“Weltengänger” (Capelight Pictures)

“Weltengänger” (Capelight Pictures)

Kirill ist ein junger und talentierter Computerspiel-Designer mit einem gut bezahlten Job und einer bildschönen Freundin. Er führt ein nahezu perfektes Leben – bis zu dem Tag, an dem sich alles ändert: In seiner Wohnung lebt plötzlich eine fremde Frau und weder Freunde noch Verwandte können sich an ihn erinnern. Es scheint, als wäre seine gesamte Existenz ausgelöscht worden. Auf der Suche nach Antworten findet Kirill heraus, dass er als „Weltengänger“, eine Art Wächter zwischen den Parallelwelten, auserwählt worden ist. Um sein früheres Leben zurückzugewinnen, muss Kirill das Rätsel um die geheimnisvollen Welten lösen – und entdeckt dabei etwas, das größer ist als alles, was er sich vorstellen kann…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Capelight Pictures gewährt uns mit dem hier vorliegenden Weltengänger erneut einen Blick auf einen nicht uninteressanten russischen Blockbuster. Das deren Filme sich durchaus nicht hinter den US-amerikanischen Pendants verstecken müssen, wird auch hier wieder deutlich. Denn Regisseur Sergey Mokritskiy (Red Sniper – Die Todesschützin) präsentiert hier eine weitere Verfilmung nach einem Bestseller von Wächter der Nacht-Autor Sergej Lukianenko. Der Film handelt von dem jungen Computerspiel-Designer Kirill (Nikita Volkov), dessen Kariere nach einer sensationellen Programmierung steil nach oben zu gehen scheint. Leider wirkt sich dies nicht auf sein Privatleben aus, denn seine Freundin gibt ihm den Laufpass. Doch es kommt noch schlimmer, denn plötzlich wohnt in seiner Wohnung eine ihm unbekannte Frau, seine Freunde und Arbeitskollegen erkennen ihn nicht mehr und er scheint allgemein eine nicht existente Person zu sein. Nach einigen merkwürdigen Vorkommnissen erfährt er, dass er ein sogenannter Zöllner zwischen den Welten sei. Er ist ein Weltengänger, der einen Durchgang zu Paralleluniversen bewachen muss. Ein vorerst spannender und äußerst abwechslungsreicher Job, bis jedoch eine weltenbedrohende Gefahr droht, die nur er bekämpfen kann…

„Welche Welt wählst du?“

In einigen Punkten ähnelt der russische dem amerikanischen Blockbuster frappierend: beide leben den Hang zum effektgeladenen visuellen Bombast mit Leidenschaft aus und frönen einem Hang zum Pathos. Da kleine Gesten oft unbemerkt bleiben, führt man diese besser im großen Stil aus, was in natura wahrscheinlich lächerlich wirken würde, im Film jedoch gerne genutzt wird… quasi emotionales CinemaScope. So ist auch Weltengänger ein überlebensgroßer SteamPunk-Sci-Fic-Actioner, der mit größtenteils sympathischen Darstellern, hervorragend getricksten Effekten und einer interessanten Story punkten kann, die jedoch das hohe Tempo und die interessante Grundidee nicht über die komplette Laufzeit aufrecht erhalten kann, so dass ihr im Mittelteil ein wenig die Puste ausgeht, beziehungsweise man gelegentlich als Zuschauer bei den ganzen Handlungs- und Genresprüngen den Faden verliert. Denn Weltengänger ist nicht einfach nur Science Fiction, sondern auch ein Fantasy- und Liebesfilm mit sozial- und gesellschaftskritischen Aspekten. Inhaltlich eventuell ein wenig überladen, dafür jedoch angenehm unpatriotisch ist es für den Zuschauer höchst unterhaltsam, Kirill dabei zuzuschauen, wie er nicht nur sich und seine Persönlichkeit, sondern auch seine große Liebe und gleichzeitig die ganze Welt, beziehungsweise das Multi-Universum retten muss. Kennt man, hat man selber wahrscheinlich auch schon einige Male erlebt und kann sich deshalb besonders gut hineinversetzen. Man merkt, inhaltlich vielleicht nicht ganz ernst zu nehmen, aber durchweg toll anzuschauen und unterhaltsam!

 

 

Weltengänger (Originaltitel: Chernovik, Russland 2018) erscheint bei Capelight Pictures als DVD, Blu-ray im Schuber und Blu-ray-Steelbook. Mir stand das Blu-ray-Steelbook zur Ansicht zur Verfügung, welches schon in seiner hübschen Aufmachung ein kleiner Hingucker ist. Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch & Russisch: dts-HD Master Audio 5.1) befanden sich auf einem qualitativ ordentlichen Niveau, im Bonusbereich gab es zudem den Trailer und eine Programmübersicht.

Weltengänger ist ein aufwändig inszenierter, sauber getrickster Steampunk, der in der ersten Hälfte hervorragend unterhält, es jedoch in der zweiten Hälfte mit seinen zahlreichen Figuren, den Orts- und Handlungssprüngen ein wenig übertreibt und dadurch unübersichtlich wird. Was jedoch durchweg begeistern kann ist die visuelle Umsetzung und die teils herrlichen Ideen, die speziell in der ersten Hälfte das Interesse hochhalten. Wer mal einen Blick über den filmischen Tellerrand werfen möchte, sollte deshalb unbedingt zugreifen!

Christian Funke