“U-235 – Abtauchen, um zu überleben” (EuroVideo Medien) +++Rezension & Interview+++

“U-235 – Abtauchen, um zu überleben” (EuroVideo Medien) +++Rezension & Interview+++

Regie:

Sven Huybrechts

Darsteller:

Thure Riefenstein, Martin Semmelrogge, Koen De Bouw, Ella-June Henrard, Joren Seldeslachts, u.a. 

Während des Zweiten Weltkriegs werden Kommandant Stan und eine Gruppe von Widerstandskämpfern mit einer selbstmörderischen Mission beauftragt. Sie sollen, unter der Mithilfe eines gefangenen, deutschen U-Boot Kommandanten, ein gestohlenes Nazi-U-Boot mit atomarem Uran aus dem von Belgien kontrollierten Kongo in die USA bringen. Gejagt von Hitlers Armee, muss die bunt zusammengewürfelte Truppe die unerbittlichen deutschen Zerstörer und windigen Deutschen überlisten und ausmanövrieren, die vor nichts Halt machen, um das U-Boot auf den Grund des Ozeans zu schicken …

Willkommen an Bord! Mit U-235 – Abtauchen, um zu überleben nimmt der belgische Regisseur Sven Huybrechts sein Publikum mit unter die Meeresoberfläche und liefert einen spannungsgeladenen U-Boot-Thriller. Fesselnd und schwarzhumorig zugleich erzählt Huybrechts von einer riskanten und gefährlichen Mission während des zweiten Weltkriegs, die von wahren Begebenheiten inspiriert wurde. Als „Kapitänleutnant Franz Jäger“ zu sehen ist Thure Riefenstein (JACK HUNTER, „Soko“, BALTIC STORM). Koen De Bouw (THE VERDICT, „The Last Tycoon“) hat die Rolle des „Stan“ übernommen. Ella-June Henrad (BOY 7) ist zu sehen als „Nadine“, an ihrer Seite Joren Seldeslachts als „Filip“. Ergänzt wird das Ensemble durch DAS BOOT-Darsteller Martin Semmelrogge, der den skrupellosen SS-Offizier „Kriechbaum“ verkörpert.

U-235 – Abtauchen, um zu überleben ist ab 22. Oktober als DVD und Blu-ray erhältlich. Ab 8. Oktober bereits digital verfügbar.

© EuroVideo Medien

Meinung zur Veröffentlichung:

Der zweite Weltkrieg im Jahr 1941: Kommandant Stan (Koen De Bouw) und eine Gruppe von tollkühnen wie furchtlosen Widerstandskämpfern, „die Verrückten“ genannt, erhalten den selbstmörderischen Sonderauftrag, mit Hilfe eines gefangenen deutschen U-Boot-Kommandanten und dessen U-Boot spaltbares Uran vom durch die Belgier besetzten Kongo in die Vereinigten Staaten zu transportieren. Die Belohnung ist lukrativ, denn neben einer guten Bezahlung erhält man die Gelegenheit, unzählige Nazis zu töten. Doch der Auftrag erweist sich als äußerst riskant…   

U-235 – Abtauchen, um zu überleben ist trotz des Bezugs auf reale Begebenheiten in erster Linie ein klassischer Abenteuerfilm über eine Gruppe todesmutiger Männer und Frauen. Die Grundsituation so irrwitzig, die Handlungen zum Teil völlig absurd, gelingt es Regisseur Sven Huybrechts, der gemeinsam mit Johan Horemans das Drehbuch schrieb, einen nicht immer logischen, aber durchweg spannenden Actioner vor Kriegshintergrund zu drehen, der nicht nur ein klassisches U-Boot-Szenario bietet, sondern auch einen großen Teil der Lauflänge über dem Wasser spielt. Auch wenn den Charakteren nur das nötigste an Hintergrundinformationen gegönnt wird (und der groß beworbene Martin Semmelrogge nicht mal fünf Minuten Screentime besitzt), können die Figuren dank spielfreudiger Darsteller überzeugen und die Geschichte mit Leben füllen. U-235 – Abtauchen, um zu überleben bietet dabei alles, was ein unterhaltsamer Film dieses Genres beinhalten sollte. Er ist zum Teil wenig zimperlich, zeigt einen schwarzen Humor, große Emotionen und eine Menge Drama. Vielleicht kein intellektueller Meilenstein, aber definitiv unterhaltsam!

