The Darkest Day - Story of a Tragedy  (StörKanal/ I-On New Media)

The Darkest Day – Story of a Tragedy (StörKanal/ I-On New Media)

Ein Amoklauf ist für die Betroffenen eines der schlimmsten, vorstellbaren Erlebnisse, welches ein Leben dauerhaft verändern wird. Als im Jahr 1999 zwei Schüle an der Columbine High in Littleton wahllos Schüler und Lehrer erschossen, schockierte das die Welt und veränderte die Sicht auf das Leben junger Menschen an einer Schule grundlegend. Filmemacher Andrew Robinson war zum Zeitpunkt des Amoklaufs selber Schüler an der Columbine High, und verarbeitet seine realen Erlebnisse in einer fiktiven Abhandlung zu diesem Thema in seinem hier vorliegenden Film The Darkest Day – Story of a Tragedy.

Seine Geschichte spielt an der Jefferson High, und ihm gelingt es, seine Botschaft in einem Film zu inszenieren, der nicht ein einziges Mal den Täter bewusst ins Bild rückt. Einzig über geschickt gesetzte Kamerafahrten und Schussgeräusche gelingt ihm ein bedrückender und emotional aufwühlender Blick auf das Geschehen aus der Sicht der Schüler.
Leider ist die Rahmengeschichte um eine unerfüllte Liebe etwas zu seicht im Zusammenhang mit den wesentlich intensiveren Aspekten der Geschichte, die hier wiederum dann nur in Nebenhandlungen angeschnitten werden. Hier wäre der Fokus auf diese Schicksale aus meiner Sicht wesentlich spannender gewesen. Somit ist The Darkest Day – Story of a Tragedy ein Film, dem nach einem unglaublich starken Einstieg zur Mitte hin etwas die Puste ausgeht, und das Potential, welches er zu Beginn selber reinbrachte, ein wenig verschenkt.

Die Neuauflage von April Showers (so der Originaltitel), der Mitte dieses Jahres zuerst bei Splendid Film unter dem Titel „Amok – Columbine School Massacre“ veröffentlicht wurde, erscheint nun als qualitativ gute Blu-ray unter dem wesentlich subtileren aber dadurch passenderen Titel The Darkest Day – Story of a Tragedy bei dem für anspruchsvolle und tiefer gehende Filme bekannten Label StörKanal.

The Darkest Day – Story of a Tragedy ist eine emotional aufwühlende und intensive Betrachtung des Columbine-Amoklaufs. Regisseur Andrew Robinson selbst war damals als 17 jähriger persönlich anwesend und überlebte, so dass man merkt, wie sehr es ihm bei seiner filmischen Auseinandersetzung weniger um die Tat selber, als viel mehr um die Gefühle der Opfer und den Schmerz der Hinterbliebenen ging. Um den Angehörigen jedoch nicht zu nahe zu treten, wählte er für seinen Film, wie eingangs erwähnt, die fiktive Schule Jefferson High, und änderte einige Aspekte des Amoklaufs um.

Zu Recht war der Film in der Official Selection auf vielen Festivals (Toronto, San Francisco, Nashville, usw.), da es dem Film gelingt, den Zuschauer zu fesseln, und ihn dazu zu bringt, sich mit der Thematik eingehend auseinanderzusetzen. Der Verzicht auf plakativ auf brutale Schauwerte, sondern der sensible und einfühlsame Umgang mit der Geschichte machen The Darkest Day – Story of a Tragedy, trotz der genannten Mankos, zu einem intensiven und ergreifenden Film.

Christian Funke-Smolka