The Tall Man - Angst hat viele Gesichter (Universum© Film)

The Tall Man – Angst hat viele Gesichter (Universum© Film)

91SpetMv3qL._SL1500_In der abgelegenen Bergarbeiterstadt Cold Rock, die ihre besten Zeiten längst hinter sich gelassen hat, führt die Krankenschwester Julia (Jessica Biel) mit ihrem kleinen Sohn David ein ruhiges und zufriedenes Leben. Als jedoch nach und nach immer mehr Kinder aus der Stadt verschwinden, wird der Frieden der Kleinstadt rapide erschüttert. Die Einwohner vermuten, dass ein mysteriöses Wesen, von allen „The Tall Man“ genannt, dahinter steckt. Als eines Nachts auch David verschwindet, heftet sich Julia an die Fersen des „Tall Man“ und gerät in einen schrecklichen Albtraum…

Nichts ist so, wie es scheint…… In THE TALL MAN erzählt, der im Horror-Genre bekanntgewordene, französische Regisseur und Drehbuchautor Pascal Laugier die mysteriöse Geschichte des kleinen Ortes Cold Rock aus dem nach und nach immer mehr Kinder spurlos verschwinden – entführt von „The Tall Man“. Für den Cast konnte Laugier die bekannte US-Schauspielerin Jessica Biel („Hitchcock“, „Total Recall“) gewinnen, die in ihrer bislang düstersten Hauptrolle als authentische Mutter, der jedes Mittel recht ist, um für ihre Überzeugung zu kämpfen, brilliert.

Herausgekommen ist ein dramatischer Thriller, der seine Zuschauer bis zum Schluss fordert und in Atem hält. THE TALL MAN war 2012 im Programm des Fantasy-Filmfests und begeisterte schon dort das Publikum. Ab Mitte Mai erscheint die Home Entertainment Premiere in Deutschland und Österreich.

Meinung zum Film:

Der französische Filmemacher Pascal Laugier hat einen schweren Stand! Schuf er direkt mit seinem zweiten Spielfilm Martyrs einen Meilenstein des Genres, der bewies, dass er einen sowohl kompromisslosen als auch intelligenten Film drehen kann, der sich sämtlichen Genreschubladen verweigert, aber jeden Zuschauer dank der gezeigten Schonungslosigkeit sprachlos zurücklässt. Doch wie sollte es für den ehemaligen Kameraassistenten von Christopher Gans (Laugier war massiv an den Dreharbeiten von „Pakt der Wölfe“ beteiligte und inszenierte zudem auch das lange Making of) nach solch einem bahnbrechenden Film weitergehen? Martyrs war in punkto Gewalt und Drastik nicht mehr zu toppen, somit mussten andere Wege gegangen werden. Hier ein geeignetes Drehbuch zu finden, dauerte dann entsprechend etwa vier Jahre. Die Fans waren gespannt, handelte es sich doch gleichzeitig um seinen ersten mit amerikanischen Mitteln finanzierten Film, ein Umstand, der schon so manchem vielversprechenden Regietalent das Genick brach. Nicht so Pascal Laugier!91eIJzlq+rL._SL1500_

Beginnend wie eine Neuauflage von „Jeepers Creepers“ bewegt sich der Regisseur virtuos durch seine Geschichte, spielt mit den Stilelementen und legt inszenatorisch falsche Fährten. Hier sitzt jede Einstellung, jedes Bild ist stimmig. Dabei verlässt er sich auf seine Riege an herausragenden Akteuren, allen voran der grandios agierenden Jessica Biel und der wunderbaren Jodelle Ferland (Silent Hill, Tideland, Case 39). Der für den Genrefreund wohl überraschendste Punkt wird jedoch sein, dass der Regisseur in The Tall Man auf jegliche explizite Gewaltdarstellung verzichtet. Vielmehr bezieht der Film seine Spannung durch die unglaublich intensive und düstere Atmosphäre so wie der inhaltlichen Wendungen, die einen bei jeder neuen Erkenntnis zwingen, das vorhergesehene neu zu überdenken, sich eine neue mögliche Theorie zu kreieren. Das ist spannend und vielschichtig, fordert aber auch die komplette Aufmerksamkeit des Publikums.

Die Blu-ray aus dem Hause Universum© Film präsentiert The Tall Man in einer hervorragenden Bild- und Tonqualität. Gerade in den vielen sehr dunklen Momenten verfügt das Bild über eine bestechende Schärfe und Detailtiefe, der Sound ist jederzeit sehr gut abgemischt und bietet ein räumliches Klangerlebnis. Der Bonussektor bietet neben einem Originaltrailer und einer Programmübersicht noch etwa zwanzig Minuten an informativen Interviews mit den Beteiligten.

The Tall Man ist ein nachdenklich stimmender, sehr wendungsreicher Film, der den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt, spielend leicht die Genres wechselt und somit eine dauerhaft hohe Spannung bietet. Viel wichtiger jedoch ist es, dass das Drehbuch zudem auch noch durchdacht und äußerst intelligent geschrieben wurde, so dass einen die Botschaft der Geschichte auch noch lange nach dem Abspann beschäftigt! Dass diese Wendungen so hervorragend funktionieren ist dabei ein großer Verdienst der beeindruckend agierenden Hauptdarstellerin Jessica Biel, die erneut beweist, was schauspielerisch in ihr steckt! The Tall Man ist ein überraschend großartiger, anspruchsvoller und vielschichtiger Film, der mich völlig unvorbereitet erwischt hat und gerade dadurch total begeisterte.

