Vanquish

Sam, der Hauptcharakter des Spiels, in seiner High-Tech-Rüstung

Sam, der Hauptcharakter des Spiels, in seiner High-Tech-Rüstung

Vanquish

Entwickler: Platinum Games

Publisher: SEGA

THIRD-PERSON-SHOOTER

Shinji Mikamis neuer Streich steht zwar schon seit Ende Oktober letzten Jahres in den Läden, trotzdem sollten die, die sich diesen Titel bisher nicht näher angeschaut haben, das noch nachholen, denn Vanquish setzt an vielen Stellen, wo andere Spiele es nur gut machen, noch ein Sahnehäubchen mit Cocktailkirsche oben drauf.

Shinjiwer?

Shinji Mikami kennen einige von euch vielleicht schon. Er ist ein ehemaliger Capcom-Mitarbeiter, genauergesagt von dessen Tochterunternehmen Clover Studio, welches unter anderem für die Spiele Viewtiful Joe und Okami verantwortlich war. Außerdem hatte Mikami bei den meisten Resident Evil Teilen als Director, Executive Producer, Adviser und Background-Modeler seine Hände im Spiel. Hände im Spiel. Ihr versteht? Haha. 2006 entschied sich Capcom allerdings dafür, das Tochterunternehmen Clover Studio zu schließen. Das fand Mikami doof und gründete mit zwei früheren Kollegen kurzerhand ein eigenes Studio mit dem Namen Seeds Inc., das später in Platinum Games umbenannt wurde. 2008 gab’s dann einen Vertrag über vier Spiele mit dem Publisher SEGA, Vanquish ist das Vierte davon.

Sam kann den Boost benutzen, um mit hoher Geschwindigkeit über den Boden zu rutschen.

Der "Boost"

Die „Story“

Und damit zum Hauptthema. Vanquish lässt sich nur schwer allgemein beschreiben, am treffendsten aber ungefähr so: Es ist wie Gears Of War auf Speed. Die Erde kämpft durch Ressourcenknappheit ums Überleben, deshalb setzt Amerika einen Solarsatelliten in den Orbit, der die Nation mit gebündelter Sonnenenergie versorgen soll. Russlands Regierung wird kurz darauf von Ultranationalisten übernommen, die den Solarsatelliten der Amerikaner einnehmen, dessen gesamte Energie bündeln und einen riesigen Laserstrahl auf San Francisco abfeuern. Sie fordern die Kapitulation Amerikas, bekommen allerdings einen Krieg.

Ihr spielt den DARPA (Defence Advanced Research Projects Egency) Forscher/Soldaten Sam und seid Mitglied eines Special Forces Team, das sich den Russen entgegenstellen soll. Ausgerüstet mit der ARS (Augmented Reaction Suit), die es euch durch Düsenantriebe an Armen und Beinen ermöglicht, pfeilschnell über den Boden zu schliddern, und dem BLADE (Battlefield Logic ADaptable Electronic Weapons System), ein Gerät, das sämtliche existierende Waffe scannen und in Beschaffenheit und Funktion nachbilden kann, popelt ihr jeden russischen Kampfroboter aus seiner Deckung. Die Waffen lassen sich übrigens mit in der Gegend herumliegenden Upgrade-Packs in Kategorien wie Magazingröße, Feuerrate, Schaden und Anderen verbessern.

In Sachen Flow ist das Spiel durchaus mit anderen Entwicklungen wie beispielsweise Bayonetta vergleichbar. Denn wenn man einmal die Steuerung verinnerlicht hat, kombiniert man die verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten wie eine Art Combo und hüpft so durch die Levels wie ein Gummiball, der den Physikunterricht geschwänzt hat. Drückt man dann im richtigen Moment eine bestimmte Taste, wird euch auch noch ein netter Zeitlupenmodus spendiert.

Einige Fähigkeiten wie etwa der Boost, mit dem ihr auf dem Boden herumsaust, zehren allerdings an der Energie eures Anzugs. Diese lädt sich zwar sofort wieder auf, wenn ihr sie kurzzeitig nicht benutzt, habt ihr es jedoch einmal übertrieben, überhitzt sie, was sie für einige Momente unbrauchbar macht.

Ein etwas größerer Gegner von Sam. Die Levelbosse sind unter Umständen zwei- bis dreimal so groß.

Dieser Gegner ist kein Kanonenfutter...

Und sonst?

Und das war es im Prinzip mit der Spielmechanik. Simpel und ohne überflüssigen Schnickschnack. Einen Großteil des Spielspaßes macht der geniale Style und die riesigen Levelbosse aus. Nicht umsonst bekam das Spiel von GamesRadar einen Award für „Most „Oh Shit“ Moments Per Minute“. Die Levelbosse sind sehr groß, schießen gerne mal Raketensalven, die den Himmel verdunkeln, oder sind sonst irgendwie sehr verschwenderisch was Munition angeht.

Alle diese Bosse, aber auch größere Gegner, haben Schwachpunkte, die durch euren Anzug mit einem roten Achteck markiert sind. Dies sind meistens Gelenke an Armen oder Beinen, die bei Zerstörung die zugehörige Gliedmaße unbenutzbar machen. Um den Gegner effizient um die Ecke zu bringen, müsst ihr allerdings seinen rot glühenden Energiekern zerschießen, der sich dramatischer Weise dort befindet, wo bei einem Menschen das Herz gewesen wäre.

Kurz und knackig

Leider ist das Effektfeuerwerk nach etwa 4 Stunden durchgespielt, für Langzeitmotivation sorgen lediglich ein Highscore-System und ein Herausforderungsmodus, indem ihr auf kleinen Karten eine Gegnerhorde möglichst schnell vernichten müsst. Multiplayer- oder Kooperationsmodus Fehlanzeige.

Trotzdem, Vanquish haut einen einfach vom Hocker, vorausgesetzt man hat genug Nerven um sich die erste halbe Stunde durchzuschlagen ohne auch nur den geringsten Plan zu haben, was gerade auf dem Bildschirm passiert. Wer Third-Person-Shooter liebt, muss also beherzt zugreifen, wer auf Hack’n’Slay steht und Bock hat, seinen Horizont etwas zu erweitern, dem sei dieses Stück ebenfalls ans Herz gelegt. Vielleicht haben sogar Epileptiker eine Chance dieses Spiel zu genießen, vorausgesetzt sie besitzen einen Schwarz-Weiß-Fernseher und tragen beim Spielen eine Sonnenbrille.