Warrior

Warrior

Warrior
(Universum Film)

 

Es passiert nur sehr selten, dass mich ein Film wirklich gefangen nimmt.

Regisseur Gavin O`Connor (Miracle-Das Wunder von Lake Placid, Pride & Glory-Das Gesetz der Ehre) gelingt mit dem vorliegenden Warrior ein packendes Meisterwerk! Die Kunst, einen Kampfsportfilm so zu präsentieren, dass es ein bewegendes Drama wird, welches sich komplett weg vom Klischee-Männerfilm bewegt, hatte ich bisher nur bei dem ersten Rocky oder Eastwoods Million Dollar Baby! Man merkt, dass sich O`Connor dabei voll auf seine Geschichte und seine hervorragenden, was sag ich… sensationellen Schauspieler verlässt. Hier wären der zu Recht für seine Nebenrolle Oscar© nominierte Nick Nolte (U Turn, Der Gejagte), aber auch alle anderen Darsteller, wie zum Beispiel Joel Edgerton (Star Wars II und III, King Arthur) und Tom Hardy (Inception, Black Hawk Down) als die zwei entfremdeten Brüder, oder Kevin Dunn (Transformers I-III, 1492) und Jennifer Morrison (Mr. & Mrs. Smith, How I Met Your Mother). Ihnen gelingt das, was man selten bei einem Film dieser Lauflänge erlebt: man ist als Zuschauer die gesamte Filmdauer über gebannt von dem, was dort geschieht! Ich gehe noch einen Schritt weiter: es passiert selten, dass mich ein Film wirklich berührt, aber sowohl bei der prägnantesten Nick Nolte-Szene (alleine für diesen Moment hat er einen Oscar© verdient!!) als auch beim Finale hatte ich echt einen Kloß im Hals!

Der Ex-Marine Tommy Conlon (Tom Hardy) besucht nach über 14 Jahren seinen mittlerweile trockenen Alkoholiker-Vater Paddy (Nick Nolte in der Rolle seines Lebens). Dieser wünscht sich eine Aussöhnung mit seinem Sohn, was aber von diesem nicht erwidert wird. So begegnet man sich respektlos und hasserfüllt. Tommy verbringt seine Freizeit beim Training im Sportstudio, wo er entdeckt und für die anstehende Mixed Martial Arts – Meisterschaft trainiert wird. Dem Gewinner werden 5 Millionen Dollar versprochen.
Parallel lernen wir Tommys Bruder Brendan (Joel Edgerton) kennen, welcher ebenfalls ehemaliger MMA-Kämpfer ist, mittlerweile aber als Lehrer arbeitet. Die Erkrankung seiner Tochter frisst seine Ersparnisse auf, und es droht die Zahlungsunfähigkeit, als die Raten für die Hypotheken erhöht werden. Er sieht sich gezwungen, bei illegalen Wettkämpfen mitzumachen, um mehr Geld zu verdienen. Da dies seinen Job kostet, braucht er nun dringend Geld, und meldet sich ebenfalls bei dem hoch dotierten Wettkampf an!
Was nun folgt ist der Kampf zweier Männer um Respekt, ihren Platz im Leben und der Versuch, die negativen Erlebnisse der Vergangenheit zu vergessen!

Die Blu ray aus dem Hause Universum Film zeigt das Sportler-Drama in einer guten Bild- und Tonqualität. Der Film hat eine imposante Länge von 140 Minuten, das Bonusmaterial sogar eine Länge 227 Minuten da der Enhanced Viewing Mode (ein abgefilmter Audiokommentar, der parallel zum Film abgespielt wird) über die gesamte Filmlänge läuft. Zusätzlich gibt es dann noch ein Making of: Bringing Warrior to Life, eine entfernte Szene, so wie die Featurettes Philosophy in Combat: Mixed Martial Arts, Brother vs. Brother: Anatomy Of The Fight, A Tribute to Charles Mask Lewis Jr. (dem MMA-Förderer und Modedesigner, der die Drehbucharbeiten unterstütze, und kurz vor Drehstart bei einem Autounfall verstarb), eine Gag Reel und den Filmtrailer plus Programmshow.

Warrior ist ein Film, der auf mehreren Ebenen hervorragend funktioniert. Regisseur Gavin O`Connor gelingt es, primär einen Kampfsportfilm zu drehen, der aber neben den dramatischen Momenten auch eine sensible Poesie und eine feinsinnige Geschichte erzählt (ich hätte nie gedacht, dass ich solche Worte bei einer Martial Arts-Review schreiben würde). Warrior ist das Drama eines Mannes, der mit seiner Alkoholkrankheit seine Familie zerstört hat, eines Soldaten, der seine Kriegstraumata zu bekämpfen versucht, und eines Familienvaters, der versucht, die Behandlungskosten für seine kranke Tochter aufzutreiben, ohne dabei sein Haus zu verlieren. Ein Film, der emotional bewegt, mitreißt, und dabei auch noch hervorragend choreografierte Mixed Martial Arts zeigt. Grandios, und meiner Meinung nach einer der besten Filme der letzten Zeit!

Christian Funke-Smolka