The Informers

The Informers

The Informers
(universum film)

Der Autor Bret Easton Ellis polarisiert…. Die einen finden seine teils drastische und zynische Sicht auf seine Umwelt menschenverachtend, die anderen empfinden genau das als Kult und einen moralischen Spiegel für die Gesellschaft. Einige seiner Bücher, wie zum Beispiel American Psycho oder Unter Null, wurden schon mehr oder weniger erfolgreich verfilmt. Hier nun liegt The Informers vor, basierend auf einem vom Autor verfassten Drehbuch nach seinen Kurzgeschichten.
Die Handlung spielt im Jahr 1983 in der Stadt der Engel, Los Angeles, und spiegelt wie so oft in seinen Geschichten das oberflächlich tolle Leben der Reichen und Schönen.
Der Film The Informers macht es dem Zuschauer nicht leicht. Die Geschichte ist ein weit fächerndes Geflecht aus verschiedenen Charakteren, die alle irgendwann im Laufe der Geschichte ihre Schnittstellen und Berührungspunkte haben. Im Zentrum dieses kleinen Universums steht der junge man Graham (Jon Foster) der mit seiner Freundin Christie (die aus meiner Sicht tragischste Figur des Filmes: Amber Heard, Drive Angry, All the Boys love Mandy Lane) eigentlich eine innige und intensive Beziehung zu führen versucht, jedoch immer wieder an seinem Alltag aus Drogenverkäufen und Bettgeschichten scheitert. Dazu bekommt er den Stress seiner Eltern mit (Billy Bob Thornton –Faster, A simple Plan- und Kim Basinger- L.A. Confidental, 91/2 Wochen), welche versuchen, ihre in Scherben liegende Ehe zu retten. Sie ist Tablettenabhängig, er pflegt eine zwar eigentlich ruhende, trotzdem immer wieder kurzfristig aktivierte Beziehung zu der jüngeren Cheryl (Winona Ryder).
Dazu erscheinen noch der Portier Jack (Brad Renfro, Sleepers, Bully, in seiner letzten Rolle), der von einer Filmkarriere träumt, jedoch durch seinen plötzlich auf der Bildfläche erscheinenden kriminellen Onkel Peter (grandios in seiner Rolle als schmieriger und skrupelloser Lieferant eines Kinderschänderringes: Mickey Rourke, Sin City, 91/2 Wochen) in einen moralischen Zwiespalt gebracht wird, und viele andere mehr.
Dies ist nur ein Bruchteil der Handlungsstränge und Personen, die im Laufe des knapp 100 Minuten langen Filmes auftauchen. Das man als Zuschauer nicht den Überblick in diesem Sumpf aus Drogen, Sexeskapaden und Missbrauch verliert, ist eindeutig Verdienst des Regisseurs Gregor Jordan (Unthinkable, Two Hands). Dieser überarbeitete das ehemals extrem ausschweifende Drehbuch des Autoren, und kürzte es auf eine überschaubarere Anzahl an Plots zusammen. Hier allerdings liegt auch streckenweise das Problem des Filmes, denn oftmals hat man als Zuschauer das Gefühl, das bestimmte relevante Stellen der Geschichte fehlen. Allerdings muss man betonen, das es in diesem Film weniger um die Einzelperson als mehr um ein Gefühl der 80er, bestehend aus Suche nach Liebe, Geld, Macht oder der seelisch und geistigen Leere und Einsamkeit geht.
Dies wird zudem betont durch eine sehr detailgetreue und liebevoll ausstaffierte Umgebung, wo man akribisch auf entsprechendes Dekor, Kleidung oder den passenden Soundtrack (unter anderem Simple Minds, Pat Benatar, Gary Numan) achtete. Stilistisch wurde der Film mit einem Hang zu unterkühlten und steril wirkenden Bildern gedreht, die die Emotionen der Protagonisten visuell darstellt.
Auf die Darsteller muss man an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Ein Ensemble mit solch hochrangigen Namen findet man selten in einem Film vereint, und alle spielen, als sei der Teufel hinter ihrer Seele her.
Die Blu Ray aus dem Hause Universum film liefert aus technischer Sicht ein grandios scharfes Bild und einen vollen, hervorragend ausbalancierten Sound. Leider ist das Bonusmaterial nur ein Trailer und eine Programmschau, hier wäre etwas mehr besser gewesen, denn die Geschichte rund um die Arbeit am Script und die Dreharbeiten wäre sehr interessant gewesen (kürzte man doch sehr viele Stellen, sogar ganze Einzelgeschichten, aus dem Drehbuch heraus. In der ersten Fassung tauchen zum Beispiel noch dekadente Vampire auf).
The Informers ist ein intensiver, verstörender Film mit einem unglaublichen Cast, der sich nicht am Massengeschmack orientiert, da er sich vielen konventionellen Erzählstrukturen verweigert. Trotzdem ist das Drama eine gelungene, atmosphärisch dichte Adaption einer eigenwilligen und sperrigen Vorlage geworden.

CFS