Vanishing Waves (Donau Film)

Vanishing Waves (Donau Film)

vanishing-waves-coverDer Neurowissenschaftler Lukas nimmt an einem Versuch teil, bei dem Informationen aus dem Gehirn der Koma-Patientin Aurora in sein eigenes übertragen werden. Das Experiment nimmt eine unerwartete Wendung: Lukas taucht immer tiefer in die Gedankenwelt der sinnlichen jungen Frau ein. In der surrealen Traumkulisse des Unterbewusstseins beginnen die beiden eine leidenschaftliche Beziehung. Besessen von dieser neuen Welt verheimlicht Lukas seine Entdeckung. Doch dann gerät das Experiment außer Kontrolle…

Meinung zum Film:

Der litauische Film, ich gebe es gerne zu, war mir bisher nicht präsent. Umso gespannter war ich auf den hier vorliegenden dritten Spielfilm Vanishing Waves der Regisseurin Kristina Buozyte. Inhaltsangabe und Trailer vermittelten den Eindruck, als habe David Lynch zusammen mit Tarsem Singh ein Remake von „The Cell“ inszeniert. Denn es geht um den jungen Forscher Lukas (Marius Jampolski), der an einem Experiment teilnimmt, wo versucht werden soll, Kontakt zu der Komapatientin Aurora (Jura Jutaite) aufzunehmen. Als nach einem ersten misslungenen Versuch das Experiment gelingt, stellt Lukas fest, dass Aurora in der realen Welt zwar in ihrem bewusstlosen Körper gefangen scheint, in ihrer geistigen Welt jedoch völlig lebendig wirkt. Die so hergestellten Kontakte der beiden Probanden führen dazu, dass sich Lukas bald in Aurora verliebt und mittels der geistigen Verbindung eine erotische Beziehung mit ihr beginnt. Doch das hat für ihn natürlich unüberschaubare Konsequenzen in der realen Welt.

Die Blu-ray von Vanishing Waves erscheint als 2-Disc-Edition bei Donau Film mit einer beeindruckenden Menge an Zusatzmaterial. Während auf der ersten Disc der Hauptfilm in einer sehr guten Bild- und Tonqualität vorliegt, befindet sich auf der zweiten Disc eine Unmenge an Bonusmaterial. Neben dem knapp einstündigen Soundtrack findet man ein Making of, ein Interview mit der Regisseurin, die Präsentation des Films und anschließende Interviews auf der BIFF 2013, so wie Trailer und Teaser. Das Kernstück im Bonussektor ist jedoch der 84 Minuten lange Debütfilm „The Collectress“ der Regisseurin, der hier im Original mit englischen Untertiteln vorliegt.vanishing-waves-pic

Vanishing Waves ist ein sperriger aber auch mutiger Film, der es einem als Zuschauer nicht leicht macht. Ein Minimum an Dialogen, wunderschön arrangierte und inszenierte Bilder oder Szenenfolgen, die dann abrupt umschwenken in sterile und kalt dargestellte Laborwelten. Unterlegt mit wabernden elektronischen Soundcollagen und Klangteppichen werden die teils im visuellen vorkommenden Umgebungsgeräusche in die Soundtrack-Konstruktion eingebunden. Das erzielt eine teils hypnotische, teils traumwandlerisch-surreale Atmosphäre, die den Zuschauer an vielen Stellen wie Alice in das Kaninchenloch zu ziehen scheint. Doch auch wenn Vanishing Waves aus visuell-gestalterischer Sicht einer der interessantesten und experimentellsten Veröffentlichungen der letzten Zeit sein mag, inhaltlich gelingt es Regisseurin Kristina Buozyte in ihrem dritten Film nicht, eine konstante Erzählstruktur zu präsentieren. Und genau an dieser Stelle fangen die Vergleiche zu den großen Vorbildern Lynch, Kubrick & Co. dann an zu kippeln, denn diese hatten in ihren Filmen zusätzlich zu der stilprägenden Bildsprache in den meisten Fällen eine doppelbödige, in die Tiefe gehende Story, die auch lange nach dem Abspann beschäftigte. Vanishing Waves gelingt dies jedoch nur bedingt. Das größte Manko ist dabei jedoch weniger die etwas eindimensionale Story, sondern vielmehr der zu wenig ausgearbeitete Charakter der Hauptfigur Lukas, dem es an tiefer gehenden Identifikationspunkten für den Zuschauer mangelt.
So bleibt Vanishing Waves ein ästhetisch inszenierter, bildgewaltiger und erotischer Traumfilm, dessen beeindruckende Bildkompositionen länger im Hirn bleiben als seine Geschichte.

Christian Funke-Smolka