Dorian Hunter - Amsterdam  (Folgenreich)

Dorian Hunter – Amsterdam (Folgenreich)

Im Haus des Antiquitätenhändlers Thören Rosqvana hoffte Dorian Hunter den goldenen Drudenfuß zu finden – das einzige Mittel gegen den Dämonendrilling. Doch der Fund erwies sich buchstäblich als Illusion, und im Kampf gegen den Vampir starb Dorians väterlicher Freund Norbert Helnwein. Rosqvanas Kopf wurde vom Körper getrennt und lebt eigenständig weiter. Dorian kann ihn nicht töten, denn Rosqvana ist der Einzige, der weiß, wo sich der echte Drudenfuß befindet – und die Reise nach Amsterdam beginnt…

Meinung zum Hörspiel:

CoverWir befinden uns in den 70ern des letzten Jahrhunderts, die Horror-Heftromane befinden sich in der Blüte ihrer Zeit. Einer ihrer Helden ist Dorian Hunter, der Dämonenkiller aus der Feder der Autoren Paul Wolf und Neal Davenport. Die erst als lose Serie konzipierte Heftreihe etablierte sich schnell am Markt, und wurde dort eine feste Größe, oftmals jedoch gebeutelt von den damaligen Kontrollinstanzen, welche einige der Hefte indizierten.
Merkmal der Reihe war von jeher, dass sich mehrere Autoren um die Reihe kümmerten, und Wert darauf gelegt wurde, nicht ausschließlich in sich abgeschlossene Einzelabenteuer zu verfassen, sondern auch ganze Zyklen als Mehrteiler zu konzipieren. Dadurch gelang es schnell, dem Universum um den Dämonen-Killer eine besondere inhaltliche Tiefe zu verleihen.

Seit dem Jahr 2000 jedoch wird die Serie nun im Zaubermond – Verlag unter dem Titel Dorian Hunter neu aufgelegt und weitergeführt.
Seit 2008 wird vom selben Verlag und dem Label Folgenreich auch die Hörspielreihe vertont, wobei sich für Script und Regie Marco Göllner verantwortet. Wie von dieser Reihe gewohnt, setzt man auf die bewährten charismatischen Sprecher wie etwa Thomas Schmuckert, und holt sich regelmäßig prominente Gastsprecher dazu. Produziert von Dennis Erhardt und musikalisch untermalt von Joachim Witt zeigt sich die Hörspiel-Reihe um den Dämonenkiller nun seit 24 Folgen auf einem sehr hohen Niveau.

Wenn eine Geschichte aus dem Dorian Hunter-Universum „Amsterdam“ lautet, ist dem geneigten Zuhörer klar, dass man es hier nicht mit einer Butterfahrt zu tun hat, oder es darum geht, eine schöne Sightseeingtour zu veranstalten. Unsere Protagonisten Hunter, Coco Zamis, Marvin Cohen und Donald Chapman sind im Zug auf den weg nach Amsterdam. In einem Karton transportieren sie den abgetrennten, permanent quasselnden Kopf von Thören Rosqvana. Denn dieser möchte in Amsterdam von einem verrückt-genialem Schweizer Schwarzmagier im Exil einen neuen Körper spendiert bekommen. Der Lohn für die ihn transportierenden soll die Nennung des geheimen Verstecks des legendären Drudenfußes sein. Doch natürlich kommt alles anders als erwartet, was zu manch unschönen Momenten für Hunter und seine Leute führt.

Marco Göllner gibt mit dieser Folge seinen Ausstand. Dies ist schade, da er einen unvergleichlichen Stil hatte, der sowohl Spannung als auch Dynamik in eine Geschichte brachte. Sein Händchen, komplexe Geschichten auf mehreren Ebenen aufzubauen und trotzdem sehr zielgerichtet zu erzählen, machte die Dorian Hunter-Reihe zu dem, was sie heute ist. Bleibt nun abzuwarten, wie es weitergeht und ob das Niveau gehalten werden kann! Amsterdam ist auf jeden Fall eine sowohl herrlich witzige als auch sehr spannende Geschichte mit viel Tempo, Action und Buddy-Humor. Hier stimmt eigentlich alles, denn morbider Humor trifft auf Slapstick und grandiose Dialoge, dank des gelungenen Sounddesigns entsteht eine beeindruckend dichte Atmosphäre, die der Frankenstein-Thematik neues Blut einflößt. Ich habe mich über eine Stunde hervorragend amüsiert und kann deshalb nur meine Empfehlung aussprechen!!

Ach ja, unbedingt den Abspann durchhören!!!

Christian Funke-Smolka