U-235 – Abtauchen, um zu überleben (Originaltitel: Torpedo, Belgien 2019) erscheint bei EuroVideo Medien als DVD, Blu-ray und bereits seit dem 08. Oktober 2020 digital. Zur Ansicht lag mir die Blu-ray vor, die in Bild (2,39:1/1080p/24) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) überzeugen konnte. Im Bonusmaterial befand sich lediglich der Trailer.

Mit U-235 – Abtauchen, um zu überleben erleben wir einen flapsigen, sehr schwarzhumorigen Men-on-a-Mission-Film, der sich keinen Deut um historische Genauigkeit kümmert und auch die Logik manchmal über Bord wirft. Allerdings ist er schwer unterhaltsam und hätte sich stilistisch auch in das Schaffen einesEnzo G. Castellari einreihen können. Wer Spaß an dieser Sorte Film hat (beispielsweise Ein Haufen verwegener Hunde), wird hier hervorragend unterhalten!

360 Grad View:

Wer einen Blick in das U-Boot von U-235 – Abtauchen um zu überleben werfen möchte, kann dies ab sofort tun. Hier geht es zur 360 Grad View!

Interview mit Hauptdarsteller Thure Riefenstein

Wie sind Sie auf das Projekt U-235 – ABTAUCHEN UM ZU ÜBERLEGEN aufmerksam geworden und was hat Sie an der Thematik gereizt?

Als ich von dem Kinoprojekt hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich liebe Geschichten um Abenteuer, je exotischer umso besser. Seit Jules Vernes Charakter „Captain Nemo“ oder dem Kinofilm “das Boot”, zählt U-Boot Kapitän mit zu meinen Traumrollen. Abtauchen in eine Welt in der andere Gesetze gelten, Verantwortung für Mensch und Maschine, die in absolutem Einklang stehen müssen: jeder kleinste Fehler, wie das berühmte Aufschrauben des falschen Toilettenventils, kann den Tod bedeuten. Dies, gepaart mit einer kontroversen Mission, die allerdings kriegsentscheidend sein kann, ist vom Stoff her dramaturgisch schwer zu überbieten. Herausforderungen faszinieren mich auch im realen Leben.

Wie würden Sie ihre Rolle des Kapitänleutnant Franz Jäger in U-235 beschreiben?

Kapitänleutnant Franz Jaeger, so heißt meine Figur, ist Soldat und Offizier durch und durch. Jedoch hat ihn die Erfahrung des Krieges gezeichnet und auch geprägt: wer ist gut, wer sind die Bösen? Die Trennlinie zwischen Freund und Feind ist verschwommen. Als Kriegsgefangener ist der Krieg für ihn gelaufen, als er jedoch erfährt, dass er seinen einzigen Nachfahren, seinen Enkel, retten kann, lässt er sich auf ein waghalsiges Angebot der Alliierten ein.  

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Ich habe viel über U-Boote recherchiert, gelesen, angesehen, originale Logbucheinträge ausfindig gemacht und wir hatten am Set mehrmals Besuch von einem historischen Experten der unsere Fragen beantwortet hat. Dies in Verbindung mit einem beinahe originalgetreuen Nachbau des U-Bootes, einem Stahlzylinder von 52m Länge, ca 200 Tonnen schwer, hat sehr geholfen, dass alles so authentisch war wie irgend möglich. Du bist in das Boot eingetreten und warst sofort in einer eigenen Welt, wir konnten uns voll auf die Situationen und das Spiel konzentrieren. 

Gab es besondere Momente am Set, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind.

Fast drei Monate Drehzeit, zusammengepfercht in einem Stahlzylinder, Unterwasseraufnahmen, Außenaufnahmen in Malta, da gibt es viel zu erzählen. Die größte Herausforderung war die Hitze und der beengte Raum. Teilweise hatten wir in dem extrem heißen Sommer Außentemperaturen von 38 C und knapp 50 C im Boot. Knapp zwei Dutzend Menschen auf engster Tuchfühlung, der Schweiß, die Gerüche, das war alles echt. Ohne zusätzlich eingebaute Klimaanlage wäre es in der Zeit nicht zu schaffen gewesen.

