“The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot” (Capelight Pictures)

“The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot” (Capelight Pictures)

Regie: Robert D. Krzykowski

Darsteller: Sam Elliott, Ron Livingston, Caitlin Fitzgerald, Larry Miller, u.a.

Calvin Barr (Sam Elliott) ist ein Held. Doch das sieht man dem unscheinbaren, älteren Herrn, wenn er in seiner Stammkneipe vor einem Glas Whisky sitzt, nicht an. Seine Heldentat unterliegt strengster Geheimhaltung: Nur wenige wissen, wozu er imstande ist, und dass er es gewesen ist, der im Zweiten Weltkrieg Adolf Hitler getötet hat. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen. Barr führt ein unaufgeregtes Leben und hat es am liebsten, wenn man ihn in Ruhe lässt. Doch eines Tages klopfen das FBI und die kanadische Bundespolizei an die Tür des Kriegsveteranen, um ihn für eine Mission zu rekrutieren, für die nur er infrage kommt: Er soll in den nordamerikanischen Wäldern den sagenumwobenen Bigfoot töten.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

AN AMERICAN MYTH

Irgendwann in den späten 1980ern: Calvin Barr (Sam Elliott) ist ein alter Mann, der seinen letzten Lebensabschnitt gemeinsam mit seinem Hund in friedlicher Abgeschiedenheit und bei einem Whiskey in seiner Lieblingsbar verbringen möchte. Doch die Erinnerungen an seine ereignisreiche Vergangenheit sind immer noch frisch und so erstaunt es nicht, dass eines Tages das FBI an ihn herantritt, um seine speziellen Fähigkeiten, die auch im hohen Alter noch nicht gänzlich eingerostet sind, zu nutzen. So macht sich Calvin auf, um eine letzte Mission zu erfüllen…

Wenn jemand nach nur einem Kurzfilm (okay, der ist allerdings tatsächlich sehr beeindruckend in seiner Machart) für seinen ersten Spielfilm direkt Unterstützung von Sam Elliott (The Big Lebowski), Ron Livingston (The Conjuring), Spezialeffekt-Guru Douglas Trumbull (2001, Blade Runner), Filmemacher Lucky McKee (Masters of Horror) und Filmmusiker Joe Kramer (Mission Impossible, Jack Reacher) bekommt, wird man als Filmfan hellhörig. Zurecht, denn was Regisseur und Drehbuchautor Robert D. Krzykowski hier mit The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot präsentiert, ist wahrlich ungewöhnlich. Insgesamt zwölf Jahre werkelte Krzykowski an seinem Debüt, sammelte durch die Produktion anderer Filme Erfahrung und verfeinerte seine eigene Arbeit dadurch. Als Fan der großen Charakterfilme des unabhängigen Kinos der 1970er Jahre, versuchte er mit einem extravaganten Titel die Aufmerksamkeit zu bekommen, um dann eine völlig andere Art Film zu präsentieren. Denn auch wenn es der Film suggeriert, haben wir es hier nicht mit einem trashigen Expoitation-B-Movie zu tun, sondern einer wunderschön in Szene gesetzten, bildgewaltigen Charakterstudie, die von ihrer latent melancholischen Stimmung lebt. The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot ist dahingehend außergewöhnlich, da er die im Film vorkommenden Themen ernsthaft behandelt und nicht der Lächerlichkeit preisgibt. Dabei nimmt er auch seine Charaktere ernst, ohne sie zu überhöhen, was dazu führt, dass sein Film trotz seiner eher ungewöhnlichen Thematik ein zutiefst menschlicher, warmherziger Film geworden ist.

The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot (Originaltitel: The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot, USA 2018) erscheint bei Capelight Pictures als DVD, Blu-ray, Video on Demand und als wie immer ansprechend gestaltete 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook mit Blu-ray, DVD und 4K Ultra HD. Bild (2,39:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) der von mir getesteten Blu-ray waren auf dem erwartet hohen Niveau, im Bonusbereich befanden sich ein Audiokommentar vom Regisseur, ein knapp 40 Minuten langes Behind-the-Scenes-Special, sechs entfallene Szenen, ein sechsminütiges Interview mit Komponist Joe Kramer und der innovativ in Szene gesetzte schwarz-weiße Noir-Horror-Puppen-Kurzfilm Elsie Hooper. Abgerundet wird diese gelungene Veröffentlichung mit einem 24 Seiten starken, reich bebilderten Booklet, in welchem Deadline-Autor Leonhard Elias ein Interview mit Robert D. Krzykowskiführt.

Mit The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot gelingt Regisseur und Drehbuchautor Robert D. Krzykowski ein beeindruckendes Debüt. Ein Film, der sich, komplett anders als erwartet, als hervorragende, sehr emotionale Charakterstudie entpuppt, die sich intensiv und trotzdem durchgehend unterhaltsam mit dem Verlust, vergangenen genutzten und nicht genutzten Chancen und dem Wert des Lebens und Miteinander auseinandersetzt. Grandios und unbedingt sehenswert!

Christian Funke