Weltpremiere von "Lommbock" am 14. März 2017 in Köln

Weltpremiere von „Lommbock“ am 14. März 2017 in Köln

15 Jahre sind vergangen, seitdem Stefan (Lucas Gregorowicz) seiner Heimatstadt Würzburg den Rücken gekehrt hat, Eigentlich wollt er sich den Wunschtraum erfüllen, in der Karibik eine Strandbar zu eröffnen. Stattdessen hat er als Anwalt Karriere gemacht und steht nun in Dubai kurz davor, die toughe Geschäftsfrau Yasemin (Melanie Winiger) zu heiraten, deren Vater einer der einflussreichsten Männer der Emirate ist. Allerdings braucht er schnell noch seine Geburtsurkunde, die er sich in Deutschland abholen muss. Kein Ding. Kurz einfliegen und gleich wieder raus. Denkt Stefan. Doch dann trifft er seinen alten Kumpel Kai (Moritz Bleibtreu) wieder, mit dem er damals den Cannabis-Pizzalieferservice „Lammbock“ betrieben hat. Kai lebt jetzt in einer Kleinfamilie und schlägt sich mit einem neuen Asia-Lieferservice durch, den er „Lommbock“ nennt. Ein letzter gemeinsamer Joint bringt ungeahnte Probleme und wird für die Freundschaft der beiden zur echten Herausforderung: Denn die Vergangenheit kickt mitunter zeitverzögert… (Info Pressetext)

Meinung zum Film

Mit Lammbock hat Christian Zübert (Regie und Drehbuch) 2001 eine der ersten deutschen und vor allem kinowürdigen Kifferkomödien entstehen lassen, welche die Verhältnisse um die 2000er wunderbar authentisch dargestellt hat. Und obwohl Zübert sich zunächst strikt gegen eine Fortsetzung des Filmes weigerte, um den Film nicht mit einer gezwungenen Fortsetzung kaputt zu machen, liess er sich durch Moritz Bleibtreu doch dazu bringen, an einem würdigen Nachfolger zu arbeiten. Insgesamt 15 Jahre liess er sich Zeit, bis nun endlich Lommbock ab dem 23.03.2017 in den Kinos läuft und wir hatten die Chance, an der Weltpremiere in Köln teilzunehmen!

Ein schöner Abend, an dem der gesamte Cast und Crew anwesend waren. Vom roten Teppich, an dem man sich über schöne Gruppenfotos mit dem Hauptcast freuen konnte, ging es auch gleich weiter ins Kino, wo endlich der Film gezeigt wurde. Wie zu erwarten gab es vor Filmbeginn natürlich eine kurze Ansprache eines Cinedom Mitarbeiters, der nett im Namen der Gastgeber darauf hinwies, dass es auf den Toiletten nun doch verdächtig süßlich roch und darum bat, alles was leuchten könnte im Saal während der Vorstellung bitte zu unterlassen (das Gelächter im Kino daraufhin war dementsprechend herzlich laut) und los ging es mit dem Film.

Lammbock war zu seiner Zeit der absolute Kino-Hit für eine riesige Zielgruppe und quasi der erste deutsche Kifferfilm, der zu 100% kinowürdig war und zeigte, dass auch Deutschland den sonst nur aus Amerika bekannten offenherzigen Umgang mit Drogen, Alltagsproblemen und Co. im „Griff“ hat. Zübert stellte die Verhältnisse um die 2000er wunderbar authentisch dar und die beiden Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz harmonierten im Auge des Zuschauers einfach perfekt miteinander. Nun ist die Frage, kann man einen solch einmaligen Film 15 Jahre später ehrwürdig fortsetzen? Die Antwort ist eindeutig . JA! Obwohl Zübert sich lange weigerte den ersten Teil mit einer gezwungenen Fortsetzung möglicherweise kaputt zu machen, liess er sich durch Bleibtreu letztendlich doch zu einem zweiten Teil überreden. An dieser Stelle: herzlichen Dank, Herr Bleibtreu!

Der Film spielt wieder ein einer eher Provinz ähnelnden Gegend in Würzburg, also kein Big-City-Life-Film, wie man es bei den aktuellen Kinoschlagern erwarten könnte, sondern ganz treu dem ersten Teil, realistisch und wieder für eine grosse Zielgruppe im sozusagen letzten Kaff spielend.

