"Todes Brigade" (filmArt)

„Todes Brigade“ (filmArt)

Regie: Max Pécas

Darsteller: Thierry de Carbonnières, Jean-Marc Maurel, Lillemour Jonsson, Phify, u.a.

Ein Transsexuellen-Mörder terrorisiert zusammen mit seiner Motorrad-Gang die Straßen von Paris. Gérard Lattuada, ein Polizist von der Sitte, nimmt das Gesetz selbst in die Hand und setzt alles daran, die sadistische Bande für immer unter die Erde zu bringen. Während die Polizei die Schlinge immer enger zieht und die Motive der Bande klarer werden, droht Lattuadas Selbstjustizstreifzug aufzufliegen. Auch eine enge Freundin gerät ins Visier der kaltblütigen Mörderbande. Die Sache wird immer persönlicher, und das letzte große Blutvergießen ist unvermeidlich.

© filmArt

Meinung zur Veröffentlichung:

Auf dem Pariser Straßenstrich wurden drei Transsexuelle von einer Motorradgang gejagt und ermordet. Da sich der Polizeichef kurz vor seinem Ruhestand noch mit einem erfolgreich gelösten Fall brüsten möchte, setzt er seinen härtesten Mann im Dezernat, Gérard Lattuada (Thierry de Carbonnières), auf die Morde an. Doch dieser ist durch die Ermordung seiner Schwester persönlich betroffen und nimmt das Gesetz in die eigenen Hände…

„Dieser Film ist ein reines Phantazie produkt. Jede Ahnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen personen ware purer Zufall“

(der herrliche Originaltext im Vorspann der deutschen Pressefassung)

Inhaltlich auf den ersten Blick relativ simpel, erweist sich das komplette Verständnis des von Regisseur Marc Pécas und Autor Roger Le Taillanter verfassten Drehbuchs als schwieriger, als gedacht. Verworren im strukturellen Aufbau werden reihenweise Personen halbherzig eingeführt, um sogleich wieder zu verschwinden, oder ermordet zu werden. Auch für die Geschichte wichtige Zusammenhänge werden eher stiefmütterlich behandelt und dienen eher dazu, soviel exzessiven Schaden unter den Protagonisten anzurichten, wie möglich. Womit wir gleich beim Thema wären. Der Film ist ein echt hartes Brett! Hier wird sich nicht um irgendwelche Befindlichkeiten geschert, es wird in alle Richtungen und jede Randgruppe ausgeteilt. Frauen, in der Regel nackt oder nur leicht bekleidet, werden entweder beschützt, oder misshandelt… beides oftmals innerhalb einer Szene. Allgemeine Vorurteile sind in der Todes Brigade gleichzeitig dazu da, um hemmungslos ausgelebt zu werden. So wird das nix mit dem Friedensnobelpreis, Herr Pécas! Okay, auch auf andere Preise scheint man es nicht unbedingt abgesehen zu haben, denn die Darsteller sind durchweg nicht wegen ihres Talents eingestellt worden und die Inszenierung eher zweckmäßig, aber durchweg solide. Nichtsdestotrotz ist der Film durchaus sehenswert, denn nur selten erlebt man so unerwartete, sinnfreie und knallharte Gewaltausbrüche in einem völlig unglaublichen Setting und Szenario. Da wird geschossen, blutig mit Messern gespielt und wüst mit Fahrzeugen hantiert, dass man sich so manches Mal verwundert die Augen reibt. Dazu eine Synchronfassung, bei der man oftmals unsicher ist, ob es sich tatsächlich um die deutsche Synchro handelt, da man wirklich kein Wort verstanden hat. Der Film ist, die nötige Offenherzigkeit und ein robustes Humorverständnis vorausgesetzt, eine echte Partygranate! Wer also auf kernige Sprüche und derbe Gewalt im Film steht, kommt an diesem Kracher nicht vorbei. Sleaze in Reinkultur!

© Trailer: Night Of The Trailers

Todes Brigade (Originaltitel: Brigade des moeurs, Frankreich 1985) erscheint uncut bei filmArt als Blu-Ray-/DVD-Kombo in einer Softbox, limitiert auf 1000 Exemplare. Getestet wurde die gut aufbereitete Blu-ray, die in Bild (1,85:1/1080p Full HD) und Ton (Deutsch & Französisch: dts-HD Master Audio 1.0) auf einem soliden Niveau überzeugen konnte. filmArt hat sich hier erneut selbst übertroffen, denn es liegen neben der Standardfassung (97 Minuten) im Bonusbereich die deutschen Presse Fassung in SD (92 Minuten) und die (S)EXPORT-Fassung (HD mit SD-Inserts) mit einer Lauflänge von 99 Minuten vor. Letztgenannte wurde von mir angeschaut. Neben der VHS-Synchronisation liegt zudem die legendäre Presse-Synchronisation vor, die man gehört haben muss, um es zu glauben! Hier vermitteln unmotivierte und nuschelige Amateursprecher ein charmantes, aber nur schwer zu ertragendes Porno-Flair! Sämtliche Fehlstellen liegen im Originalton mit deutschen Untertiteln vor. Abgerundet wird die Veröffentlichung mit dem Originaltrailer und der filmArt-Trailershow.

Todes Brigade ist ein knüppelharter, knochentrockener Selbstjustiz-Actioner, der in so ziemlich allen Punkten nicht zimperlich ist, keinen Wert auf subtile oder tiefsinnige Zwischentöne legt, sondern seine stellenweise etwas verworrene Handlung bis zum gnadenlosen Finale peitscht! Kein Film für sanfte Gemüter und auch für einen romantischen Filmabend eher nicht zu empfehlen! Wer aber Spaß an sinnbefreiter, derber Unterhaltung hat, das Gezeigte mit dem nötigen Humorfilter betrachtet und sich an mittelmäßigen Darstellern und einer herrlich-grottigen Synchro erfreuen kann (wobei die VHS-Synchronisation durchweg brauchbar ist, die Presse-Synchro aber den höheren Spaßfaktor besitzt), der sollte hier unbedingt zugreifen!

Christian Funke