Tom C. Winter: „Lena Eichhorn und die Frostkriege“ (Oldib Verlag)

Tom C. Winter: „Lena Eichhorn und die Frostkriege“ (Oldib Verlag)

Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf.

Sie haben Wichtigeres zu tun …

Die elfjährige Lena fühlt sich einsam. Seit dem Umzug nach Irland streiten ihre Eltern ständig, und in der Schule findet sie keine Freunde.

Statt nach Hause zu gehen, beobachtet sie lieber Eichhörnchen im Park. Als eins davon sie beißt, ahnt sie nicht, welche Folgen das haben wird: Pinselohren, Puschelschwanz, rotes Fell und scharfe Krallen – bei Vollmond verwandelt sie sich selbst in ein Eichhörnchen!

Im Mondlicht gleich hinter dem Gartenzaun kommt Lena alten Geheimnissen auf die Spur und findet neue, mutige Freunde. Gemeinsam stellen sie sich einer großen Bedrohung…

© Tom C. Winter & Oldib Verlag

Meinung zur Veröffentlichung:

Aufgrund einer neuen Arbeitsstelle ist die Familie der elfjährigen Lena nach Galway an die Westküste Irlands gezogen. Doch das Mädchen fühlt sich nicht wohl. Der Vater kommt erst spätabends nach Hause, es gibt ständig Streit zwischen ihren Eltern und Lena findet in der Schule keinen Anschluss. Traurig verbringt sie ihre Zeit nach dem Unterricht im nahegelegenen Merlin Park Woods und füttert Eichhörnchen. Doch ihre Welt gerät völlig aus den Fugen, als sie von einem Eichhörnchen gebissen wird. Denn es handelt sich hier um Nuknuk – die eigentlich Mondkind Naseweiß heißt – und das junge Mädchen in ein Werhörnchen verwandelt, wodurch sie fortan bei Vollmond für eine Nacht zu einem Eichhörnchen wird. In diesen Nächten lernt Lena, die von den anderen Hörnchen Blutpelz genannt wird, nicht nur viel über das Leben der Eichhörnchen, speziell den Eichhörnchen vom Stamm des alten Walnussbaums, sondern auch ihren mutigen und selbstlosen Einsatz im Kampf gegen den Frost…

© Trailer: House of Woe

Ich persönlich finde es ja immer wieder spannend, gute Jugendbücher zu lesen! Entsprechend erfreut war ich über Lena Eichhorn und die Frostkriege, bietet es doch genau die Zutaten in ihrer reinsten Form, die ich an einem guten Buch schätze. Mit der Hauptfigur der elfjährigen Lena gelingt es Autor Tom C. Winter, eine glaubhafte Figur zu skizzieren, die in ihrem Handeln und ihren Gefühlen äußerst lebendig wirkt. Durch einen Zwischenfall gerät sie in die phantastische Situation, sich bei Vollmond zu verwandeln und in einer gleichwohl bekannten, als auch ungewohnten und gefährlichen Umgebung behaupten zu müssen. Während ihr reales Leben deprimierend verläuft, erlebt sie als Werhörnchen tollkühne Abenteuer und übersteht zahlreiche gefährliche Situationen mit Verstand und Mut.

Genau hier liegt die Stärke des wunderschön geschriebenen Romans. Denn es ist ein für Jung und Alt faszinierendes und spannendes Buch mit einer fesselnden Geschichte, die in ihrer Phantastik trotzdem glaubhaft und nachvollziehbar bleibt, dem erwachsenen Lesenden zahlreiche Parallelen zum aktuellen Geschehen bietet und gleichzeitig Mut macht, sich seinen Ängsten zu stellen. Denn nur mit Mut, Verstand und Selbstvertrauen kann es einem gelingen, brenzlige Situationen zu überstehen und Angstgegnern die Stirn zu bieten… und manchmal stellt man dabei fest, dass der Gegenüber auch eine Person mit eigenen Ängsten und Sorgen ist.

Schön und sehr bildhaft geschrieben, wird das Buch, welches im Oldib Verlag erscheint (296 Seiten, 14,50 Euro) durch die wunderschönen Zeichnungen von Matt Fynch veredelt. Ich für meinen Teil habe es sehr genossen und mich tief in die Geschichte ziehen lassen. Das Ergebnis neben der spannenden Unterhaltung ist, dass ich nun bei meinen Spaziergängen im Park oder dem Blick in den Innenhof Eichhörnchen mit komplett anderen Augen sehe und wahrnehme und versuche, mir ihr Leben und ihre Bemühungen, dem Frühling den Boden zu bereiten (wie passend, wo doch die frostige Jahreszeit auch dieses Jahr besiegt zu sein scheint!) vorzustellen versuche. Vielen Dank dafür, Tom C. Winter!      

Mit Lena Eichhorn und die Frostkriege präsentiert Tom C. Winter für mich schon jetzt eine der schönsten Geschichten dieses noch relativ jungen Jahres. Eine Geschichte für Jung und Junggebliebene, die einem in ihrer Schönheit ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Abenteuer von Lena und Nuknuk sind spannend und bildhaft erzählt, so dass man als Leser sofort tief in das Geschehen eintaucht. Hier wünschte ich mir, dass meine Kinder noch jünger wären und ich ihnen diese Geschichte abends vorlesen und mit ihnen mitfiebern könnte. So jedoch bleibt mir nur, ihnen das Buch zu leihen (wahrscheinlich nicht zurückzubekommen ^^) und anschließend lebhaft darüber zu diskutieren. Wer Spaß an einer spannenden und gut erzählten Geschichte hat, sollte hier also unbedingt zugreifen! Es lohnt sich!

Christian Funke