Verdict Revised – Unschuldig Verurteilt (Edel: Motion)

Verdict Revised – Unschuldig Verurteilt (Edel: Motion)

Schon oft hatte man in Thriller-Serien einen externen Beistand der örtlichen Polizei durch Psychologen oder Professoren, aber selten hatte man so eine sonderbare Person wie in der schwedischen Krimiserie Verdict Revised – Unschuldig Verurteilt.
Der Hauptprotagonist ist der ehemals gefeierte und erfolgreiche Anwalt Markus Haglund (Mikael Persbrandt, Kommissar Beck, Klaras Fall, In einer besseren Welt), der vor Jahren für einen scheinbar aussichtslosen Angeklagten einen Freispruch erwirkte, doch kurze Zeit drauf vergewaltigt und tötet der freigesprochene Mandant eine junge Mutter und deren Tochter. Haglund hängt daraufhin seinen Job an den Nagel und widmet sich intensiv dem Alkoholkonsum und dem Selbstmitleid. Erst als ihn seine alte Freundin Carolin Gustavsson als Professor an die Universität holt, lernt er, sein Leben neu zu sortieren. Hier lernt er, mit seiner Schuld zu leben, da er nach anfänglichem Zögern sein Wissen in den Dienst der unschuldig Verurteilten stellt. Ob dies nun der Stiefvater ist, der vermeintlich wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin im Gefängnis sitzt, oder um eine vergangene Liebesbeziehung des Professor, welche wegen Drogenschmuggels inhaftiert ist, immer versucht Haglund und sein Team aus idealistischen Studenten Licht ins Dunkle zu bringen.
Ich gebe es zu, ich hatte zu Beginn meine Probleme mit dem Hauptprotagonisten. Zu unnahbar, sogar arrogant war seine Rolle angelegt, was es dem Zuschauer schwierig machte, ihm als Sympathieträger zu akzeptieren. Dies ist und bleibt auch das Hauptmanko der Serie, denn wenn auch im Verlauf der weiteren Episoden die Charaktere weiter ausgearbeitet werden, und dadurch mehr Tiefe erhalten, bleiben diese doch immer ein wenig unnahbar. Deutlich merkt man bei den Geschichten der einzelnen Fälle den Hang der Drehbuchautoren (unter anderem Johann Zollitsch), nach amerikanischen Vorbildern zu schielen, um den von mir so geschätzten „schwedischen Stil“ zu amerikanisieren. Es fehlt ein wenig der raue Erzählstil, den die anderen schwedischen Produktionen zu etwas Besonderem machten.
Verdict Revised – Unschuldig Verurteilt besteht derzeit aus zwölf Episoden, welche jeweils einen eigenständigen Fall behandeln, jedoch in den Rahmenhandlungen die Charaktere intensiver beleuchten. Die Veröffentlichung aus dem Hause Edel: Motion ist aus technischer Sicht in Bild und Ton als solide zu betrachten, Bonusmaterial sucht man jedoch vergeblich.
Somit bleibt Verdict Revised – Unschuldig Verurteilt in der ersten Staffel eine zum Teil spannende, jedoch teilweise etwas sterile Thrillerreihe, der ein wenig mehr Eigenständigkeit gut getan hätte, die jedoch durch ihre guten Darsteller (denn auch wenn ich seinen Charakter unsympathisch finde, leistet der Hauptdarsteller doch hervorragende Arbeit) aufzutrumpfen weiß.

Christian Funke-Smolka