“The (Silent) War - Der Gejagte” (Koch Films)

“The (Silent) War – Der Gejagte” (Koch Films)

Mit: Asier Etxeandia, Marian Álvarez, Hugo Silva u.a.

Regie: Alfonso Cortés-Cavanillas

Frankreich, 1944: Den Alliierten ist es im Verbund mit der Resistance gelungen, die Besetzung des Landes durch Nazideutschland zu beenden. Angespornt durch diesen Triumph kehrt eine spanische Guerillaeinheit in die Heimat zurück, um dem Franco-Regime ein ähnliches Schicksal zu bereiten. Die missglückte Sprengung einer Brücke überleben jedoch nur zwei von ihnen: Während Vicente in Gefangenschaft gerät, gelingt dem durch die Explosion taub gewordenen Anselmo die Flucht. In einer stillen Welt wird er zum Gejagten, dem die gegnerische Seite einen gewalttätigen Kapitän und einen Scharfschützen aus Russland auf den Hals hetzt…

Die Stille ist sein größter Feind in diesem atemberaubenden Action- und Weltkriegs-Thriller, der auf einem spanischen Kult-Comic basiert. Fans von Regisseuren wie Quentin Tarantino, Clint Eastwood und Sergio Leone werden ihre Freude haben an dieser visuell herausragend inszenierten Genre-Perle.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Der Mensch ist die größte Bestie!

Eine spanische Guerillaeinheit sprengt eine Brücke, doch der Anschlag misslingt und nur zwei von ihnen überleben die Explosion. Einer von ihnen ist Anselmo Rojas (Asier Etxeandia, Leid und Herrlichkeit), der dabei sein Gehör verloren hat. Ungünstig, da er nun von den gnadenlosen Jägern des Franco-Regimes gejagt wird und nur schwer abschätzen kann, wer Feind oder Freund ist. Eine gnadenlose Hetzjagd, bei der sich der massiv eingeschränkte Anselmo völlig auf seine Reflexe, seinen Instinkt und seine anderen Sinnesorgane verlassen muss…

Der mir bis dato unbekannte spanische Drehbuchautor und Regisseur Alfonso Cortés-Cavanillas (Los días no vividos) adaptiert mit The (Silent) War – Der Gejagte die Graphic Novel von David Muñoz und Rayco Pulido, die sich inhaltlich wiederum an For Whom the Bell Tolls von Ernest Hemingway orientiert. Dabei gelingt es dem Filmemacher, den zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielenden Thriller den Stil eines klassischen Westerns zu geben und gleichzeitig mit seiner Inszenierung und Bildsprache der Graphic Novel zu huldigen. So erleben wir Shoot-outs, die plötzlich in Zeitlupe widergegeben werden oder bei denen für sekundenbruchteile das Bild einfriert. Das Actionkino eines Zack Snyder bedient sich der Vorgaben des Italo-Westerns und den stilistischen Einflüssen eines Sam Peckinpah. The (Silent) War – Der Gejagte ist dabei eine nicht zu leugnende Comicverfilmung, die von einigen herzhaft überzogenen Charakteren bevölkert ist. Doch genau dies macht in Verbindung mit der sehr stilsicheren, auch in ihrem Soundgewand überzeugenden Inszenierung den Reiz aus und lässt über die ein oder andere erzählerische Schwäche hinwegsehen. So haben wir hier einen darstellerisch überzeugenden, speziell durch die akustische Wiedergabe der Gehörlosigkeit andersartigen Weltkriegs-Western, den man sich als Genrefan unbedingt anschauen sollte.

The (Silent) War – Der Gejagte (Originaltitel: Sordo, Spanien 2019) erscheint bei Koch Films auf DVD, Blu-ray und digital. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die sich in Bild (2.35:1/16:9) und Ton (Deutsch & Spanisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf einem qualitativ sehr guten Niveau befand. Im Bonusbereich befand sich neben dem Trailer ein vierteiliges Featurette, welches die Entwicklung vom Storyboard zum fertigen Film beleuchtete.

Mit The (Silent) War – Der Gejagte präsentiert Alfonso Cortés-Cavanillas einen sehr stilsicher in Szene gesetzten Film, der wirkt, als hätten sich Zack Snyder und Sam Peckinpah zusammengetan, um gemeinsam einen Western zu inszenieren. Eine interessante Grundstory, gnadenlose, teils sehr explizit dargestellte Härte, gute Darsteller und eine tolle Bildgestaltung machen aus The (Silent) War – Der Gejagte einen sehenswerten Genreneuzugang!

Christian Funke