This is England (Ascot Elite)

This is England (Ascot Elite)

Es gibt Filme, die den Zuschauer fesseln, beeindrucken, jedoch trotzdem ratlos am Ende zurücklassen. Filme, bei denen man auch Stunden nach dem Abspann die Geschichte Revue passieren lässt, die Handlungen der einzelnen Protagonisten nochmals durchleuchtet, sich ihre Reaktionen vergegenwärtigt, und versucht, sich als Zuschauer ein eigenes Bild, eine eigene Meinung zu dem Gesehenen zu machen. Dies spricht in der Regel FÜR den Film, zeigt es doch den Zuschauer als mündigen Bürger mit genug Verstand, zwischen den Zeilen zu lesen, Botschaften zu erkennen und sich eine eigene Sicht auf die Dinge zu erlauben.
This Is England ist solch ein Film. Erstens beweist er, dass der britische Film immer wieder für positive Überraschungen gut ist, und zweitens gerade Regisseur Shane Meadows nach Blutrache erneut einen beeindruckenden Film vorlegt.
Die Geschichte handelt von dem 12 jährigen Shaun, der im England zu Beginn der 80er Jahre groß wird. Seinen Vater verlor er im Falklandkrieg, die politische Lage im Land ist weiterhin angespannt, seine eigene persönliche Situation ebenfalls nicht angenehme. Als Außenseiter sucht er nach einer Gruppierung, der er sich anschließen kann. Alsbald trifft er auf Woody und seine Gruppe Skinheads. Woody nimmt ihn brüderlich auf. Shauns Kleidungsstil ändert sich, und er fühlt sich als Teil der Gruppe angenommen. Die Clique ist unpolitisch eingestellt, ihnen geht es nur darum, Spaß zu haben, und als Symbol der Arbeiterklasse die übliche „Uniform“ zu tragen. Dies ändert sich jedoch, als Woodys alter Freund Combo aus dem Gefängnis entlassen wird, und in der Gruppe fremdenfeindliches Gedankengut kundtut. Hier trifft er vor allem bei Shaun auf fruchtbaren Boden, und das Unheil nimmt seinen lauf.
This Is England zeigt deutlich die Mechanismen, wie Rassismus sich in einer ehemals eigentlich unpolitischen Szene breitmachte. Dabei verzichtet Regisseur Meadows auf eine plakative schwarz/weiß Malerei. Die Protagonisten zeigen menschliche Reaktionen und Gefühle, hegen Zweifel an sich und ihrem handeln, verhalten sich einfach glaubhaft. Dies ist aus meiner Sicht auch die große Stärke des Films. Hier wird nicht plakativ und visuell umwerfend geprügelt, sondern der eher ruhige Film überzeugt durch realistische Dialoge und Reaktionen. Dabei beeindrucken vor Allem die wirklich überdurchschnittlich guten Laiendarsteller, die allesamt glaubwürdige Leistungen abliefern. Aber auch bei der Ausstattung wurde penibel darauf geachtet, möglichst authentisch zu sein. So bietet This Is England durch das hervorragende Zusammenspiel von einer guten musikalischen Untermalung, der tollen Ausstattung und den überzeugenden Darstellern einen positiven Gesamteindruck, dem man sich als denkender Zuschauer kaum entziehen kann.
Wer sich mit der Entstehung der Skinhead-Szene und deren Spaltung in verschiedene ideologische Lager beschäftigen möchte, der kommt an diesem Film nicht vorbei.

Christian Funke-Smolka