The Other F Word (Arthaus)

The Other F Word (Arthaus)

Spannende Dokumentation über Punkrock – Stars und ihre Rollen als Familienväter

• Gibt intime Einblicke in das Privatleben von Musikern wie Jim Lindberg (PENNYWISE), Mark Hoppus (BLINK-182), Flea (RED HOT CHILI PEPPERS), Tim McIlrath (RISE AGAINST), Fat Mike (NOFX) u.v.a.

• Produziert von Morgan Spurlock („,,Super Size Me“)

Windeln statt Widerstand: Was passiert, wenn Punk-Rocker zu Familienvätern werden? Der aufschlussreiche und witzige Dokumentarfilm begleitet bekannte Punkrock-Veteranen bei ihrem schwierigen Spagat zwischen Tourbus und Familienleben und zeigt, wie die einstigen Verfechter totaler Anti-Autorität damit klarkommen, wenn plötzlich Verantwortung auf dem Plan steht …

Meinung zum Film:

91MybBFJtlL._AA1500_Ich komme aus einer Generation, wo man sich, um die Eltern zu schockieren beziehungsweise wachzurütteln, laute Musik hörte, Löcher in die Hosen riss und „No Future“ auf das Shirt sprühte. Mit solch einem Motto vor der Brust denkt man erst mal nicht über die Zukunft nach! Was aber passiert, wenn man plötzlich in eine neue, völlig ungewohnte Rolle schlüpft, nämlich die der Vaterrolle? Plötzlich hat man Verantwortung nicht nur für sein eigenes Handeln, sondern muss diese auch für das eigene Kind übernehmen. Lässt sich das mit dem Lebensgefühl „Punk“ vereinen? Dieser Frage geht Dokumentarfilmerin Andrea Blaugrund Nevins in ihrem Film The Other F Word nach und befragt Musiker und berühmte Skater, die zwar nicht alle Punks sind oder waren, aber nichts desto Trotz interessante und intime Einblicke in ihre Privatsphäre zulassen. Hier liegt auch der eigentliche Reiz dieser Dokumentation, denn sind wir mal ehrlich: ein Kind aufzuziehen muss nicht bedeuten, seine Ideale zu verraten. Viele positive Aspekte dieser Lebenseinstellung lassen sich in der einen oder anderen Form in die Erziehung einbringen und damit ein auch für das Kind gutes Umfeld aufbauen. Dies aber scheint die Regisseurin nur am Rande betrachten zu wollen, da sie ihren Fokus an vielen Stellen einzig auf den Punkt des Tour-Lebens mit Drogen und Alkohol richtet. Wenn man Punk nun aber nur so zu definieren weiß, dann ist die Antwort eigentlich ziemlich eindeutig.

Erfreulicherweise lassen sich die meisten der Befragten nicht in diese Ecke stellen, sondern berichten humorvoll, mit viel Selbstironie aber auch unglaublich intensiv über ihr Leben. Man 71MmSup0xDL._AA1500_erfährt, dass Jim Lindberg Pennywise verließ um mehr Zeit mit seinen Töchtern verbringen zu können, oder warum es keine gute Idee war, sich mit besoffenem Kopf ein Gesichts-Tattoo stechen zu lassen. Allerlei witzige und erhellende Momente werden hier von Musikern wie Mark Hoppus (Blink 182), Flea (Red Hot Chili Peppers), Fat Mike (NOFX) oder Ron Ryes (Black Flag) preisgegeben, richtig gut und emotional bewegend wird der Film aber in den Momenten, wenn zum Beispiel Rob Chaos (Total Chaos) oder Tony Adolescent (The Adolescents) erzählen, unter welch schrecklichen Umständen sie heranwuchsen und ihr Beweggrund in den Punk eine Flucht vor dem Elternhaus darstellte. Richtig berührt jedoch hat mich Duane Peters (U.S. Bombs), der offen über den Unfalltod seines Sohnes berichtet. Dieser tragische Schicksalsschlag brachte ihn zurück zur Flasche und trieb ihn beinahe in den Selbstmord.
Genau hier liegt die Stärke von The Other F Word, nämlich in den Momenten, wo jeder der Beteiligten offen und ehrlich über sein Privatleben, über die schönen, die lustigen aber auch die schrecklichen Situationen berichtet.

Die Blu-ray The Other F Word erscheint bei Arthaus in einer technisch sehr guten Veröffentlichung. Die Interviews sind deutsch untertitelt, zudem ist der Bonusbereich sehr gut ausgestattet. Es gibt einen 15 Minuten langen „Frage & Antwort“ – Part, der nach der Filmpremiere aufgenommen wurde, zudem kann man sich einige entfernte Szenen anschauen. Des Weiteren findet man Interviews mit Dr. Drew und Mark Motherbaugh (Devo), so wie zwei Acoustc-Songs von Art Alexis (Everclear) und Tim Mcllrath (Rise Against). Ein Originaltrailer und eine Programmshow runden das Bonuspaket ab.

The Other F Word ist eine interessante und gelungene Dokumentation, die, auch wenn sie das eigentliche Thema etwas vernachlässigt, intensive Einblicke in das Privatleben einiger bekannter Musiker gewährt. Interessant ist der Film natürlich vor Allem für Fans der dort vertretenen Bands, da man hier die Möglichkeit hat, sie mal von einer ganz neuen, auch sehr reizvollen und äußerst sympathischen Seite zu erleben.

Christian Funke-Smolka