Trust (Atlas Film)

Trust (Atlas Film)

 

Es ist der Alptraum alle Eltern! Die jugendliche Annie (Liana Liberato) lernt übers Internet einen vermeintlich gleichaltrigen, freundlichen jungen Mann kennen, der anscheinend ihre Hobbies und Interessen teilt. Die Eltern (Clive Owen und Catherine Keener) wissen von dieser Internetbekanntschaft und akzeptieren dies, da sie es für eine pubertäre Schwärmerei halten. Als der Unbekannte dem Mädchen ein treffen vorschlägt, willigt sie sofort ein, doch sie muss schnell feststellen, dass der vermeintlich jugendliche Charlie viel älter ist, als er angegeben hat. Da er sie trotzdem charmant umgarnt, vertraut sie ihm und folgt ihm in ein Hotelzimmer, wo sie die Nacht mit ihm verbringt. Annie ist verunsichert, wurde sie doch bei ihrem Treffen von einer Freundin gesehen, die dies der Schulleitung meldet, die wiederum das FBI einschaltet. Ihre Eltern verstehen ihr Kind nicht und dessen verhalten nicht mehr, der Vater möchte wegen dieser Tat eine Bestrafung Charlies (Chris Henry Coffey), dieser meldet sich jedoch nicht mehr bei Annie. Das Mädchen fühlt sich immer mehr von der Gesellschaft und ihrer Familie ausgestoßen und nicht verstanden, und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück.

Solch ein schmerzliches Psychodrama so sensibel inszeniert, das hätte ich Regisseur David Schwimmer (Friends, Run Fatboy Run) gar nicht zugetraut. Geschickt gelingt es ihm, alle Klischeefallen zu umschiffen, so dass einem als Zuschauer die Geschichte und die Tragik ihrer Personen sehr zu Herzen gehen. Die Darsteller, allen voran Clive Owen als Vater und Liana Liberato als minderjährige Tochter, spielen ihre Rollen mit einer Bravour, so das man in keiner Sekunde an ihre Glaubwürdigkeit zweifelt. Der Regisseur wählte bei seiner Inszenierung die stille und zurückhaltende Art ohne Effekthascherei und plumpen Voyeurismus, was dem Ganzen mehr Realismus verleiht.
Als Zuschauer ist man gefangen in der Geschichte, ist es doch für jeden sofort ersichtlich, welche Tragweite das Geschehen für seine Protagonisten hat, kann aber doch nicht eingreifen. Somit ist sowohl die im Film beschriebene Tat, und viel mehr noch die Geschehnisse nach der eigentlichen Tat ein extrem aufwühlendes und aufrüttelndes Erlebnis, was man so schnell nicht vergessen dürfte, und auch lange nach dem Ende des Filmes wie ein Schlag in den Magen nachhallt.

Die DVD aus dem Hause Atlas Film liefert im Bonusbereich sowohl ein Making of (17 Minuten), als auch Interviews (13 Minuten), welche sich mit der Geschichte und den Dreharbeiten auseinandersetzen. Dazu kommen noch Szenen vom dreh, Outtakes, ein Trailer und eine Programmshow.

Trust konzentriert sich ganz auf seine Figuren und seine Geschichte, und zwingt den Zuschauer zum Nachdenken, indem er ihm sowohl die Tat, als auch der Umgang mit dieser durch die Gesellschaft aufzeigt. Dies geschieht psychologisch fundiert, schonungslos und ist trotzdem sensibel umgesetzt, so dass man als Zuschauer am Ende zwar ziemlich verstört ist, sich aber unbedingt mit dem Gesehenen auseinandersetzten will und muss, um seinen eigenen Standpunkt zu erkennen.
Ein wichtiger Film mit einer aufwühlenden Geschichte, der jedoch glücklicherweise ohne moralischen Fingerzeig auskommt, sondern auf ein mitdenkendes und mündiges Publikum setzt!

​Christian Funke-Smolka