Warm Bodies (Concorde Home Entertainment)

Warm Bodies (Concorde Home Entertainment)

91YcT4YEqrL._SL1500_Die Untoten beherrschen das Land und er ist einer von ihnen: Zombie R bewegt sich durch ein postapokalyptisches Amerika der eingestürzten Hochhäuser, verrosteten Autowracks und zerstörten Highways. R hat es vor allem auf eines abgesehen: auf die Gehirne der noch verbliebenen Menschen. Die gespeicherten Eindrücke, die diese in sich bergen, sind sein Lebenselixier und erinnern ihn an das, was er auch einmal war: ein Mensch. Nachdem er eines Tages das Gehirn eines jungen Mannes verspeist hat, ändert sich sein Leben schlagartig. R wird überwältigt von Liebesgefühlen zu Julie, der Freundin des Toten, und entbrennt in heißer Leidenschaft für sie.

Warm Bodies auf Facebook

Meinung zum Film:

Das ich bei einer Review zu einem Zombiefilm lobend die Dialoge in den Vordergrund stelle, wäre mir vor Warm Bodies nie in den Sinn gekommen, hier jedoch haben wir den aus meiner Sicht ideenreichsten und warmherzigsten Genrevertreter der letzten Jahre. Warm Bodies, basierend auf den von mir sehr geschätzten gleichnamigen Roman des Autors Isaac Marion, erzählt eine stark an Romeo und Julia angelehnte Liebesgeschichte, die in einer postapokalyptischen, emotional verkümmerten Welt spielt. Der Zuschauer wird dabei von der Hauptfigur „R“, einem Zombie, einfühlsam an die Hand genommen und durch seine inneren Voice-over-Dialoge in diese Welt hineingeführt. Den jungen Untoten zeichnet dabei neben einem guten Musikgeschmack sein subtil morbider Humor und eine erstaunliche Tiefsinnigkeit aus, die es ihm schwer macht, sich mit seinem Schicksal abzufinden. Als R (Nicholas Hoult) auf die lebende Julie (Teresa Palmer) trifft, deren Vater der Zombie-Jäger Grigio (John Malkovich) ist, ändert sich für ihn, aber auch für seine Leidensgefährten, alles.91sEP9Ux+dL._SL1500_

Dem Gorehound werden sich bei dieser Beschreibung die Nackenhaare hochstellen, denn innere Dialoge, Emotionen und Gefühle bei denkenden Zombies in Kombination mit einem FSK 12-Siegel passen so gar nicht zu den Klischee-Versatzstücken, die man mit diesem Genre in Verbindung bringt. Doch ich kann Entwarnung geben, denn es funktioniert! Es funktioniert sogar hervorragend, denn selten hat man einen Zombiefilm präsentiert bekommen, der so viel Respekt vor seinen Figuren hat, dabei den Zuschauer mit seiner vermittelten Botschaft zum Nachdenken anregt und trotzdem leichtfüßig und sogar humorvoll seine Geschichte erzählt. Denn wir haben es hier (Achtung, jetzt nicht abschrecken lassen) mit einem völlig andersartigen Liebesfilm zu tun, der weit entfernt von typischen Rom-Com-Blockbustern oder irgendwelchen Teenie-Vampirgeschichten, eine dramatische Geschichte mit einem wunderbaren Gespür für Humor und Ironie erzählt, dabei die Spannung, die Action und das Tempo bewusst hochhält und zudem die Genreelemente eines Zombiefilms nicht verrät!

warmbodies2_620_120312Warm Bodies erscheint bei Concorde Home Entertainment als gelungene Veröffentlichung, die sowohl in Bild als auch Ton zu überzeugen weiß. Zudem gibt es eine Unmenge an informativem Bonusmaterial, wo man als interessierter Zuschauer mehr über die Entstehung vom Roman zum Film, dem Make Up, den Waffen und Stunts, den Effekten, dem Produktionsdesign oder den einzelnen Schauspielern erfährt. Zudem kann man sich entfernte Szenen, einen Audiokommentar, Outtakes und diverses anderes Zusatzmaterial zu Gemüte führen.

Warm Bodies, inszeniert von Regisseur Jonathan Levine (drehte den großartigen All the Boys Love Mandy Lane), ist ein musikalisch perfekt untermalter Film, der virtuos mit den Genre-Klischees spielt, seinen Figuren respektvoll Leben einhaucht (eine dumme Formulierung für einen Zombie-Film!) und ihnen sowohl bei den Untoten wie auch den Lebenden eine Geschichte schenkt. Auch wenn dem Puristen der etwas lockere Umgang mit den dogmatischen Vorgaben der Zombie-Thematik auffallen wird, sollte man sich auch als Genrefan auf diesen Film einlassen, denn wir haben hier weniger einen typischen Film über Wiederkehrer als mehr eine Metapher über Verlust und das Wiedererlangen von Emotionen und Gefühlen in einer trostlosen Welt. Warm Bodies ist ein etwas anderer, überaus intelligenter, romantischer Horrorfilm, den es zu sehen lohnt!

Christian Funke-Smolka