Die Unterwasseraufnahmen waren, neben den Außenaufnahmen auf den Booten, die anspruchsvollstem und auch gefährlichsten. Wir drehten original im U-Boot, die Kammern wurden bis unter die Decke geflutet, es war wie Höhlen- oder Eistauchen, was mit zu den gefährlichsten Tauchgängen zählt. Als erfahrener Taucher fiel es mir etwas leichter als meinen Kollegen, aber die Gefahr war real. Alles muss exakt eingeübt sein, jeder Griff musste stimmen, jede Bewegung koordiniert sein.

Hier ein kleiner Einblick, wie ich mich bei den Unterwasser-Dreharbeiten fühlte: Die Kammer wird geflutet, ich habe den Lungenautomat im Mund, noch die Taucherbrille auf, das Wasser steigt, der Raum ist geflutet, kein Ausgang. Ich spüre den Puls in der Halsschlagader, atme die Anspannung weg. Ein letztes Verständigungszeichen mit dem Unterwasser-Kameramann, ein letzter Orientierungs-Blick zu den zwei Rettungstauchern, die sich irgendwo in eine Ecke, inmitten von Rohren und Ventilen, aus dem Bild drücken und dann das Zeichen „GO“!  Ein letzter tiefer Atemzug, ich nehme die Taucherbrille ab, alles grau-grün verschwommen um mich herum, ich kann meine ausgestreckt Hand nicht mehr erkennen. Ich nehme den Lungenautomat aus dem Mund, lass ihn aus dem Bild gleiten und weiß, ich habe jetzt ca 45 Sekunden Luft um die ca. 8 m zu tauchen und dann die geforderten Aktionen auszuführen.

Ich tauche, taste mich voran, Ventile, Rohre, Stangen, Schläuche unter den Fingern. Ich muss mich eindrehen, um durch eine Passage zu kommen, bleibe irgendwo hängen, mache mich los, Mist, die paar Sekunden werden mir fehlen, egal, ich taste mich weiter. Da ist ein Ventil oben neben einem Licht, habe ich mir eingeprägt, ich taste danach, wo ist es verdammt? Schließlich ertaste ich es,  es muss geöffnet werden, auf der anderen Seite drei andere geschlossen werden. Der CO2 Gehalt in meinem Blut steigt, meine Reflexe fordern das erste Mal Luft, ich unterdrücke es.

Nochmals auf die andere Seite schwimmen, den Kameramann als Schatten irgendwo um ich herum spürend. Das Wasser ist so trübe, kann er denn überhaupt etwas erkennen? Irgendwo sind zwei Anblas-Ventile, die ich öffne, sie lassen sich schwer drehen, meine Lungen drohen zu bersten, ein letztes eindrehen, geschafft, – bis hierher, das war abgemacht. Ich mache das verabredete Zeichen, wenige Sekunden später habe ich ein Lungenautomat im Mund, atme explosiv aus und tief ein… Noch nie war Sauerstoff so wertvoll, denke ich mir. Während das Wasser abgelassen wird um sich zu besprechen, bereite ich mich mental auf die nächsten Takes vor. Ein dutzend Unterwasser-Einstellungen werden an diesem Tag gedreht, und ein jedes Mal kämpfe ich aufs Neue gegen den Instinkt an, ohne Luft und Sicht in einem geschlossenen Stahlzylinder potentiell mein Leben aufs Spiel zu setzen.

Worauf kann das Publikum gespannt sein?

Mit reichlich Action, Liebe und Drama wird eine außergewöhnliche Geschichte in der Tiefe des Atlantiks erzählt. Gefechte, Verfolgungen, taktische und strategische Manöver bringen die Charaktere an ihre psychischen und körperlichen Grenzen. Der Glaube an die Mission und das Wissen Millionen von Menschen das Leben retten zu können, hilft ihnen übermenschliche Situationen zu meistern und über sich selbst hinaus zu wachsen. Am Ende geht es schließlich nur um eines, ums nackte Überleben.  Die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen. Übrigens, U-235 war bis dato nicht nur der teuerste, sondern auch der  erfolgreichste belgische Kinofilm im Jahr 2019. Ich freue mich, dass er jetzt auch in deutscher Fassung zu sehen ist.  Wenn Corona bedingt leider nicht auf ganz großer Leinwand, so ist das Kinoerlebnis zuhause doch gesichert.

Christian Funke