The Divide - Die Hölle, das sind die Anderen (Universum Film)

The Divide – Die Hölle, das sind die Anderen (Universum Film)

Der französische Regisseur Xavier Gens bewies durch seine bisherigen Filme Frontiére(s) und die Spieleverfilmung Hitman, dass er wenig zimperlich ist. Drum war man als Genrefan auf sein neustes Projekt namens The Divide gespannt. Was ihm hier jedoch gelang, übertraf meine Erwartungen um Längen. Selten habe ich mich bei der Betrachtung eines Filmes so dreckig und unangenehm berührt gefühlt, wie hier.

Zu Beginn wird man Zeuge, wie Atombomben auf eine Stadt niederregnen. In chaotischer Hektik flüchten die Menschen in alle möglichen Ecken und Räume, um sich vor der Katastrophe zu retten. Eine Gruppe von Menschen flüchten in den Keller eines Hochhauses. Hier treffen wir auf Personen wie den Hausmeister Mickey (Michael Biehn in einer seiner besten Rollen) oder Eva (Lauren German), die sich als willkürlich zusammengewürfelte Gruppe arrangieren müssen, um in der Isolation zu überleben.
Doch schnell bilden sich Fraktionen, die erst unterschiedliche Meinungen haben, später jedoch komplett verschiedene Wertevorstellungen verkörpern. Moralfragen werden erst gestellt, später verworfen, denn welche Instanz würde in dieser apokalyptischen Situation richten? Die Situation eskaliert für alle Beteiligten zusehends.

Ein Film wie The Divide steht und fällt mit seinen Darstellern. Hier jedoch haben wir das unglaubliche Glück, einer Gruppe von talentierten und charismatischen Schauspielern zuschauen zu können, wie sie zum Teil die besten Leistungen ihrer langen Karriere abliefern. Ob dies Rosanna Arquette (Pulp Fiction) ist, die in ihrer drastisch-tragischen Rolle unglaublichen Mut beweist, oder Heroes – Held Milo Ventimiglia, der menschliche Abgründe aufzeigt, die man in dieser Form nur selten in einem Film zu sehen bekommt.
Gnadenlos filmt die Kamera dabei den Verfall jeglicher Moral und sozialer Normen, und zeigt schonungslos, zu was Menschen in der Lage sind, wenn man ihnen jegliche Konsequenzen oder Perspektiven nimmt.
Eigentlich simpel gedreht mit einer minimalen Kulisse entwickelt der Film dank einer hervorragenden Kameraarbeit und einem hypnotischen Soundtrack eine unglaubliche Wirkung auf den Zuschauer, denn trotz des Mangels an Tempo wird man zusehends in den Sog der Geschichte gezogen.

Die Blu-ray aus dem Hause Universum Film basiert auf der Rated-Version von The Divide, die Unrated- Fassung geht einige Minuten länger, bietet aber bis auf eine sehr eindringliche und wirklich bedrückende Sexszene nur „Füllmaterial“ in Form von erweiterten Dialogszenen oder alternativen Einstellungen.
Bild und Ton der vorliegenden Blu-ray sind auf einem sehr guten Niveau, im Bonusbereich findet man zusätzlich noch ein informatives, 23 Minuten langes Behind the scenes-Feature, welches Interviews und Szenen vom Dreh beinhaltet, dazu gibt es dann noch einen Trailer und eine Programmshow.

The Divide ist ein ganz auf seine Charaktere fokussiertes Endzeitdrama, welches zeigt, dass der wahre Horror im zwischenmenschlichen Kontakt liegen kann. Dabei ist der Film weniger ein Horrorfilm mit drastischen Effekten, sondern eine eindringliche und unglaublich intensiv inszenierte und gespielte Charakterstudie einiger Menschen in einer Extremsituation unter beengten Bedingungen. So was gab es thematisch schon vorher in anderen Filmen, aber selten hat man es so intensiv und unangenehm präsentiert bekommen, wie in diesem Beitrag. Ein Film für Menschen, die sich nicht scheuen, schwierige und nachdenklich stimmende Geschichten anzuschauen. Drastisch, hart, und unglaublich faszinierend!

Christian Funke-Smolka