Töte Django - Se Sei Vivo Spara (filmArt)

Töte Django – Se Sei Vivo Spara (filmArt)

519jbhr5vkLOaks und seine Männer erbeuten mit Hilfe von Django und ein paar Mexikanern, bei einem Überfall auf Soldaten, einen Haufen Gold. Aus Habgier lässt Oaks seine Komplizen brutal niederschießen. Django überlebt und wird von zwei Indianern gesund gepflegt. Wieder bei Kräften und getrieben von Rache, verfolgt er die Spur von Oaks und seinen Männern. Seine Reise führt ihn in ein Dorf, in dem das Chaos herrscht: Meuchelmord, Folter, Tierschändung, Homosexualität und unmenschliche Brutalitäten. Die Grausamkeit der Menschen scheint unvorstellbar.
Das Gold ist in der Stadt…und jeder wird töten, um es zu bekommen!

Drei Jahre vor Alejandro Jodorowskys „EL TOPO“ und Fernando Arrabals „VIVA LA MUERTE“ drückte Ausnahmeregisseur Giulio Questi mit „TÖTE DJANGO“ dem Italo-Western seinen eigenen Stempel auf, und verschont den Zuschauer nicht vor obskuren und harten Bildern, die sich ins Gedächtnis brennen!
In diesem fieberhaften Alptraum tummeln sich Tomas Milian („Der Berserker“), Ray Lovelock („Invasion der Zombies“), Piero Lulli („Brutale Gewalt“) und Milo Quesada („Mercenario – Der Gefürchtete“).

Meinung zum Film:

Es fällt mir ausgesprochen schwer, diese Rezension zu schreiben…. denn ich knie hier nieder um diese tolle Veröffentlichung entsprechend zu würdigen und zu feiern, doch so tippt es sich schlecht auf der Tastatur!
Okay, ich gebe es offen zu, man ist als vom Film besesse***, ich meine begeisterter Rezensent manchmal schon ein wenig sonderbar. Das merkt man spätestens dann, wenn man in der Bahn sitzt, gedankenverloren seine Post öffnet und mit einem selig-debilen Grinsen im Gesicht eine DVD hervorzaubert, die den knackigen Titel Töte Django trägt. Wenn die ersten Mütter ihre Kinder dezent wegziehen und ältere Damen den Platz wechseln, nützt auch der Ausspruch „hey, der ist aber mit Tomas Milian und Ray Lovelock“ nicht mehr viel, das Vertrauen der Mitmenschen ist erst mal im Ar***. Da liest man dann den Klappentext „SCHREIEN MUSST DU, SCHREIEN!“ (ein Zitat aus Töte Django, welches im Kontext des filmischen Geschehens noch lange nachwirkt) und denkt sich, wie Recht der Texter damit hatte! Aber ich schweife ab! ^^

Film Art präsentiert hier mit Töte Django eine Neuauflage des lange Zeit indizierten Filmes „Django – Leck Staub von meinem Colt„ (was für ein unpassender Titel!!).

Regisseur Giulio Questi, geboren im Jahr 1924 in der Nähe von Milano, ist ein bis heute aktiver Filmemacher, der sich mittlerweile jedoch gänzlich vom kommerziellen Filmgeschäft entfernt hat und eigene Experimentalfilme in seiner Wohnung mit sich selbst als Hauptdarsteller dreht.DK7
Als junger Mann kämpfte er im Partisanenkrieg. Die Erlebnisse dieser Zeit prägten sein linksgerichtetes politisches Weltbild dauerhaft und spiegeln sich in seinen filmischen Beiträgen jeden Genres wider!
Da er sich hauptsächlich im Episoden- oder Kurzfilm bewegt, findet der Filmsammler nur drei Spielfilme von diesem Ausnahmeregisseur, der sich zeitlebens keiner beengenden filmischen Vorgabe unterwarf. So ist der vorliegende Töte Django, eine Auftragsarbeit, die gleichzeitig sein Langfilmdebüt darstellte, da das Script zu seinem von ihm geplanten Debüt als zu ungewöhnlich und sperrig von seinem Produzenten abgetan wurde (und deshalb erst danach unter dem Titel „LA MORTE HA FATTO L’UOVO – Die Falle im Jahr 1968 gedreht wurde).

Töte Django ist leider der einzige Genre-Beitrag des Regisseurs, der sich hier gegen jede verklärende Romantik wehrt, indem er den Zuschauer am Kragen packt und in eine Hölle aus Korruption, Verderbtheit und Grausamkeit stößt. Knapp zwei Stunden erleben wir eine Welt ohne Helden, in der Brutalität und hinterhältiger Mord das Tagesgeschehen darstellt. Django, der eigentlich nur für den deutschen Verleih Django genannt wurde und im Film als „der Fremde“ bezeichnet wird, hat seine persönliche Geschichte, die seine Antriebsfeder darstellt und ihn seine Feinde mit goldenen Kugeln erschießen lässt.

Der Film l2006091138761_artikelässt sich alleine wegen solcher visuellen Stilmittel auf verschiedensten Ebenen deuten. Es wimmelt von politischen und religiösen Symbolen, die alle die zynisch-philosophische Weltsicht des Regisseurs spiegeln. Sowohl in seinen Figuren als auch in seiner Bildgestaltung zeigt sich eine rohe Ästhetik, die Töte Django weit von anderen Vertretern des populären und beliebten Genres abhebt. Für den Regisseur stellte die Inszenierung eine reinigende Katharsis dar, in welcher er seine Kriegserlebnisse verarbeitete.

Die DVD aus dem Hause Film Art ist eine Veröffentlichung, die in jede vernünftige Italo-Western-Sammlung gehört! Limitiert auf 1000 Stück ist sie verpackt in einem ästhetischen Pappschuber mit einem zwar brutalen aber stimmungsvollen Covermotiv. Der Film liegt in seiner ungeschnittenen Originalfassung vor, das HD remasterte Bild und der saubere Ton sind dabei auf einem sehr guten Niveau!
Doch ein weiteres Glanzstück ist das Bonusmaterial. Hier findet man neben einer Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und dem Originaltrailer ein knapp 26 Minuten langes, neu erstelltes Featurette namens „Ray Lovelock in Conversation“, welches ein lockeres, sehr offenes Interview mit dem Schauspieler (in seiner Küche??) darstellt. Großartig und äußerst unterhaltsam! Zusätzlich findet der geneigte Filmfreund dann noch im Innencover das großformatige Originalplakatmotiv und ein achtseitiges Booklet mit einer interessanten Abhandlung zu Regisseur Giulio Questi von Autor Pelle Felsch.20589593

Was bleibt mir anderes zu sagen, als diesen genial andersartigen, dreckigen und abgrundtief bösen Western von Regisseur Giulio Questi in seiner gelungenen Neuauflage durch Film Art jedem zu empfehlen, der sich mal über den Tellerrand hinausschauend mit einem ruppigen, zynischen aber auch intelligenten und sehr philosophischen und dadurch hochinteressanten Beitrag auseinandersetzen möchte! Chapeau, Film Art!!

Christian Funke-Smolka


Töte, Django [1967] Trailer german von chni1988