“The Handmaid’s Tale – Die Geschichte der Dienerin” (justbridge entertainment GmbH)

“The Handmaid’s Tale – Die Geschichte der Dienerin” (justbridge entertainment GmbH)

Regie: Volker Schlöndorff

Darsteller: Natasha Richardson, Faye Dunaway, Robert Duvall, Aidan Quinn, Victoria Tennant, u.a.

Kate lebt in einem fernen Land, vormals den USA, dass nach den Gesetzen des Alten Testaments regiert wird. Die wenigen Frauen, die noch Kinder bekommen können, nennt man Dienerinnen und teilt sie den Familien der Herrschenden zu. Kate war selbst Mutter. Jetzt soll sie nicht nur den sehnlichen Wunsch ihrer Herrin nach einem Kind erfüllen, sondern auch das verbotene Verlangen ihres Kommandanten. Doch Kate unterwirft sich nur scheinbar. Gefangen im Netz ihrer heimlichen Beziehungen schwebt Kate in Lebensgefahr. Jeder kann sie verraten.

© justbridge  entertainment  GmbH

Meinung zur Veröffentlichung:

Als Rahel sah, dass sie Jakob kein Kind gebar, beneidete sie ihre Schwester und sprach zu Jakob:

„Schaffe mir Kinder, wenn nicht, so sterbe ich.“

Jakob aber wurde zornig auf Rahel und sprach:

„Bin ich doch nicht Gott, der dir deines Leibes Frucht nicht geben will.“

Sie aber sprach:

„Siehe, da ist meine Magd Bilha, geh zu ihr, dass sie auf meinem Schoß gebäre und ich doch durch sie zu Kindern komme.“

(1. Moses 30, Vers 1-3)

Bibelübersetzung Martin Luthers, in der revidierten Fassung von Oktober 2016

Wir befinden uns in einer düsteren Zukunft wo die Republik Gilead aus den zerfallenen Vereinigten Staaten von Amerika hervorgegangen ist. Da die Fruchtbarkeit der Menschen aufgrund der Umweltkatastrophen und einem ungesunden Lebenswandel drastisch zurückgegangen ist, hat das nach alttestamentarischen Prinzipien regierende Regime per Gesetz beschlossen, dass fruchtbare Frauen als Gebärerin, den sogenannten Mägden oder Dienerinnen wohlhabenden, aber kinderlosen Paaren zugeteilt werden, wo sie anstelle der Ehefrau vom Ehemann geschwängert werden. Kate (Natasha Richardson) ist eine dieser Dienerinnen, die Kommandant Fred (Robert Duvall) und seiner Frau Serena Joy (Faye Dunaway) zugeteilt wird…

„Don’t let the bastards grind you down!“

Im Jahr 1985 veröffentlichte die mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete kanadische Schriftstellerin und Dichterin Margaret Eleanor Atwood ihren dystopischen Roman Der Report der Magd. Nicht erst in der aktuell sehr erfolgreichen und hervorragend umgesetzten TV-Serie widmete man sich diesem düsteren Roman, sondern bereits im Jahr 1990 versuchte sich Volker Schlöndorff (Die Blechtrommel) an einer Adaption. Es war nach Ein Aufstand alter Männer ein weiterer Versuch des Regisseurs, auf dem US-amerikanischen Filmmarkt Fuß zu fassen.

Mit Natasha Richardson (Gothic, Nell) in der Hauptrolle als Offred, Faye Dunaway (Chinatown, Bonnie and Clyde) als Serena Joy, Robert Duvall (Bullitt, Der Pate, Apocalypse Now) als   Kommandant Fred und Aidan Quinn (Benny & Joon, Mission) als Nick äußerst prominent besetzt, konnte man zudem noch den Literaturnobelpreisträger Harold Pinter für das Drehbuch (welches jedoch von Schlöndorff anschließend massiv umgeschrieben wurde) und Ryūichi Sakamoto (The Revenant – Der Rückkehrer, Der letzte Kaiser) für die musikalische Untermalung gewinnen.

Der Roman Der Report der Magd ist spekulative Fiktion, eine scharf und analytisch beobachtete Dystopie mit Diskussionsbedarf. Volker Schlöndorff jedoch wollte einen eher geradlinigen Thriller und straffte Pinters Drehbuchentwurf diesbezüglich. Dass er zudem für den US-amerikanischen Markt als Erotikthriller mit futuristischen Elementen vermarktet wurde, gab ihm an der Kasse den Rest. Natürlich kann man die frühere Filmadaption nicht mit der derzeitigen Serienumsetzung vergleichen, bieten sowohl die modernen Möglichkeiten der Umsetzung, die veränderten Sehgewohnheiten und der epischere Erzählrahmen einer TV-Serie andere Möglichkeiten, als eine Kinoverfilmung. So wirkt Schlöndorffs Version sehr gestrafft, auf inhaltlich wesentliche Eckpunkte beschränkt und dadurch etwas schwer zugänglich. Die Charakterzeichnungen sind eher minimalistisch und bieten gerade so viel Tiefe, um die Geschichte voranzutreiben. The Handmaid’s Tale – Die Geschichte der Dienerin ist ein dystopische Science Fiktion-Film, der optisch jedoch deutlich in den 1990er Jahren verankert ist, auch wenn er inhaltlich in einer gänzlich anderen Zeit spielt. Trotz der inhaltlichen Straffung wirkt der Film dabei statisch und wenig dynamisch. Wer sich mit der Thematik auseinandersetzen möchte, sollte besser im Vorfeld das Buch gelesen haben, um dem manchmal etwas zu oberflächlich konzipierten, aber nichtsdestotrotz gut gespielten Film folgen zu können.      

© Trailer: Shout! Factory

The Handmaid’s Tale – Die Geschichte der Dienerin (Originaltitel: The Handmaid’s Tale, Deutschland/USA 1990) erscheint bei justbridge entertainment GmbH als deutsche Blu-ray-Premiere im ansprechend gestalteten Mediabook, welches den Film auf der eben erwähnten Blu-ray und zudem auf DVD beinhaltet. Gut aufbereitet, können Bild (1,85:1/1080p24) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 5.1; Englisch: Dolby Digital 2.0) der von mir getesteten Blu-ray auf einem soliden Niveau überzeugen. Im Bonusbereich befindet sich lediglich der Originaltrailer, abgerundet wird diese Veröffentlichung durch ein gut gestaltetes und äußerst informatives 20-seitiegs Booklet, welches neben zahlreichen Filmbildern ein interessantes Essay von Christoph N. Kellerbach beinhaltet, in welchem über die Autorin und ihr Werk und die ersten Verfilmungsversuche (mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle, die ironischerweise jedoch wegen ihrer Schwangerschaft absagen musste) berichtet, die Darsteller vorstellt, den Vergleich zwischen der Buchvorlage und dem Film zieht und die Veröffentlichung und ihre eher ungünstige Vermarktung als Erotik-Thriller in den USA näher beleuchtet.

Ein Vergleich zwischen der Serie und dem Film wäre nicht fair, trotzdem ist es gut, dass die preisgekrönte Serie einen den Film neu entdecken lässt. Wer den Roman kennt, sollte sich diese frühe Adaption anschauen, da sie trotz der Straffungen und inhaltlichen Anpassungen eine nicht uninteressante, gut gespielte Annäherung an den auch heute noch provokativen Roman darstellt.

Christian Funke