Feature zum Film:

ACHTUNG TWIST! – Fünf gruselige Filme mit spannenden Story-Wendungen

Regie: Pascal Laugier
Besetzung: Jessica Biel, Jodelle Ferland, William B. Davis, Stephen McHattie

Ab 10. Mai 2013 als DVD, Blu-ray und Video on Demand erhältlich!

81FQhOLh2QL._SL1500_Twists hauen einfach rein! Wenn ein Film direkt in die Magengrube zielt und sein Publikum mal so richtig mitnehmen möchte, dann darf eine unvergessliche Wendung einfach nicht fehlen.
Diesen Ansatz verfolgt auch THE TALL MAN mit Jessica Biel, der am 10. Mai als DVD, Blu-ray, und Video on Demand erscheint. Nach einem Blick auf das Cover erwarten wohl viele ein gradliniges Erlebnis mit Einbahnstraßen-Story. In Wirklichkeit hält die Geschichte aber schon nach kurzer Zeit spannende Wendungen parat, die dem Film einen Platz im Gedächtnis sichern wollen.
Um zu beweisen, wie gut Twists funktionieren können, lassen wir an dieser Stelle fünf der gelungensten Beispiele Revue passieren. Daher ist der Text für Leute mit akuter Spoiler-Angst auch mit Vorsicht zu genießen.

„The Sixth Sense“

Der Titel von M. Night Shyamalans erfolgreichem Film aus dem Jahr 1999 lässt ja schon einiges vermuten. Doch wenn man Bruce Willis als Kinder-Psychologen und Haley Joel Osment als dessen Patient so beobachtet, wird man doch gehörig auf die falsche Fährte gelockt. Der klasse Twist offenbart sich natürlich erst zum Schluss, wenn man sich schlagartig und mit Gänsehaut auf dem Rücken fragt, wer denn nun hier lebt oder ahnungslos zwischen den Welten wandelt.
„Shutter Island“
Das nennt man wohl einen Twist mit Ansage. In „Shutter Island“ hat man von Anfang an das dumpfe Gefühl, dass da irgendwas nicht stimmt. Auf der besagten Insel begleitet man einen von Leonardo DiCaprio gespielten FBI-Agent bei seinen Ermittlungen in einer unheimlichen Psychiatrie. Die Regie übernahm Martin Scorsese und auch wenn er erfahrenen Filmfans die finale Wendung quasi auf dem Silbertablett serviert, macht die bedrohliche Inszenierung den Film bis zum Ende spannend und auf jeden Fall sehenswert.

„The Cabin in the Woods“

Zwar noch ein junger Genre-Film, aber dennoch auf dem besten Weg zum Klassiker. Wenn sich Joss Whedon und Drew Goddard zusammentun, um Chris Hemsworth und Kollegen durch einen verdammt feindseligen Wald zu jagen, ist das schon Grund zur Freude. Doch auch hier liegt die Würze im Twist. Wer würde denn auch ahnen, dass sich hinter all dem Trubel abgebrühte Beamtenseelen durch ihren Arbeitstag wurschteln? Doch keine Sorge: Am Ende wird dann doch noch alles gut, wenn sich der Wahnsinn bahnbricht und die Damen und Herren aus ihrem gemütlichen Alltag reißt.

„Psycho“

Obwohl der Film bereits 53 Jahre auf dem Buckel hat, kann er noch heute gehörig Gänsehaut und Schreckmomente verbreiten – dem Twist sei Dank. In Hitchcocks Klassiker zeigt sich, wie gut es für einen Bösewicht ist, wenn er gekonnt Stimmen nachahmen und sich selbst gut verkleiden kann. Norman Bates kann auf diese Weise einige Jahre seines Lebens wie die sprichwörtliche Spinne im Netz sitzen und friedliebende Motel-Gäste in hilflose und bisweilen sogar leblose Opfer verwandeln.

„Saw”

Was so gut beginnt, muss einfach eine Serie werden. Als der erste Teil von „Saw“ 2004 in die Kinos kam, wurden so einige Zuschauer mal direkt aus den Socken gehauen. Da wird mit allen Mitteln ums Überleben gekämpft, während sich das Böse kaum getarnt und nur auf Armeslänge entfernt direkt neben den Protagonisten befindet. Der Twist am Schluss war seinerzeit so unglaublich brutal und furchteinflößend, dass sich einem entweder der Magen umdrehte oder man sofort zum Fan von Regisseur James Wan werden musste.

Diese fünf Filme sind nur einige Beispiele, wie geschickte Twists den ganzen Film viel interessanter machen können. THE TALL MAN schickt sich nun an, diese Tradition fortzusetzen und wenn der Mystery-Thriller am 10. Mai als DVD, Blu-ray und Video on Demand erscheint, kann sich jeder selbst ein Bild machen, ob man mit diesem Story-Verlauf gerechnet hätte.

Christian Funke-Smolka