We Need To Talk about Kevin  (Bavaria Media)

We Need To Talk about Kevin (Bavaria Media)

Das junge Paar Eva und Franklin beschließen, als sie schwanger wird, von der Großstadt in einen Vorort zu ziehen. Sie führen eine harmonische und erfüllte Ehe, so dass das Kind eine Bereicherung ist und eine Bestätigung dieses Bündnisses für sie bedeutet.
Die glückliche und unbeschwerte Zeit ändert sich für die Mutter jedoch, als sie früh feststellt, dass sich das Kind ihr gegenüber distanziert und abweisend, ja sogar feindselig verhält. Die Grad zwischen einer starken Dickköpfigkeit und echter Boshaftigkeit ist im Verhalten des jungen Kevin (Ezra Miller, u.a.) fließend, und so zweifelt die Mutter immer mehr an ihren Fähigkeiten.
Immer deutlicher tritt diese Ablehnung zu Tage, und als einige Jahre später noch eine Tochter in die Familie geboren wird, bekommt auch sie das zu spüren. Einzig der Vater scheint immer wieder einen, teils vom Sohn manipulierten, Zugang zu dem heranwachsenden Jungen zu finden.
Die für die Mutter immer schwierigere Situation spitzt sich zu, bis es zur Katastrophe kommt, die für Eva ihr ganzes Leben und ihre Kontakte zur Außenwelt dauerhaft verändern wird.

Die Darsteller aus We Need to Talk About Kevin sind durch die Bank unglaublich überzeugend und gut, über Allem jedoch erstrahlen als das Elternpaar Eva und Franklin der grandiose John C. Reilly (Der Gott des Gemetzels) und die unglaublich intensiv und glaubhaft gehetzt spielende Tilda Swinton (die für ihre Darstellung den europäischen Filmpreis 2011 erhielt).
Visuell betont ruhig, in einer den Zuschauer beinah hypnotisierenden Langsamkeit erzählt, entwickelt sich die Geschichte durch das inszenatorische hin- und herspringen auf den verschiedensten Zeitebenen. Einen Großteil der Informationen über Evas Gefühlsebene sowohl aus der Gegenwart als auch der Vergangenheit erlebt und gewinnt man über die im Film zu hörenden Geräusche, die der entsprechenden Situation angepasst, weit in den Vordergrund drängen, oder sich zu einem dumpfen Hintergrundgeräusch zurückziehen. Das ist seitens der Regisseurin Lynne Ramsay, die sechs Jahre nach ihrem Film Black and White Town endlich wieder hinter der Kamera steht, ein interessanter Kniff der Erzählmöglichkeiten. Der Zuschauer ist in We Need to Talk About Kevin mit allen Sinnen der Wahrnehmung gefordert, denn zu der akustischen Informationsübermittlung werden viele Aspekte der Geschichte nur über Blicke und Gesten vermittelt.

We Need to Talk About Kevin, die Verfilmung des Bestseller von Lionel Shriver, ist definitive kein Film, den man nebenbei anschauen kann. Intensiv, schockierend und fordernd ist es eine aufreibende Auseinandersetzung mit einer unglaublich schmerzhaften Thematik. Ein Film, der gleichzeitig betört und verstört, der aufrüttelt und sprachlos macht! Ein intensiver, ein schwieriger aber absolut lohnenswerter Film!

Christian Funke-Smolka