The Prisoner - Der Gefangene (Koch Media)

The Prisoner – Der Gefangene (Koch Media)

 

Die britische Serie The Prisoner aus dem Jahr 1967 gilt zu Recht auch heute noch als Klassiker der Serienunterhaltung, gelang es ihr doch, mit surrealen und nicht nur für die damalige Zeit abgedrehten Ideen und Momenten das Seherlebnis nachhaltig zu verändern. Immer noch nennen viele aktuelle Regisseure diese Serie als großes Vorbild (zum Beispiel diente sie J.J. Abrahams als Inspiration für seine Serie Lost). So war es nur eine Frage der Zeit, bis man diesen Klassiker als Remake dem heutigen Publikum in einer modernen Version präsentiert.

The Prisoner (2009) startet direkt mit einem atemberaubenden Einstieg. Wir erleben den Hauptdarsteller (James Caviezel), der in einer unwirtlichen Gegend ohne Erinnerung erwacht, und sich orientierungslos auf den Weg macht. Er trifft auf einen alten, angeschossenen Mann, der, bevor er verstirbt, ihm sagt, er solle 513 aufsuchen. Auf seinem Weg gelangt er in eine kleine Stadt, die auf geheimnisvolle Weise unnormal wirkt. Keiner der Bewohner kann sich vorstellen, die Stadt zu verlassen, sie haben alle statt Namen Nummern, und beherrscht wird das Ganze vom Obersten, der Nummer 2 (Sir Ian McKellen). Unser Protagonist erfährt, dass er die Nummer 6 ist, und versucht sich nun in der für ihn unwirklichen Umgebung zurechtzufinden. Immer wieder jedoch hat er Visionen und Erinnerungsblitze einer anderen Welt. Was ist Schein, was ist Wirklichkeit. Wie bekämpft man einen totalitären Machtapparat, wenn die Gedanken der Mitmenschen unter der totalen Kontrolle des Obersten stehen, teils aus Angst, teils aus absoluter Überzeugung.
The Prisoner stellt Fragen und kratzt an Wahrheiten, wie es in dieser stilsicheren Form nur selten Serien schaffen.

Eines wird direkt zu Beginn deutlich: es handelt sich bei der Neuauflage von Regisseur Nick Hurran (It’s A Boy Girl Thing) nicht um ein 1:1 Remake, sondern das Original diente lediglich als Idee, die Geschichte wurde modernisiert, viele surreale Momente rausgenommen andere neu kreiert und der Plot auf 6 Episoden gestrafft. Dies wurde aber auf hervorragende Weise gemacht. Die Bilder sind atemberaubend, das Tempo rasant, der Soundtrack passt wie die Faust aufs Auge, und mit den Hauptdarstellern James Caviezel und Sir „Gandalf“ Ian McKellen hat man einen echten Glücksgriff getan! Man merkt deutlich die respektvolle Verbeugung vor dem Original, da zwischendurch immer wieder, für den Kenner der alten Serie erkennbar, einige Requisiten des Originals auftauchen, die teilweise in die Handlung einbezogen werden, teilweise aber auch als kurze Erscheinung am Bildrand auftauchen.

Koch Media veröffentlicht die Miniserie The Prisoner als Blu-ray in einem sehr schön aufgemachten Schuber, wobei die Episoden auf drei Discs verteilt sind. Bild und Ton liegen in einer hervorragenden Qualität vor, die die gesamte Atmosphäre der Serie, welche hier ja extrem über Bild- und Tongestaltung funktioniert, beeindruckend darstellt.
Vollends überzeugt hat mich dann das reichhaltige Bonusmaterial, welches neben geschnittene Szenen (hier liegen satte 41Minuten an zusätzlichen Szenen vor), ein Making of, einem dreißig Minuten langen Feature namens Die Welt des Prisoners , Bildern von der Comic Con Panel, Interviews und einige Regiebesprechung zeigt, und insgesamt über zwei Stunden zusätzliche Informationen liefert.

Wer genug von Serien-Fast Food hat, sondern sich auf anspruchsvolle, intelligente, verwirrende und fordernde Unterhaltung einlassen kann, der ist bei der Neuinterpretation von The Prisoner gut aufgehoben! Hier lohnt es, sich die Serie ruhig zweimal oder mehr anzuschauen, da sie einem immer neue Ansätze und Interpretationsmöglichkeiten liefert! So muss intelligentes Fernsehen sein!!

Christian Funke-Smolka