Urban Explorer (Universum Film)

Urban Explorer (Universum Film)

 

Endlich scheint es möglich zu sein, gute Horrorfilme auch in Deutschland drehen zu können. Dies beweisen einige Beiträge der jüngsten Vergangenheit wie zum Beispiel der gelungene Hell, aber meinen persönlichen Favoriten habe ich jetzt in dem vorliegenden Urban Explorer von Regisseur Andy Fetscher (Bukarest Fleisch) gefunden.

Fetscher lässt seinen Film in der Hauptstadt spielen, und zeigt uns Berlin als lebendige, bunte und aufregende Metropole, die ihre Bewohner und die Unmengen an Touristen in ihren Bann zu ziehen weiß. Das Nachtleben ist vielfältig, bietet aber nicht für jeden den erhofften Kick, den man sich erhofft, und so beschließt eine junge, bunt zusammengewürfelte Gruppe, eine Sightseeing-Tour der besonderen Art zu unternehmen. Sie nennen sich Urban Explorer, und wollen mit ihrem „Reiseführer“ Kris Dante (Max Riemelt – Die Welle, Im Angesicht des Verbrechens, Wir sind die Nacht) einen Trip in den Berliner Untergrund machen. Es heißt, das es ein System bestehend aus über 25.000 Tunneln geben soll, einige versiegelt, andere frei zugänglich. Diese geben Zeugnis über die Geschichte der Stadt, so soll es neben alten Stasi-Schlupflöchern auch den berüchtigten Unterkunftsraum von Hitlers Chauffeuren geben, welcher wohl seit knapp 70 Jahren nicht mehr betreten wurde, und verbotene Nazi-Wandgemälde und alte Relikte beinhalten soll. Als sich der Reiseführer bei einem Absturz das Bein bricht, ist man aufgeschmissen in dem unübersichtlichen Tunnelsystem. Jedoch trifft man auf den ehemaligen ostdeutschen Grenzsoldaten Armin (unglaublich in seiner Präsenz: Klaus Stiglmeier – SOKO 5113, Die Rosenheim-Cops, Siska), welcher ihnen Hilfe verspricht und sie zu seinem Unterschlupf bringt. Hier jedoch beginnt für unsere Erlebnistouristen der wahre Schrecken!

Urban Explorer, eine deutsch-amerikanische Produktion, gelingt etwas, was man mittlerweile eher selten findet: er kreiert eine intensive Atmosphäre, baut Spannung auf, die der Film dann auch über die gesamte Lauflänge zu halten weiß, und hat dazu noch überzeugende Darsteller (zum Beispiel Nathalie Kelley aus The Fast and the Furious: Tokyo Drift oder Nick Eversmann – The Runaways), die ihre Rolle überzeugend verkörpern. Auch wenn die Geschichte nicht wirklich innovativ und neu ist, und der Film dazu noch über weite Strecken in den Dialogen der Touristen in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln ist, folgt man als Zuschauer gebannt dem Geschehen. Gezielte Schockmomente, böse Wendungen und ein guter Soundtrack (komponiert von Steven Schwalbe und Robert Henke mit Musik von Zoot Woman und Knorkator) zeigen, welches Potential auch ein deutscher Genrebeitrag haben kann!

Bild und Ton der Veröffentlichung aus dem Hause Universum Film sind hervorragend, das Zusatzmaterial ist dann aber eher dürftig: ein knapp vier Minuten langes Making of, Teaser und Trailer und eine Programmshow.

Urban Explorer ist ein überaus spannender Genrebeitrag, der mit einer beeindruckenden Optik an Originalschauplätzen gefilmt wurde. Hier hatte man die Möglichkeit, teils bisher unzugängliche Tunnel nutzen zu können, und zeigt uns eine Seite Berlins, die man so noch nicht zu sehen bekam. Diese Umgebung, gepaart mit der teils echt gemeinen Geschichte lässt jedes Fanherz höher schlagen. Urban Explorer ist hart, dreckig, konsequent und scheut den Tabubruch nicht, so dass es hier von mir eine unbedingte Empfehlung gibt!

deutscher Trailer

Christian Funke-Smolka