Professor Dr. Dr. Dr. Augustus Van Dusen:  „Wettbewerb der Detektive“ - Episode 8 (Folgenreich/ Universal Music Family Entertainment)

Professor Dr. Dr. Dr. Augustus Van Dusen: „Wettbewerb der Detektive“ – Episode 8 (Folgenreich/ Universal Music Family Entertainment)

 

Professor Dr. Dr. Dr. Augustus Van Dusen ist eine menschliche Denkmaschine mit bestechender Intelligenz!
Erdacht wurde die Figur 1900 von dem amerikanischen Schriftsteller Jacques Futrelle (09. April 1875 – 15. April 1912, verstorben beim Untergang der Titanic), der mit seinem Protagonisten den Inbegriff des modernen Wissenschaftlers aus damaliger Sicht verkörpern wollte. Seinen herausstechenden Intellekt nutzte er, um quasi nebenbei verzwickte Verbrechen aufzuklären.
Da jeder brillante Ermittler einen Partner an seiner Seite braucht, hat Van Dusen seinen Assistenten, Chronisten und guten Freund Hutchinson Jefferson Hatch Jr. an der Seite. Hat die Rolle des Adlatus Hutchinson Hatch in den Romanen noch eine eher untergeordnete Funktion, wird diese in den Hörspielen stärker ausgebaut, dient er hier doch als Erzähler und Fragender. Gesprochen wird er in der Hörspielreihe von Klaus Herm.

1978 nahm sich Michael Koser der Buchreihe an, und erschuf für RIAS Berlin die Hörspielversion dieser humorvollen historischen Krimireihe. Unterstützt wurde er dabei von seinem damaligen Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programms Hans Rosenthal (Dalli Dalli), und dem Hörspiel-Regisseur Rainer Clute. Zusammen erschufen sie eine Reihe, welche sehr schnell über das normale Maß der literarischen Vorlagen hinausging, und durch das aufeinander eingespielte Team um weitere Geschichten adäquat ausgebaut wurde.
Sehr schnell wuchs die Fangemeinde, und mit ihnen auch das Team, welche die Hörspiele entwickelte. So kam es, dass in über 20 Jahren 77 anspruchsvolle, intelligente und trotzdem sehr unterhaltsame Episoden aus dem Leben des Van Dusen veröffentlicht wurden.
Auf Grund der großen Nachfrage seitens der Fans dieser Serie veröffentlicht Folgenreich diese Hörspiel-Reihe nun noch einmal in der chronologischen Reihenfolge, nachdem sämtliche Rechtsstreitigkeiten, die eine Wiederauflage erst verzögerte, beseitigt wurden.

Bei dem vorliegenden Wettbewerb der Detektive handelt es sich um die achte Episode, welche besonders reizvoll für die geneigten Hörer ist, da man hier in den Genuss kommt, gleich zwei Superhirne bei der Arbeit zu beobachten.

Wir schreiben das Jahr 1903, es ist Spätsommer in London, und das englische Königshaus steht Kopf. Der britische Innenminister ist aus einem verschlossenen Arbeitszimmer seines Hauses in Doncaster auf geheimnisvolle Art und Weise spurlos verschwunden. Da dies ein unhaltbarer Zustand ist, beauftrag König Edward VII höchstpersönlich den amerikanischen Amateurkriminologen Professor Dr. Dr. Dr. Augustus Van Dusen.
Da man aber einen urbritischen Fall nicht einfach einem Amerikaner übergeben kann, stellt man ihm zur Seite den erfolgreichen und bekannten britischen Meisterdetektiv Shemlock Homes (NEIN! Es handelt sich hier auf Grund von Namensrechten und deren Nutzung nicht um einen Rechtschreibfehler meinerseits ^^). Der Wettbewerb der Detektive kann beginnen!

Die Geschichte ist schon auf Grund ihrer skurrilen Grundsituation fantastisch! Die Charakterzüge der Detektive werden herrlich absurd überspitzt, so dass neben den geschliffenen Dialogen eine herrliche Portion trockenen Humors zu spüren ist. Lothar Blumhagen spricht den arrogant auftretenden Homes mit einer ansteckenden Freude, dass es einfach Spaß macht, ihn zuzuhören, auch wenn er den von ihm dargestellten Charakter, den ich im übrigen sehr schätze, doch ziemlich auf „die Schippe“ nimmt.
Aber auch Van Dusen, an sich selbst schon eine Parodie auf zwei Beinen, wird weiterhin charakteristisch überzogen portraitiert, so dass man hier einem charmanten Schlagabtausch zweier total überzogener Superhirne beiwohnt, die immer nur von ihren sympathisch bodenständigen Assistenten auf die Erde zurückgeholt werden können.

Auch die achte Episode Wettbewerb der Detektive ist ein gewohnt hochwertiger, charmant altmodischer Hörgenuss, der mit tollen Sprechern und gerade bei dieser Geschichte einem überbordend kreativen und irrwitzigen Drehbuch einen Spaß verbreitet, den man in einem Hörspiel nur selten antrifft. Man merkt deutlich, dass allen Beteiligten gerade diese kleinen Kuriositäten und parodistischen Einlagen am Rande unglaublichen Spaß gemacht haben, so dass ein kurzweiliges, und auch heute noch sehr unterhaltsames Hörspiel entstanden ist.

Christian Funke-Smolka