gosling, Drive) ist intelligent, charismatisch und eloquent. Doch ist er gleichzeitig Faschist und ein von Hass zerfressener Antisemit, der seine Weltanschauung mit SS-Aufnähern und Hakenkreuz-Shirt nach außen trägt. Was seine gleichgesinnten Freunde jedoch nicht wissen: er ist Jude. Da ihm Worte nicht mehr ausreichen, schließt er sich einer rechtsradikalen Bewegung um Lina (Theresa Russell) und Curtis (Billy Zane) an. Da er mit seinem selbstbewussten auftreten imponiert, wird er schnell in den inneren Kreis einbezogen… mit fatalen Folgen!  

Henry Bean, der mit seinen Drehbüchern Internal Affairs – Trau‘ ihm, er ist ein Cop und Jenseits der weißen Linie zu Beginn der 1990er Jahre sehr erfolgreich war, widmete sich in seinem Skript The Believer – Inside A Skinhead, bei dem er auch erstmals Regie führte, der rechtsradikalen Szene Amerikas. Nando Rohner geht in seinem lesenswerten Essay welches im Booklet dieser Veröffentlichung vorliegt, auf die Erfahrungen der sehr intensiven Recherche ein. Das Endergebnis ist ein vielschichtiges Drehbuch, dessen Aufhänger die Geschichte des US-amerikanischen Neonazis Daniel Burros (* 5. März 1937; † 31. Oktober 1965) war, der Stunden nachdem die New York Times seine jüdische Herkunft offengelegt hatte, Suizid beging. Doch The Believer – Inside A Skinhead ist kein biografischer Film, sondern setzt sich vielmehr mit der Thematik von Juden mit antisemitischem Gedankengut auseinander. Der White-Power-Skinhead Daniel wird dabei von dem damals 21 Jahre jungen Ryan Gosling verkörpert, der hier in seinem zweiten Kinofilm zu sehen ist. Herausgekommen ist ein Film, der sich sehr differenziert, ohne künstliche Effektheischerei und unnötige Überzeichnung einem brisanten Thema widmet und damit eine Studie mit unglaublich vielen Grautönen liefert, die man gesehen haben muss. Grandioses, aber nicht unbedingt leicht konsumierbares Kino, bei dem es mich nicht wundert, warum die Verantwortlichen es so schwer hatten, ihn angemessen zu vermarkten. Danke Capelight, dass man ihn hierzulande in einer der Qualität des Films angemessenen Veröffentlichung genießen kann.

The Believer – Inside A Skinhead (Originaltitel: The Believer, USA 2001) erscheint bei Capelight Pictures unzensiert mit einer FSK 18-Freigabe als gewohnt hochwertige 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook. Der Film liegt hier in 4K remastered auf DVD und erstmals als Blu-ray vor, Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) der von mir getesteten Blu-ray waren auf einem qualitativ guten Niveau. Im Bonusbereich befanden sich der Trailer, eine Programmübersicht und ein 24-seitiges, reich bebildertes Booklet mit einem hochinteressanten und gut recherchierten Essay von Journalist Nando Rohner, in welchem er über die wahren Hintergründe, die Vorbereitung der Dreharbeiten und die anschließenden Schwierigkeiten der Vermarktung des Films eingeht.    

The Believer ist eine intensive gespielte Charakterstudie eines von Hass zerfressenen jungen Mannes, der sich immer mehr in seinen schwankenden Gedankenmodellen verrennt. Eine darstellerisch bravouröse Leistung des noch sehr jungen Ryan Gosling, dem es hier gelingt, seine facettenreiche Figur in ihren Zweifeln und Vorurteilen menschlich zu gestalten und so ein klassisches Gut/Böse-Schema virtuos unterläuft. Ein sehens- und empfehlenswerter Film für Leute, die gerne mitdenken und sich auch über den Nachspann hinaus noch mit der Thematik auseinandersetzen möchten.  

Christian Funke