Zoo

Zoo

Zoo
(KinoKontrovers)

 

Die Veröffentlichungen der Reihe KinoKontrovers sollen zum nachdenken anregen, im günstigen Fall sogar aufrütteln, in jedem Fall aber nicht dem Massengeschmack folgen. Dies ist lobenswert, zumal die Wiederveröffentlichungen äußerst liebevoll und sehr ansprechend gestaltet werden. So liegen die Filme in einer technisch guten Qualität als DVD vor, die Aufmachung selber erinnert an ein Buch, in welchem man links den Film und auf der gegenüber liegenden Seite ein passendes Booklet mit Informationen, Bildern und Texten zum Film vorfindet (in dem Fall des vorliegenden Dokumentarfilmes wurde ein Text von Marcus Stiglegger plus Interviews mit dem Regisseur Robinson Devor verwendet). Im Bonusmaterial der DVD befinden sich zusätzlich noch ein Audiokommentar des Regisseurs und des Co-Drehbuchautoren Charles Mudede, so wie der Kinotrailer.

Zoo ist ein Dokumentarfilm, der sich mit einem Thema auseinandersetzt, welches auch in der heutigen Zeit, wo es in der Regel schwierig ist, durch eine sexuelle Ausrichtung zu provozieren, immer noch für Ablehnung und Fassungslosigkeit sorgt. Ausgangspunkt ist ein realer Fall aus dem Jahr 2005, wo es in dem ruhigen Dorf Encumlaw im Staate Washington zu einem äußerst bizarren Todesfall kam. Der anerkannte Ingenieur Kenneth Pinyan starb an inneren Blutungen im Darmbereich, nachdem er Sex mit einem Hengst hatte. Da es in diesem Staat zu der Zeit kein Gesetz gegen den Geschlechtsverkehr mit Tieren gab, gründete sich eine Gruppe Gleichgesinnter, welche sich in regelmäßigen Abständen sowohl im Internet in einschlägigen Foren oder auf abgelegenen Farmen trafen, um ihre Vorlieben auszuleben. Der auf den Todesfall folgende Medienskandal sorgte zeitnah für die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes, welche solche Praktiken verbot, und alle Clubmitglieder mussten zukünftigen Aktivitäten abschwören.

Hier nun setzt Zoo ein, der die Thematik halb als Dokumentation, halb mit nachgestellten Szenen darstellt (hier finden sich dann Darsteller wie Ken Kreps-The Office, Russel Hodgkinson –Big Fish oder John Paulsen – Visioneers).

Der Film selber ist sehr poetisch, teils sogar kitschig inszeniert, die Bilder schwelgen Postkarten ähnlich in Landschaften, unterlegt mit ruhiger und stimmungsvoller Musik. Doch genau hier liegt aus meiner Sicht das Problem von Zoo, denn verharmlost die Thematik auf ärgerlichste Weise. Statt die Thematik kritisch zu hinterfragen, wird Menschen und ihren Ansichten ein Forum geboten, ihre Praktiken zu verharmlosen, ihre Gegner als intolerante Menschen, und sich selbst als besonders Tierlieb darzustellen. Aber dies ist eine besonders dreiste Form des „schön-redens“! Da das Tier nur als Objekt der Lust wahrgenommen wird, welchem man sich bedient, ist diese Praktik in meinen Augen eine Form des Missbrauchs, die nicht beschönigt gehört! Da es aber in dem gesamten Film keine kritische Gegenstimme gibt, bleibt die Aussage sehr einseitig, und die Interviews mit den beteiligten Männern, welche sich allesamt als verfolgte Minderheit sehen, sehr ärgerlich!
Hier vertut der Regisseur die Chance, sich neutral aber kritisch mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Wäre dies geschehen, hätte Zoo ein wirklich guter Dokumentarfilm sein können, so jedoch ist man als Zuschauer im günstigsten Fall irritiert.

CFS