"Hänsel und Gretel” (Capelight Pictures)

„Hänsel und Gretel” (Capelight Pictures)

Regie: Len Talan

Darsteller: David Warner, Hugh Pollard, Nicola Stapleton, Cloris Leachman, Emily Richard

Hänsel und Gretel, die Kinder einer verarmten Holzfällerfamilie, verlaufen sich im tiefen Wald. Auch den Pfad aus Brotkrumen, der ihnen den Weg zurück nach Hause zeigen sollte, können die beiden nicht mehr finden – hungrige Vögel haben die Krümel genüsslich aufgepickt. Nach langer Suche gelangt das Geschwisterpaar zu einem merkwürdigen Haus, das ganz aus Lebkuchen und anderen köstlichen Naschereien gemacht ist. Die alte gutmütige Frau, die das seltsame Häuschen bewohnt und den Kindern Unterschlupf und Essen bietet, entpuppt sich aber bald als bösartige Hexe, die Hänsel mästen und verspeisen will…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Es heißt, dass in den nördlichen Wäldern Monster, Geister, Hexen und Ungeheuer hausen. Trotzdem schickt die Mutter (Emily Richard) von Hänsel (Hugh Pollard) und Gretel (Nicola Stapleton, James Bond 007 – Octopussy) ihre Kinder in den Walt, um Beeren zu suchen. Da der Wald sehr dicht und dunkel ist, verlaufen sich die Kinder. Nach einer schrecklichen Nacht im Wald stoßen sie am kommenden Morgen auf eine aus Lebkuchen und Zuckerguss Hütte, in der die vermeintlich nette Großmutter Griselda (Cloris Leachman, American Gods, Inglourious Basterds) lebt. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass die alte Frau nichts Gutes im Sinn hat…

Cannon Films ist eine legendäre, unabhängige US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft, die den offenherzigen Filmfreund zwischen 1979 und 1989 mit cineastischen Meisterwerken wie Death Wish II-IV, Die City-Cobra, Missing in Action, Bloodsport oder American Fighter I-V beglückten und so manche Filmleidenschaft (unter anderem auch meine) nachhaltig geprägt und beeinflusst haben. Völlig neu jedoch war mir, dass die beiden Filmverrückten Menahem Golan und Yoram Globus in den Jahren 1986 bis 1989 auch im Familienfilm Fuß fassen und mit ihren Live-Action-Märchenfilmen eine Konkurrenz zu Disneys Zeichentrickfilmen sein wollten. Okay, die beiden haben schon immer hoch gepokert! So bediente man sich der bekannten Märchen der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen und Charles Perrault und inszenierte die Cannon Movie Tales. Einer von ihnen ist der hier vorliegende Märchenfilm Hänsel und Gretel, der von Len Talan, der hier seinen einzigen Film schuf, inszeniert wurde. Die Besetzung ist mit Cloris Leachman und David „Das Omen“ Warner (der hier erstmalig in einem Film singen durfte) ist durchaus solide, die Inszenierung so detailverliebt wie überbordend. Inhaltlich orientiert man sich dabei an der gleichnamigen spätromantischen Oper, die Komponist Engelbert Humperdinck im Jahr 1893 nach dem Märchen schuf. Wer Cannon kennt, weiß, dass man eher klotzt als kleckert, weshalb auch hier alles auf charmante Weise etwas drüber ist. Die von Leachman mit sichtbarer Freude dargestellte Hexe ist so böse, dass es einem schauert, das Knusperhaus ist so knallebunt, dass man vom Zuschauen Diabetes bekommt und immer wieder überschreitet man atmosphärisch die Grenze zum (trotzdem noch kindgerechten) Gruselfilm. Ein sympathischer und unterhaltsamer Filmspaß, den Klein und Groß gut an einem Sonntagnachmittag genießen können!

Hänsel und Gretel (Originaltitel: Cannon Movie Tales: Hansel and Gretel, USA / Israel 1987) erscheint als Blu-ray-Premiere bei Capelight Pictures als DVD und als 2-Disc Limited Collector’s Edition im wie immer schön gestalteten Mediabook. Zur Ansicht stand mir das Mediabook zur Verfügung, welches den Film als DVD und Blu-ray enthielt. Letztgenannte wurde von mir getestet und konnte in Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: PCM 2.0) mit einem qualitativ guten Niveau überzeugen. Im Bonusmaterial befanden sich der Trailer und Filmtipps. Abgerundet wird die schöne Veröffentlichung durch ein interessantes, 24 Seiten starkes Booklet, in welchem neben zahlreichen Filmbildern der Journalist Nando Rohner über die Gebrüder Grimm, dem damaligen Zeitgeist und den historischen Hintergründen zu Hänsel & Gretel schreibt. Zudem geht er auf die zahlreichen Verfilmungen, speziell das hier vorliegende Cannon Movie Tales ein und beleuchtet die Art, in der das Studio seine Filme gedreht hat und welche Stars dazu verpflichtet wurden.

Hänsel und Gretel von Cannon ist ein sympathisch verspielter, mittlerweile etwas altmodischer Film, der mit viel Charme und einer liebevoll gestalteten, knallbunten Ausstattung überzeugen kann. Für die ganz kleinen Zuschauenden wahrscheinlich etwas zu gruselig, ist es jedoch ein klassischer Familienfilm, den man sich speziell in der kälteren Jahreszeit gut gemeinsam anschauen kann! Schön, dass Capelight Pictures diesen von vielen kultisch verehrten Märchenfilm in solch einer schönen Ausgabe veröffentlicht!

Christian Funke