Natürlich, es sind einige Jahre vergangen und der Zuschauer, der damals mit leuchtend roten Augen im Kino sass, fragt sich, was aus Kai und Stefan geworden ist, denn irgendwie ist man ja mit erwachsen geworden (oder auch nicht…)

Ich persönlich hatte wunderbare 90 Minuten, in denen viel gelacht, geschmunzelt und mitgefiebert wurde. Neben einem 1A Soundtrack (gute Reggae Untermalung für die verrauchten Szenen, einige Classics und weitere passende Songs) bietet der Film super Unterhaltung dadurch, dass die beiden Hauptcharaktere quasi immer noch die selben sind wie früher.

Kai, der es nach 25 Jahren immer noch nicht vom THC weg geschafft hat und Stefan, der glaubt in Dubai seine Bestimmung gefunden zu haben. Sogar Tourette Frank ist wieder dabei und bietet zwischendrin herrliche Lacher.

Mit sau lustigen Sprüchen und seiner gewohnten (kiffer-) Art erobert Kai alias Moritz Bleibtreu erneut die Herzen der Zuschauer. Auch wenn er älter geworden ist (was ihm definitiv nicht schlecht steht), haut er im Film einen witzigen Spruch nach dem anderen raus, was teilweise improvisiert und somit nur noch sympathischer rüber kommt. Durch die Probleme die Kai mit seinem Stiefsohn hat, verstärkt sich seine gewollte Art jung und cool zu bleiben, was zwar äußerst amüsant ist, teilweise im Film jedoch ab und zu etwas zu gewollt aufgesetzt und möglicherweise etwas zu amerikanisiert wirkt. Die Figur Kai versucht jung zu bleiben, was er durch seine Art irgendwie immer schafft, jedoch sind stellenweise in einigen Dialogen zu viel „Bruda“, „YOLO“ und Co vertreten. Im Film wird das durch die Anwesenheit seines besten Freundes, den er durch eine vorgetäuschte Krankheit dazu bringt, die letzten 2 Wochen vor seiner Hochzeit bei sich in Würzburg zu verbringen, deutlich verstärkt – immerhin scheint Stefan das perfekte Leben zu führen. Scheint. Denn obwohl er auf den ersten Blick alles hat was man sich unter einem optimalen Leben nur vorstellen kann – immerhin soll er bald eine wunderschöne, wohlhabende Araberin heiraten-, lässt er sich (der guten alten Zeiten und der ansteckenden Art Kais wegen) ziemlich schnell wieder zu alten Mustern überreden, was dem Zuschauer zeigt, dass er dem „alten“ Leben noch nicht ganz Tschüss gesagt hat. Inkonsequent wie früher lässt Stefan sich von Kai in die unmöglichsten Situationen reiten, was meiner Meinung nach etwas zu gezwungen für den Verlauf der Handlung des Filmes ist.

 

 

„…Immer noch das Dreamteam von früher?“ – JA!

Trotz dessen bietet das harmonische Zusammenspiel der beiden einen Lacher nach dem anderen. Durch nette „Nebengeschichten“ wie eine spezielle Grassorte, die alle Konsumenten urplötzlich und mitten aus dem Kontext gerissen polnisch sprechen und verstehen lassen, oder Sprüche über die „genmanipulierte Haze-Scheisse“, welche heutzutage auf den Straßen im Umlauf ist, bietet Zübert dem Zuschauer kaum die Möglichkeit mehr als 3-4 Minuten am Stück nicht zu lachen. Auch Auftritte von Tourette-Frank, der seinem Namen wieder alle Ehre macht, oder (mittlerweile) „10 Jahre Bau“, die alle älter geworden sind, aber auf eine angenehme Art und Weise irgendwie doch nicht, bringen grade den Fans des ersten Teils eine Menge Spass.

Fazit:

Als Riesen-Fan des ersten Filmes, bin ich sicherlich kein objektiver Kritiker, jedoch wurden meine Erwartungen komplett erfüllt! Eine schöne Fortsetzung unseres deutschen Lieblings Kiffer-Duos, auf die wir lange genug warten mussten. Und für die, die Lammbock noch nicht gesehen haben und zweifeln dass man Lommbock ohne den Input des ersten Teiles vielleicht nicht so zu würdigen weiß: Geht ins Kino. Schaut euch den Film an. Ihr werdet ihn mögen, versprochen!

 

Kaya Smolka & Christian Funke