Torchwood - Miracle Day  (BBC / Polyband)

Torchwood – Miracle Day (BBC / Polyband)

Der Kindermörder Oswald Danes (Bill Pullman) soll hingerichtet werden, doch trotz der korrekten Handhabung durch den Vollstrecker stirbt der Mörder nicht… Er ist der erste Fall eines Phänomens, was plötzlich auftritt, denn es stirbt von dem Moment an kein einziger Mensch mehr weltweit, egal wie alt oder krank er ist, oder welch schweren Unfall er hatte. Erst als Miracle Day gefeiert, stellt man jedoch schnell fest, dass es gravierende Probleme für die Weltbevölkerung und deren Versorgung gibt. Was macht man mit dem unerwarteten Überschuss an Menschen? Man steckt sie erst mal in Lager, und versucht eine Lösung zu finden.
Ein Fall für die geheime Torchwood – Gruppe, welches ein kleines Team von Spezialisten, welches sich mit ungewöhnlichen Themen beschäftigt und die Welt vor außerirdischen Bedrohungen schützt.

An dieser Stelle mehr von der Story zu verraten wäre ein Verbrechen, da es einem den Spaß an der Entwicklung der Geschichte nehmen würde, aber eines vorweg: nach der etwas längeren Einführungsphase in Episode 1 nimmt die Geschichte an Fahrt auf und präsentiert uns eine intelligente, fesselnde und kritische Story, die wegen ihres Inhalts, aber auch wegen der vielen kleinen Verweise zu begeistern weiß.

Torchwood hat sich, obwohl es als Spin-off der überaus beliebten und erfolgreichen BBC TV-Serie Dr. Who konzipiert war (und deshalb auch ein Anagramm von „Doctor Who“ darstellt), mittlerweile einen eigenen Status aufgebaut. Ganz klar für das Abendprogramm gedacht zielt es somit auf ein älteres Publikum, und konfrontiert den Zuschauer deshalb mit Themen, die es in dieser Form bei Dr. Who wohl eher nicht gegeben hätte. Themen wie Gewalt, teils auch explizit dargestellt, der Gebrauch von Kraftausdrücken und ein offener Umgang mit Sexualität zeichnen die Serie aus und heben sie von anderen ab.

Erstmalig war nicht nur der BBC verantwortlich, sondern die Amerikaner von Starz (Spartacus) beteiligten sich an der Produktion, was bei der Fanbase für einen Aufschrei sorgte, da man der Überzeugung war, dass die Serie sich mit der dritten, sehr erfolgreichen Staffel „Children of Earth“ erst richtig gefunden habe, und nun durch eine Amerikanisierung nur verlieren könne.
Die Befürchtungen waren nicht unbedingt unbegründet, fiel einem doch direkt ins Auge, dass plötzlich große Teile der Serie nicht mehr in Wales, sondern in den Staaten spielen, wo man dann auch eine Woche vor England die Erstausstrahlung verfolgen konnte. Aber Torchwood wäre nicht Torchwood, wenn es sich nicht mit jeder Staffel quasi neu erfinden würde. So ist spürbar, dass die Serie zwar an Tempo gewonnen, dabei aber sowohl einen Großteil des bekannten Cast als auch den typischen britischen Humor beibehalten konnte. Auffallend ist, dass die Kernaussage der Geschichte noch ernsthafter und sozialkritischer erscheint.
Bleibt somit als Fazit zu sagen, dass es den Machern gelungen ist, große Teile der Dinge, die Torchwood ausmachen, in eine amerikanische Co-Produktion hinüber zu retten, jedoch bedarf es gerade auf amerikanischer Seite noch einer Überarbeitung der einzelnen Charaktere, da diese noch etwas an Feinschliff benötigen.
Weiterhin überzeugend in der Serie ist das starke Zusammenspiel der Elemente Science Fiction, Action und Emotionen, was auch hier gekonnt und fesselnd kombiniert und in die Geschichte integriert wurde.

Die Blu-ray-Box von Torchwood – Miracle Day aus dem Hause Polyband präsentiert den vierten Ableger der Serie in seiner unzensierten Version in einer sauberen und klaren Bildqualität und einem gut abgemischten, räumlich wirkenden Sound. Verteilt auf drei Discs findet man die zehn, jeweils knapp 50 Minuten langen Episoden auf Disc 1 & 2, auf der dritten Disc befindet sich das Bonusmaterial, welches mit einer Laufzeit von etwa anderthalb Stunden neben einem halbstündigen animierten Torchwood-Comic noch 7 Minuten an entfernten oder alternativen Szenen, diverse Interviews mit den Darstellern zu ihren Rollen oder ein Feature über die Tricks in der Serie bietet. Abgerundet wird das Zusatzmaterial von einem knapp halbstündigen Making of mit Interviews und Szenen vom Dreh.

Torchwood – Miracle Day ist allen Unkenrufen zum Trotz auch nach der Amerikanisierung spannende und faszinierende Unterhaltung. Mit einigen kleinen Abstrichen, in der Summe aber überaus überzeugend! Hier wird eine einfache Grundidee fesselnd, sozialkritisch und intelligent behandelt, und zeigt, dass es eine guten Entscheidung war, die Geschichten nicht mehr episodisch zu erzählen, sondern einen epischen, übergreifenden Handlungsbogen zu kreieren.
Ich für meinen Teil war von Torchwood – Miracle Day ziemlich begeistert, und kann auch diese Staffel jedem empfehlen!

Christian Funke-Smolka